Kriminalität

Mann soll neben verstümmelter Leiche gebetet haben

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Michael Behrendt und Steffen Pletl

Die Berliner Polizei hat einen blutigen Fund gemacht: In einer Wohnung in Schöneberg entdeckte sie die obere Hälfte einer Männerleiche. Ein Mann – offensichtlich nicht der Täter – betete Medienberichten zufolge knieend neben dem Torso. Auch der Rest der Leiche wurde später gefunden. Nach einem Verdächtigen wird noch gefahndet.

Ein mysteriöses Verbrechen beschäftigt derzeit die 7. Mordkommission des Landeskriminalamtes: Am Sonntagabend wurde die Leiche eines 57 Jahre alten Mannes in einer Schöneberger Wohnung an der Rembrandtstraße entdeckt. Die Polizei nahm einen 50-jährigen Mann wegen unterlassener Hilfeleistung fest, nach einem 20-jährigen Haupttäter wird gefahndet. Laut Informationen dieser Zeitung soll die Leiche schwer verstümmelt gewesen sein. Die Hintergründe sind bislang noch völlig unklar.

Gegen 21 Uhr hatte ein Mann polnischer Abstammung die Polizei alarmiert. Zuvor hatte er in seiner Wohnung den Toten und den später Festgenommenen entdeckt. Die Kriminalpolizei nahm beide Männer mit zur Vernehmung zum Landeskriminalamt.

Die Pressestelle der Polizei durfte lediglich eine kurze Meldung über den Zwischenfall veröffentlichen – die Staatsanwaltschaft behielt sich die Auskünfte bis zum Abend vor.

Wie diese Zeitung erfuhr, soll der Wohnungsinhaber seine Räume einem Bekannten zur Verfügung gestellt haben, während er selbst zu einem Kurzurlaub im polnischen Masuren weilte. Bei seiner Rückkehr soll er dann den 50-Jährigen über der Leiche stehend entdeckt haben. Die "B.Z." dagegen berichtet, der Mann habe neben der Leiche gekniet haben, die Hände zum Gebet gefaltet.

Als die Polizei eintrat, habe sich der Mann widerstandslos festnehmen lassen. Am Montagnachmittag wurde ihm der Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung gemacht, weil er offenbar bei der Tat anwesend war, aber nicht eingegriffen hatte.

Einer Anwohnerin, die den Wohnungsinhaber kurz vor dem Eintreffen der Polizei noch kurz sprechen konnte, soll der Mann berichtet haben, die Leiche sei eingewickelt und enthauptet gewesen sein. Der Kopf sei in einer Tasche entdeckt worden. Der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald, dementierte dies auf Anfrage und betonte, es habe keine Enthauptung gegeben.

Augenzeugen berichteten am Dienstag, dass die Polizei nach dem Leichenfund auch die Mülltonnen und verschiedene Müllsäcke durchsucht habe. "Die haben das sehr akribisch gemacht. Sicherlich wurden Leichenteile dort vermutet", so ein Nachbar. Der Hausmeister des Mehrfamilienhauses an der Rembrandtstraße fügte hinzu, noch in der Nacht zum Montag hätten Ermittler gegen 4 Uhr mit mehreren Spürhunden die Umgebung des Tatorts untersucht und unter einem Bauschutthaufen schließlich eine Tasche mit Körperteilen entdeckt.

Ein Kriminalbeamter wollte am gestrigen Abend nicht dementieren, dass die Leiche des bislang Unbekannten mit einem scharfen Gegenstand durchtrennt und zum Teil bereits fortgeschafft worden war. Anwohner erzählten gestern zudem, dass bereits Verwesungsgeruch durch das Mehrfamilienhaus geströmt sei. Dies lasse laut einem Mieter darauf schließen, dass die Bluttat bereits mehrere Tage zurückliegen könnte. Eine Obduktion der Leiche kann dies nun genau feststellen, das entsprechende Ergebnis der Gerichtsmediziner steht allerdings noch aus.

Am gestrigen Abend teilte Staatsanwaltssprecher Michael Grunwald schließlich mit, der Oberkörper des 57-Jährigen habe sich in der Wohnung befunden, der Unterleib sei außerhalb der Räume entdeckt worden. Bei dem möglichen Haupttäter soll es sich um den 20-jährigen handeln, der laut Informationen dieser Zeitung ebenfalls aus Polen stammen und sich mehrfach – zum Teil betrunken – im Bereich des Wohnhauses aufgehalten haben soll. Nachbarn hatten ihn in der letzten Zeit immer wieder beobachtet. Nach diesem mutmaßlichen Täter wird jetzt gefahndet, die Fragen zu einem möglichen Motiv sind noch völlig ungeklärt.

Der Mieter der Tatwohnung soll von Beruf Handwerker sein und zusammen mit Landsleuten das Haus an der Rembrandtstraße saniert haben. Nachbarn beschreiben ihn als sehr gewissenhaft und hilfsbereit. Vor einem Jahr etwa habe der Mann dann eine Wohnung im Seitenflügel in der vierten Etage angemietet. Diese bewohne er seitdem mit einem Bekannten.