Eurovision Song Contest

Stefan Raab und Lena feiern sich als Traumpaar

| Lesedauer: 10 Minuten

Foto: dpa

Wo Lena ist, kann Raab nicht weit sein. Das neue deutsche Traumpaar hat über professionelle Zukunftspläne informiert. Und zeigte sich sehr vertraut.

Stefan Raab und Lena Meyer-Landrut sind ein Paar. Nein, kein Liebespaar, das wäre viel zu banal. Die beiden sind ein geniales Paar. Die Pressekonferenz gestern in Köln ließ keinen Zweifel daran. Raab und Lena verbindet etwas.

Sie spielen sich die Bälle zu, die ihnen die Journalisten hinwerfen, sie treiben die Presse vor sich her, jeder auf seine Weise, und schauen dann den anderen bewundernd an, wenn der bei einer besonders blöden Frage ordentlich zurückkickt und einen Treffer versenkt.

Und das passiert nicht selten. Besonders bei den Fragen, die Deutschland betreffen. Wie es sich anfühlt, eine Nationalheldin zu sein und ähnliches wollen die Medienvertreter der Nation wissen. Lena pariert in solchen Fällen geschickt.

Mal kess, mal ironisch, und manchmal mit genau demselben Ausdruck, mit dem sie in Oslo alle für verrückt erklärte. „Was macht ihr Sieg mit der Stimmung in diesem Land?“ fragt ein Journalist. „Ich fühle mich dieser Frage nicht gewachsen“, antwortet sie, aber man ahnt, dass sie dem Fragenden nur gnädigerweise erspart zu antworten, was sie wirklich denkt. Raab erklärt schnell und sehr gut gelaunt, dass er am morgen in der Zeitung gelesen habe, wildfremde Männer hätten sich zu Lenas Triumph in einer Schwulenkneipe auf den Mund geküsst. Und das in Köln, wo es ja kaum Schwulenkneipen gäbe. „Lena kann alles“, sagt Raab stolz, „sie kann auch übers Wasser gehen. Wir habe da hinten was vorbereitet.“

Zur Einstimmung in die Konferenz im Studio von TV Total, das sowohl Lena als auch Raab später ihr ‚Zuhause’ nennen werden, gibt es die Eurovisions Hymne live vortrompetet und noch mal die entscheidenden Minuten von Lenas Triumph in Oslo.

Dann zieht die Siegreiche ein, anders als gestern in Hannover nicht mehr in Baggy Pants, sondern mit Justin-Timberlake-Hütchen und einem massiv mädchenhaften T-Shirt mit aufgedruckten Perlen. Es wirkt ein bisschen wie ein neuer Look, aber in jeden Blick und jeden Augenaufschlag von Lena Meyer-Landrut ist in den letzten Wochen alles auch nur Erdenkliche hineininterpretiert worden.

Man kann es also einfach mal darauf beruhen lassen, zu vermelden, dass sie etwas anderes als in Hannover trägt und dass sie sich für den Abend sicher noch mal umziehen wird, aber davon müssen sie dann morgen in dieser Zeitung lesen. Wir wollen nichts vorwegnehmen.

Wie jedes Paar, das sich gerade erst entdeckt hat, haben auch Lena und Stefan Raab Geheimnisse. So verraten sie in Köln im Grunde nichts, was sie nicht ohnehin schon einmal erklärt hätten. Sie feiern vor allem sich selbst, wozu sie auch allen Grund haben, und dann begleitet Raab Lena auf der Gitarre, die noch mal „Satellite“ singt. Noch haben weder sie selbst noch ihre Zuhörer genug davon.

Neu ist nur, dass sie offensichtlich schon Pläne schmieden, an denen sie aber momentan noch niemand teilhaben lassen. Auffällig oft schaut Lena, wenn man sie zum hundertsten Mal nach ihrer Zukunft befragt, rüber zu Raab. Neu ist vielleicht auch, dass Stefan Raab auf jeden Fall an seiner Entdeckung Lena festhalten wird, aber selbst das deutete sich ja bereits in Oslo an.

„Im Überschwang der Gefühle haben wir etwas gesagt, was einige Journalisten für einen Witz gehalten haben. Es war aber keiner: Es gibt keine andere Möglichkeit, moralisch, musikalisch und ethisch, als dass die Siegerin ihren Titel verteidigt“, erklärt Stefan Raab. Schließlich wechsele man ja auch in der Nationalmannschaft nicht den erfolgreichsten Torschützen einfach aus. „Auf jeden Fall, ich bin dabei“ bekräftigte Lena, und das war der einzige Moment, der etwas einstudiert wirkte.

NDR-Intendant Lutz Marmor sprang dem Richtungswechsel ebenfalls pflichtschuldigst bei: Man solle „die Professionalität weiter nutzen.“ Gegen Lena habe ja ohnehin niemand eine Chance.

Das heißt: Unseren Star für Köln (oder Berlin, oder Hamburg) wird es nicht geben. Die Möglichkeit einer neuen Castingshow sei drin, orakelt Raab, aber es wäre eine, die sich nur um Lena drehte. Das Publikum könne dann vielleicht den Titel oder etwas Ähnliches auswählen, darüber werde er sich noch Gedanken machen.

Fest steht auch, dass es eine große Party für die Mitarbeiter der Produktionsfirma Brainpool geben wird. Bezahlt von dem Geld, dass Raab durch eine Wette auf Lena gewonnen habe. 10.000 Euro des Bayrischen Fernsehpreises hat er gesetzt, erklärt Raab. „Aus Neidgründen“ hielte er aber die Gewinnsumme geheim. „Wenn sie eingeladen werden wollen, können Sie sich ja bei Brainpool bewerben“, empfiehlt Lena. Hier haben sich zwei gefunden, die noch einiges miteinander vorhaben.

Bevor es allerdings losging mit der Show von Lena und Stefan Raab, waren erst einmal die Herren mit ihrer Pressekonferenz dran. Andreas Bartl, Chef von Pro Sieben Sat1, Lutz Marmor, Intendant des NDR und Thomas Schreiber, Unterhaltungskoordiantor der ARD, dankten einander wie auch Stefan Raab und Lena, wie sie während der ganzen Konferenz von allen genant wird, für die großartige Zusammenarbeit, die Unterstützung und überhaupt. Man versichert sich gegenseitig eifrig, dass man die Kooperation fortsetzen wolle.

Und während sie alle drei recht viel reden, drückt Lena kurz ihr Mikro runter, damit die Fotografen schönere Aufnahmen machen können, und Stefan Raab zückt eine Digitalkamera und schießt ein paar Fotos von Lena, die jetzt vor den Herren posiert und, wenn man es böse deuten mag, zwei Finger hinter Lutz Marmors Kopf spreizt. Die Fotografen sind begeistert, sie machen sofort tausende Bilder davon, wie Raab Bilder macht und alle verlieren so ein bisschen aus den Augen, dass die Vertreter der öffentlich Rechtlichen eigentlich gerade etwas sagen. Die Stimmung erinnert ein bisschen an eine Klassenfahrt.

Erst als Marmor dann vom kommenden Grand Prix in Deutschland spricht, hört Raab hin. „Jetzt wird die Veranstaltung in einem erheblich größeren Rahmen stattfinden“, sagt Marmor, und Raab fällt ein: „und mit erheblichen Gebührenerhöhung verbunden.“ Und Marmor lacht aus und sagt schnell „Nein, nein.“

Und spätestens da ist klar, dass Stefan Raab in der Frage des Grand Prix in Deutschland die Zügel in der Hand hält. Da können die Verantwortlichen von ARD und NDR noch soviel von Hallen, Parkplätzen und Toilettenhäuschen erzählen.

Es wirkt so, als habe man die Journalisten zu zwei Pressekonferenzen eingeladen. Eine ist die von Lena und Stefan Raab, die andere die der Sender, wobei Pro Sieben Sat1 noch am besten wegkommt, denn Raab nutzt natürlich die Gelegenheit, um mitten in die laufende RTL Kamera seine Sondersendung mit Lena am Abend anzukündigen. „Heute Abend 20.15 Uhr, Pro Sieben.“

Und auf dem Gruppenbild zum Abschluss wird Stefan Raab die Arme um Lena und Andreas Bartl legen, während Thomas Schreiber und Lutz Marmor daneben stehen. Doch auch hier legt sich Raab nicht so ganz fest. „Pro Sieben, ein Sender zum Verlieben“, zitiert er. Und doch macht er auch klar, dass man sich ja nie so ganz festlegen sollte im Leben.

Natürlich wollen die Journalisten wissen, in welcher Stadt der Song Contest stattfinden wird, aber sie wollen es von Raab hören. Aber der sagt nur: „Ich würde mich freuen, wenn ich es nicht so weit hätte.“ Und „Es gibt viele tolle Städte in Köln.“ Ein Versprecher, der ihm selber so sehr gefällt, dass er ihn gleich noch mal wiederholt. Ob es denn hier auch genug Platz gäbe? „Zur Not muss man halt was bauen.“ Könne er sich dafür einsetzen, dass Köln den Zuschlag bekommt? „Können kann ich viel“, sagt Raab, und jeder im Saal glaubt es ihm.

Allerdings müssen bei den Sendeanstalten ja erst mal viele Menschen miteinander reden. „Wir können auch sehr schnell entscheiden“, wirft Marmor ein, der mit seiner Rolle am Rande wohl nicht mehr so recht zufrieden ist. „War doch nur Spaß“, sagt Raab, „Ich weiß doch, dass Sie der Flitzebogen der ARD sind.“ Irgendwann reicht auch Raab die Fragerei nach dem Austragungsort und er sagt: „Wenn Sie mit der Stadtfrage zu sehr nerven, dann machen wir das in Gera.“

Überhaupt hat Stefan Raab keine große Lust auf Diskussionen. Gerade scheint es ihnen vor allem am meisten Spaß zu machen, sich über die zu amüsieren, die ständig auf eine Überhöhung der Ereignisse zielen. Wie Lena mit ihrem unglaublichen Erfolg umgehe? „Ich drehe jetzt nicht durch“, sagt Lena zum Journalisten. „Das machen Sie ja schon“, sagt Raab.

Sowohl Raab als auch Lena wirken, als hätte man sie kurz von einer Party geholt, auf die sie aber gleich zurück wollten und zu der sie möglichst niemanden aus dieser Konferenz mitnehmen wollten. Lena sagt ziemlich häufig ‚so’ und ‚fertig’ und scheint nicht unglücklich, als die Konferenz vorbei ist. Irgendetwas wird entschieden werden, und das wird auch beizeiten mitgeteilt werden, aber wie Lena so schön sagt: „Jetzt ist erst mal Schnucki.“

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