Skandal an der Odenwaldschule

Vertuschungs-Vorwürfe gegen Behörden

| Lesedauer: 2 Minuten

Foto: Getty Images / Getty Images/Getty

Im Skandal um die Missbrauchfälle an der Odenwaldschule erheben Opfer und ihre rechtlichen Vertreter schwere Vorwürfe gegen das hessische Kultusministerium und die Staatsanwaltschaft Darmstadt. Der Ex-Internatsleiter bat in einem Brief seine Opfer um Verzeihung.

Das hessische Kultusministerium und die Staatsanwaltschaft Darmstadt hätten sich 1999, als die sexuellen Übergriffe des ehemaligen Schulleiters Gerold Becker erstmals bekannt wurden, durch Untätigkeit ausgezeichnet, sagte der Opferanwalt Thorsten Kahl der „Frankfurter Rundschau“. „Was da gelaufen ist, könnte man als Strafvereitelung im Amt bezeichnen.“

Ein Ex-Schüler sagte der „FR“, Aussagen der derzeitigen Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) seien „mit gesundem Menschenverstand nicht mehr nachvollziehbar“. Henzler hatte erklärt, sie sehe kein Versagen der Schulaufsicht beim Umgang mit Missbrauchsfällen an der Odenwaldschule.

Damals sei die Schulaufsicht davon ausgegangen, es gebe nur einen verdächtigen Lehrer und zwei betroffene Schüler. Es habe keinerlei Hinweise auf weitere Fälle gegeben.

Nach Angaben der „FR“ hatten dagegen schon im Juni 1998 zwei Missbrauchsopfer in einem Brief an den damaligen Schulrektor Wolfgang Harder davon gesprochen, dass es noch mehr Betroffene gebe.

Dieser habe dies an das zuständige Staatliche Schulamt weitergeleitet. Die Schüler, die damals die Vorwürfe ins Rollen gebracht hätten, seien von den Behörden nie befragt worden.

Der frühere Schulleiter Gerold Becker hat sich mittlerweile in einem Brief bei den Opfern entschuldigt. „Schüler, die ich in den Jahren, in denen ich Mitarbeiter und Leiter der Odenwaldschule war, durch Annäherungsversuche oder Handlungen sexuell bedrängt oder verletzt habe, sollen wissen: Das bedauere ich zutiefst und bitte sie dafür um Entschuldigung“, zitierten die „FR“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ aus dem Schreiben Beckers an die Schule.

Becker schreibt weiter: „Diese Bitte um Entschuldigung bezieht sich ausdrücklich auch auf alle Wirkungen, die den Betroffenen erst später bewusst geworden sind.“ Er sei krank und müsse damit rechnen, „dass ich mein Krankenzimmer auch künftig bestenfalls stundenweise werde verlassen können“.

Am Ende des Briefes heißt es: „Die von mir vor zwölf Jahren geäußerte Bereitschaft zu einem Gespräch mit betroffenen Schülern wiederhole ich noch einmal.“

Die Missbrauchsfälle an der reformpädagogisch orientierten Schule waren Anfang März bekannt geworden. Becker hatte bislang zu den Vorwürfen geschwiegen.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen