Fitness mit Franka Potente

"Leute, kriegt endlich den Arsch hoch"

Die deutsche Schauspielerin Franka Potente wehrt sich seit Jahren gegen den Magerwahn in Hollywood. Trotzdem ist die 34-Jährige jetzt unter die Vorturner gegangen und bringt mit ihrem Trainer Karsten Schellenberg ein Fitnessbuch heraus. Morgenpost Online hat sie erklärt, wie das zusammenpasst.

Foto: Jim Rakete

Morgenpost Online: Topmodels schreiben Fitnessbücher, blonde Moderatoren auch – und nun sind Sie die neue Aerobic-Queen?

Franka Potente: Sicher nicht! Mein Trainer Karsten hat sich nur immer so viele gemeine Dinge ausgedacht, die bei mir gewirkt haben. Und was bei mir funktioniert, kann doch für andere nicht schlecht sein.

Morgenpost Online: Aber es gibt doch schon tausend Fitness-Bücher.

Potente: Die meisten sind nach Schema F gestaltet, dünne Frauen in Leggins turnen da etwas vor. Schrecklich! Wir machen ein normales Buch für normale Menschen mit Übungen, die man überall machen kann. Wir sind zum Beispiel beide tätowiert und verkleiden uns jetzt nicht im hippen Sportdress. Wir machen nicht auf, Franka verkleidet sich als Sportlerin, sondern Franka turnt mit Karsten.

Morgenpost Online: Wie erfolgreich turnen Sie denn?

Potente: Ich bin rundum fester geworden und habe acht Kilo abgenommen. Ich habe aufgehört zu rauchen und hab’ ganz doll trainiert, weil ich nicht zunehmen wollte.

Morgenpost Online: Dabei kritteln Sie doch seit Jahren am Schlankheitswahn Hollywoods rum?

Potente: Bei unserem Buch geht es auch nicht darum, Modelmaße zu erreichen, zu sagen, du musst in zwei Wochen 30 Kilo abnehmen. Wir heben im Buch nicht den Zeigefinger und sagen: 'So, diese Übung musst du jetzt 300 Mal machen'. Es geht darum, fit zu werden, den eigenen Körper zu spüren, sich zu motivieren.

Morgenpost Online: Hat sich Ihr Verhältnis zu Ihrem Körper seit Hollywood verändert?

Potente: In Amerika heißt dünn sein, sich im Griff haben, das gilt als attraktiv, nicht weil man dünn ist, sondern weil es suggeriert, die ist so stark, dass die auf das Essen verzichten kann. Dann sagen sie: 'Sie isst ja nichts, guck mal all die anderen hier, die fressen hier, die haben sich nicht im Griff, aber diese Frau, die hat alles im Griff, die kann alles erreichen, weil sie auch nichts isst.' Ich esse weiter, es muss ja nicht noch einen Größe-Null-Klon geben.

Morgenpost Online: Wie packen Sie Ihren Schweinehund?

Potente: Ich stelle mir abends schon die Laufschuhe hin, so dass ich gar nicht mehr dran vorbei komme. Oder wenn ich mir vornehme, jeden Trag 'ne halbe Stunde zu trainieren, belohne ich mich mit irgendwas hinterher, mache mir beispielsweise einen frischen Saft. Es geht darum loszulegen. Deswegen heißt das Buch auch „Kick ass“. Damit will ich sagen, 'Leute, kriegt endlich den Arsch hoch'.