Der Fall Amanda Knox

Millionen-Entschädigung für Familie Kercher

Die Familie der ermordeten britischen Studentin Meredith Kercher will mit dem Geld aus Entschädigungszahlungen eine Wohltätigkeitsorganisation gründen. Dorthin sollten die 4,4 Millionen Euro fließen, die ein Gericht in der italienischen Stadt Perugia den Kerchers zugesprochen hat, sagte die Familie.

Foto: REUTERS

Das Geld müssen die beiden Verurteilten, die US-Amerikanerin Amanda Knox (22) und ihr italienischer Ex-Freund Raffaele Sollecito (25), laut Urteil jeweils zur Hälfte zahlen.

Zwei Jahre nach dem Mord und dem langen Prozess habe die Familie den Tod von Meredith noch nicht verarbeitet, sagte die Mutter des Opfers, Arline Kercher, der Zeitung "Daily Mirror". „Wir sind diejenigen, die eine lebenslange Strafe bekommen haben. Wir müssen mit dem, was passiert ist, für den Rest unseres Lebens leben. Man sagt, Zeit heilt die Wunden, aber das tut sie nicht.“

Die Familie fühle keine Hass. „Die Leute fragen uns immer nach Amanda Knox und Raffaele Sollecito, aber es liegt nicht an uns, über sie zu richten“, sagte die Schwester des Opfers, Stephanie Kercher. „In all dem gibt es keine Gewinner“, sagte der Bruder, John Kercher.

Die Eltern erhalten laut Urteil des Gerichts in der italienischen Stadt Perugia zwei Millionen Euro, die drei Geschwister jeweils 800.000 Euro. Die beiden Verurteilten, die US-Amerikanerin Amanda Knox und ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito, müssen jeweils zur Hälfte für die Zahlung aufkommen.

Die Verurteilten wurden außerdem zur Zahlung von 25.000 Euro Ausfallmiete für die gesperrte Tatort-Wohnung verpflichtet. Knox muss obendrein 40.000 Euro für den Rufmord an einem Kellner zahlen, den sie des Mordes beschuldigt hatte. Er saß zwei Wochen hinter Gittern. Hinzu kommen die Kosten für das Gerichtsverfahren. Wann die Familien der beiden Verurteilten zahlen müssen, ist davon abhängig, ob der Prozess in einem Berufungsverfahren aufgerollt wird.

Die Familie von Amanda Knox hat bereits angekündigt, dass sie die Entschädigungszahlungen nicht leisten kann. Sie hat nach eigenen Angaben 750.000 Euro für Anwälte und Unterkunft für den langen Indizienprozess ausgegeben und ihr Haus eine Hypothek aufgenommen.

Auch die deutsche Großmutter, Elizabeth Huff, habe der Familie Geld gegeben. Geld bekamen die Knox' in letzter Zeit durch von diverse Interviews. Vater Curt Knox ist stellvertretender Leiter einer Filiale der US-Kaufhauskette Macy's.

In einem der spektakulärsten Indizienprozesse Italiens waren Knox und Sollecito in der Nacht zum Samstag zu 26 beziehungsweise 25 Jahren Haft verurteilt worden. Sie sollen die Britin Meredith Kercher grausam getötet haben.

Die Verurteilten streben ein Berufungsverfahren an. Das Opfer war am 2. November 2007 mit durchschnittener Kehle, halbnackt und von 40 Messerstichen übersät in seiner Wohnung in Perugia gefunden worden. Vor ihrem Tod war die 21 Jahre alte Kercher vergewaltigt worden.

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