"Deutschland sucht den Superstar"

Kim Debkowski darf sich abschminken

Die letzte Frau bei "Deutschland sucht den Superstar" muss ihr Schminkköfferchen packen. Kim Debkowski schafft es nicht ins Halbfinale der Show. Doch während Kims Emotionen keine hohen Wellen schlagen, muss Menowin leiden. Nach seinem dubiosen Verschwinden gab es Schelte von der Jury.

Foto: Getty Images / Getty Images/Getty

Biblisch, ja geradezu österlich, ging es passend zum höchsten Fest der Christenheit bei „Deutschland sucht den Superstar“ zu. Und damit ist nicht gemeint, dass Moderator Marco Schreyl etwa Hasenohren und ein Puschelschwänzchen getragen hätte. Optisch beleidigte er nur durch ein rosafarbenes und dazu noch schlecht sitzendes Sakko. Nein, ganz so offensichtlich waren die christlichen Referenzen nicht, doch wer genau hinsah, konnte große Themen wie den Umgang mit Sündern, Nächstenliebe, ja sogar Kreuzigung und Auferstehung entdecken.

Die Show begann direkt mit einem ersten vorösterlichen Wunder: der Rückkehr des verlorenen Sohnes. Denn trotz wilder Spekulationen im Vorfeld erschienen pünktlich zum Eröffnungssong „Crying at the discoteque“ nicht nur drei, sondern tatsächlich alle vier verbliebenen Kandidaten.

Menowin Fröhlich, die vergangene Woche über abgetaucht und von RTL angeblich nicht einmal übers Handy zu erreichen, tänzelte ungerührt und als sei nichts vorgefallen mit den anderen über die Bühne. Dass der böse Bube sämtliche Termine und Proben versäumt hatte, merkte man allein an den schnellen Seitenblicken, die er Kim, Manuel und Mehrzad zuwarf, um wenigstens halbwegs in der Choreographie zu bleiben.

Dass sich bei denen die Wiedersehensfreude in engen Grenzen hielt, wurde wiederum nur dadurch augenfällig, dass sie ihrerseits auf jeglichen Blickkontakt stoisch verzichteten. Aber gut, offene Arme wird Menowin nach seinem dubiosen Verschwinden und den vorangegangenen Streitereien auch kaum erwartet haben.

Dass es aber gleich so dicke kommen würde, hätte er wohl nicht vermutet. Denn während ihn die Mitkandidaten nur mit Missachtung straften, nagelte die Jury den sonst nur Lob Gewöhnten nach seinem ersten Solo-Auftritt mit Milows „Ayo technology“ geradezu ans Kreuz.

„Das war ein Genuschel und dazwischen ein Kraftakt. Und das hat überhaupt nicht gepasst“, verschaffte sich Nina Eichinger über „Menowin“-Sprechchöre aus dem Publikum Gehör. „Ich habe nicht das Gefühl, dass du damit überhaupt gearbeitet hast.“

Und selbst Papa Dieter Bohlen, sein erklärter Gönner, ging auf Abstand: „Die Strophen waren maximal 'ne Buchstabensuppe. Was mich enttäuscht, ist, dass du dein Talent im Moment mit Füßen trittst.“

Derart in Ungnade gefallen schlich Menowin wie ein geprügelter Hund zu seinem Platz – und sollte eine Überraschung erleben. Denn die Trauernden sollen getröstet werden, und so besannen sich die Konkurrenten der Nächstenliebe, überwanden ihren Groll und selbst der einstige Intimus und aktuelle Erzfeind Mehrzad Marashi umarmte und herzte den Gestrauchelten wie in längst vergangenen Tagen.

Ob geläutert durch diese Gesten der Barmherzigkeit oder angespornt durch den wieder erwachten Ehrgeiz des Underdogs – Menowin riss sich zusammen und feierte mit „Celebration“ bei seinem zweiten Auftritt noch in der Osternacht Auferstehung. „Da steht genau der große Sänger, den ich eben vermisst habe,“ jubilierte Volker Neumüller. „Das war der Menowin, den ich hier sehen will.“ Und die Zuschauer offenbar auch, denn trotz Bangen bei der Entscheidung beförderten sie ihn in die nächste Runde. Halleluja! Fast hätte man ein kleines Tränchen zerdrücken können, beschliche einen nicht das ungute Gefühl, dass man mal wieder nichts anderem als einer großen Theateraufführung aufgesessen sei.

Erst recht, wenn nun zu hören ist, dass Menowin die Woche seines Verschwindens still und heimlich am Bett seiner krebskranken Tante verbracht haben soll. Wenn dem so war, warum hat er sich beim Sender dann nicht abgemeldet? Oder hat er das vielleicht sogar getan? Was bei DSDS ist echt, was inszeniert?

Das Publikum kann das schon lange nicht mehr unterscheiden. Und die Medien offenbar leider auch nicht, denn sie greifen jeden Brocken, denen ihnen die findigen RTL PR-Strategen hinwerfen, nur allzu begierig auf.

Menowins Schicksal ist sicher noch für die ein oder andere Schlagzeile gut. Ein Glück also, dass er auch kommenden Samstag wieder singen darf.

Kim Debkowski dagegen darf sich endlich abschminken. Singen konnte sie noch nie und an ihren schrillen Outfits hat man sich nun satt gesehen.

Dass das Halbfinale eine reine Männerveranstaltung würde, war längst ausgemacht. Denn wie schon die Bibel, sieht auch das Skript von DSDS für Frauen nur die Nebenrollen vor.

Ein schwacher Trost für Kim. Aber vielleicht hält das Osterfest ja auch für sie noch Erlösung bereit und der Osterhase legt ihr eine Schminkbarbie ins Nest.

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