Nach Amoklauf

78 Prozent für Waffenverbot in Privathaushalten

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Nach dem Amoklauf von Winnenden glaubt eine große Mehrheit der Deutschen, Gewehre und Pistolen sollten generell aus privaten Wohnungen und Wohnhäusern verbannte werden. So mancher Bürger fürchtet auch, einen Amokläufer zu kennen. Kanzlerin Merkel empfiehlt unangekündigte Kontrollen bei Waffenbesitzern.

Viele Deutsche haben Angst, dass der Amokläufer von Winnenden Nachahmer findet. Eine repräsentative Emnid-Umfrage für „Bild am Sonntag“ ergab: Acht Prozent der Bundesbürger sind der Meinung, dass es auch in ihrem persönlichen Umfeld einen Jugendlichen gibt, der zu einem solchen Amoklauf fähig ist.

Die Meinungsforscher fragten auch nach der Wirkung von Videospielen. 72 Prozent der Deutschen ist demnach der Meinung, dass der Konsum von Gewaltspielen und Horrorfilmen die Jugendlichen gewaltbereiter als früher gemacht hat. Allerdings glauben bei den Befragten unter 30 Jahren nur knapp die Hälfte an diesen Zusammenhang.

Mehr als zwei Drittel der insgesamt 501 Befragten sind zudem der Ansicht, dass mehr für die Sicherheit von Lehrern und Schülern getan werden muss. So finden es 71 Prozent sinnvoll, alle Lehrer mit Warnhandys auszustatten. 52 Prozent sind dafür, Schulgebäude mit Chipkarten zu sichern, sodass nur noch Schüler und Lehrer Zugang haben. 42 Prozent befürworten die Forderung, Schulgebäude während des Unterrichts generell abzuschließen und 41 Prozent glauben, dass das Durchsuchen von Personen und Taschen vor Betreten von Schulen die Sicherheit erhöht. 16 Prozent halten sogar bewaffnetes Sicherheitspersonal in Schulen für sinnvoll.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte nach dem Amoklauf allerdings davor, schnell mit Gesetzesinitiativen vorzupreschen. „Ich bin ausdrücklich nicht der Meinung, dass man zwei Stunden nach einem solchen Ereignis sicher wissen kann, welche Gesetze es braucht, um so etwas zu verhindern“, sagte Schäuble der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Bei einem für Sonntag angesetzten Treffen mit europäischen Innenministern wolle er auch über Erfahrungen mit Jugendgewalt sprechen und darüber, was man voneinander lernen könne. „Wir müssen uns genauer ansehen, wie wir mit den rasanten Entwicklungen in der Kommunikation in unseren Gesellschaften umgehen.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel rief indes zu mehr Wachsamkeit auf. „Wir müssen aufmerksam sein (...) auf alle jungen Menschen“, sagte sie im Deutschlandfunk. Das gelte sowohl für Eltern als auch für Erzieher. „Wir müssen alles tun, um zu schauen, dass Kinder nicht an Waffen kommen, dass ihnen auch sicherlich nicht zu viel Gewalt zugemutet wird.“

„Es waren furchtbare Empfindungen, es war Fassungslosigkeit bei mir, und ich glaube, bei vielen, vielen Menschen“, sagte Merkel. Es sei sehr schwer, sofort mit einem Maßnahmenkatalog auf ein solches Ereignis zu antworten. „Wir müssen aufmerksam sein, das ist die Lehre, auf alle jungen Menschen – das gilt für Eltern, das gilt für Erzieher“, mahnte die Kanzlerin. „Wir müssen alles tun, um zu schauen, dass Kinder nicht an Waffen kommen.“

Bei der Aufbewahrung von Waffen und Munition müsse die Einhaltung der Regeln kontrolliert werde, forderte Merkel. „Und hier werden die Experten sicherlich auch noch mal überlegen: Kann man vielleicht durch unangemeldete Kontrollen oder ähnliches vielleicht noch stärker hinterher schauen, dass das so passiert.“

Überlegt werden muss nach Merkels Worten auch, ob der Zugang zu Gewaltvideos im Internet erschwert werden kann. „Einfach nur mit der Freiheit des Internets zu argumentieren, wird uns letztlich auch nicht weiterhelfen“, betonte die Regierungschefin.

Vor wenigen Tagen hatte der 17-Jährige in Winnenden an seiner früheren Schule und dann auf der Flucht insgesamt 15 Menschen erschossen. Laut Polizei tötete er sich anschließend selbst.

( dpa/ddp/str )