Schönheitskönigin

Wenn Miss Belgien spricht, buht das Publikum

Nach ihrer Wahl zur Miss Belgien steht Alizee Poulicek im Licht der Öffentlichkeit. Dumm nur: Die frisch gekürte Miss spricht kein Niederländisch – im Gegensatz zur Mehrheit der Belgier. Anstatt Schönheit zu verbreiten, verstärkt Alizee nun das Hickhack im ohnehin zerstrittenen Land.

Foto: AFP

Die frisch gekürte Miss Belgien erregt die Gemüter ihres Heimatlandes: Die 20-jährige Alizee Poulicek spricht zwar drei Sprachen fließend, doch ausgerechnet nicht die Landessprache der Mehrheit der Belgier, nämlich Niederländisch. Bereits nach ihrer Wahl am Samstag wurde Poulicek ausgebuht: Sie konnte Fragen nur auf Französisch beantworten.

“Miss Belgien ist nicht tweetalig”, schrieb die französische Zeitung “La Libre” und benutzt dabei das niederländische Wort für zweisprachig.Belgien hat vor allem wegen Konflikten, die mit der geforderten Zweisprachigkeit des Landes zu tun haben, seit fast 200 Tagen keine Regierung. „Miss Belgien spricht kein Niederländisch“, titelte die Zeitung „Het Laatste Nieuws“ am Montag. „Ich muss jetzt versuchen, mehr zu lernen“, sagte Poulicek. „Als ich dieses Abenteuer begonnen habe, habe ich fast kein Niederländisch gesprochen“, erklärte sie dem belgischen Fernsehsender VRT. Die Schönheitskönigin ist die Tochter eines Tschechen und einer Belgierin. Sie lebte viele Jahre in Tschechien und kam erst vor sechs Jahren nach Belgien zurück – in die französischsprachige Stadt Huy. Sie spricht Englisch, Tschechisch und Französisch.

Etwa sechs Millionen Belgier gehören zu den Niederländisch sprechenden Flamen, der Rest der zehneinhalb Millionen Bürger spricht mehrheitlich Französisch. Im Osten des Landes gibt es eine kleine deutschsprachige Minderheit. Nachdem Belgien 1830 von den Niederlanden unabhängig wurde, dominierte das Französische das politische und ökonomische Leben. Erst seit dem 2. Weltkrieg kam das Niederländische wieder mehr in Belgien auf. Die letzten Ministerpräsidenten sprachen sowohl Niederländisch als auch Französisch.

Für Darlene Devos, die die Veranstaltung für die Miss-Wahlen organisierte, gibt es Schlimmeres als die Bildungslücke der Siegerin. „ Mich ärgert das nicht wirklich. Das ist das geringste Übel, was gesagt werden kann. Ich hätte mehr Bedenken, wenn sie gesagt hätten: Miss Belgien ist eine hässliche Frau.“

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen