Starker Mann

Eine Modelkarriere auf nur einem Bein

Der Hamburger Mario Galla ist ein gefragtes Model – trotz seines Handicaps. Seit seiner Geburt hat er ein verkürztes Bein.

Wenn Mario Galla erzählt wie er zum Modeln kam, klingt seine Geschichte erst einmal wie die vieler anderer. Auch er wurde irgendwann völlig unerwartet von einer fremden Person angesprochen. Nummern wurden ausgetauscht und eines Tages klingelte sein Handy. Am anderen Ende sprach jemand von der Hamburger Modelagentur PMA, der ihn zu einem Casting einlud.

Dass er seit seiner Geburt ein verkürztes Bein hat, sprach der 25-Jährige erst an, als er dachte, dass es Zeit dafür ist. Als der Fotograf ihn bat, für ein Oben-Ohne-Foto den Oberkörper frei zu machen, sagte Mario Galla das, was er immer sagt, wenn er neue Menschen trifft: „Ich habe am rechten Bein ein Handicap.“

Dabei ließ er seine Hosen herunter und gab den Blick frei auf eine Sportprothese mit Carbongelenken. „Natürlich waren die Leute erst mal irritiert“, erinnert er sich. „Aber letztlich war es kein Schockmoment für sie. Ich wurde trotzdem in die Kartei aufgenommen, auch wenn ich darüber anfangs selbst etwas verwundert war. Man muss sich das mal vorstellen: Die wollten Fotos von mir machen und ich stehe da mit einem Prothesenbein.“

Auch Paul James Hay erinnert sich noch an dieses Casting vor zwei Jahren. Der Modelagent, der pausenlos durch die Welt jettet, schwärmt von Mario. „Er ist faszinierend. Er ist wunderschön und voller Energie.“ Auch wenn klar sei, dass der 25-Jährige nicht für Unterwäscheshootings gebucht werde, so sagt er ihm eine große Karriere voraus.

Wegen seines markanten und zugleich feinen Gesichts und wegen seiner positiven Ausstrahlung – die er trotz oder gerade aufgrund seines Handicaps hat. „Mario zeigt, dass du träumen und Erfolg haben kannst, auch wenn du gehandicapt bist.“

Der beste Beleg hierfür sind die Aufträge, für die Mario Gallo mittlerweile gebucht wurde. Er arbeitete für Hugo Boss, lief auf der Berliner Fashion Week für Michael Michalsky, der ihn prompt in kurzen Hosen über den Laufsteg schickte. Auch der mittlerweile verstorbene Modedesigner Alexander McQueen beauftragte ihn für seine Show, auch wenn das Model hier zum ersten, aber bisher einzigen Mal ausgetauscht wurde: Eine Hosenschnalle ließ sie aufgrund des Prothesenfußes nicht schließen.

Wenn Mario Galla nicht gerade vor der Kamera steht, jobbt er als Redaktionsassistent beim NDR. Im Herbst fängt er an, Medienwissenschaften zu studieren. Mit seiner Behinderung hatte er noch nie ein Problem. „Dadurch, dass ich sie von Geburt an habe, war es für mich immer völlig normal“, sagt er. Der Modeljob sei für ihn eine gute Gelegenheit, etwas Geld zu verdienen, um sich auf diese Weise das Studium zu finanzieren.

Mehr aber auch nicht. Dabei spiele sein Handicap keine große Rolle, sagt er. „Mir ist es wichtig, dass ich nicht wegen meiner Behinderung gebucht werde. Sie ist da und sie gehört zu mir und ich will sie nicht verstecken müssen. Aber ich will wiederum auch nicht darauf reduziert werden.“ In seiner Mappe seien deshalb auch Fotos enthalten, auf denen seine Prothese zu sehen ist. „Ich finde das gut, denn die Bilder nehmen mir ab, mich erklären zu müssen.“

In seinem Leben konnte er bisher immer alles machen, was er wollte. Bis auf zwei Ausnahmen. Eine Zeit lange wollte er Kommissar werden und bewarb sich zum sportlichen Eignungstest bei der Polizei. „Aber da durfte ich nicht mitmachen – und das, obwohl ich schon so manchen Sprintpartner, der kein Handicap aufwies, abgehängt habe“, sagt er. Aber Modeln ist irgendwie auch viel cooler, als Verbrecher zu jagen.

Entdeckt wurde Mario Galla (25) in einem Imbiss am Grindel, die Modelagentur PMA nahm ihn trotz seiner Behinderung in ihre Kartei auf. Auf der Berliner Fashionweek lief er zum ersten Mal in kurzen Hosen über den Laufsteg.

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