Bayern

Mutter setzt zum zweiten Mal ein Kind aus

Eine unbekannte Mutter hat zum zweiten Mal ein Kind in einer Sparkasse ausgesetzt. Ein DNA-Abgleich ergab, dass ein im bayerischen Hof entdecktes Findelkind die Schwester eines vor sieben Jahren ausgesetzten Jungen ist. Die Polizei sucht weiter nach der Mutter der Kinder. Eine Spur führt nach Sachsen.

Foto: dpa / DPA

Eingewickelt in ein rosafarbenes Laken lag das Baby mehr als zweieinhalb Stunden im Foyer einer Sparkassenfiliale im fränkischen Hof – mitten in der Nacht. Dann fanden Bankkunden, die zum Geldautomaten wollten, den Säugling. Das kleine Mädchen war wohlauf. Von der Mutter des Findelkindes aber fehlte jede Spur.

Mit einem DNA-Test fand die Polizei nun heraus, dass das ausgesetzte Mädchen einen Bruder hat. Er heißt Max, und auch er ist ein Findelkind. Vor sieben Jahren war der Junge kurz nach der Geburt im sächsischen Plauen, rund 30 Kilometer von Hof entfernt, ausgesetzt worden – ebenfalls in einer Sparkasse. Auch damals suchten die Ermittler vergeblich nach der Mutter.

Polizei und Staatsanwaltschaft aus Hof und Plauen wollen sich nun gemeinsam auf die Spur der bisher unbekannten Frau machen. Sie wissen nur wenig über das Geschehene. Die Auswertung der Videoüberwachung ergab, dass eine nicht identifizierbare Person in der Nacht vom 16. auf den 17. November um 23.08 Uhr das Foyer der Bank betrat und das Kind nah am Eingang ablegte. Ob es die Mutter selbst war, ist unklar. „Wir können nicht einmal gesichert sagen, dass diese Person eine Frau ist“, sagte der Hofer Polizeisprecher Willi Wehner Morgenpost Online.

Spuren führen ins Vogtland

Dennoch hat die Person Spuren hinterlassen: Um in die Sparkasse zu gelangen, musste sie die Bankkarte benutzen – und hinterließ damit Informationen. Fest steht: Die Person, die das Kind ablegte, war Kunde der Sparkasse Vogtland. Auch das rosafarbene Laken, in das das Mädchen gewickelt war, könnte einen Hinweis auf die Mutter geben. An ihm ist ein auffälliges Etikett angenäht: „VEB Wäscheunion, Textilwerke Elsterberg, Werk V Pausa-Konfektion 2, 6576 Pausa.“

Das Laken stammt demnach noch aus DDR-Zeiten und wurde im Vogtland hergestellt. Mehr wollen die Ermittler bislang nicht preisgeben. Mit einem schnellen Fund der Mutter rechnen sie auch nicht. Dennoch sind sie optimistisch:„Der Kreis wird enger“, sagt Polizeisprecher Wehner. Doch die Hilfe aus der Bevölkerung halte sich bislang in Grenzen. „Es sind bisher leider nur sehr wenige Hinweise auf die Frau eingegangen“, sagt Wehner.

Das Mädchen, das noch keinen Namen hat, ist in einem Pflegeheim in Hof untergebracht. Es werde wohl zur Adoption freigegeben, sagte Polizeisprecher Wehner. Es sei denn, die Mutter taucht nun wieder auf. Die Hoffnung hat Wehner nicht aufgegeben: „Die Hofer Kriminalpolizei bittet die Mutter, sich freiwillig bei der Polizei zu melden. Ihr kann Hilfe vermittelt und fachkundiges Personal zur Seite gestellt werden.“ Die Ermittler in Hof und Plauen sind sich sicher, dass die Frau wie vor sieben Jahren in einer psychischen Ausnahmesituation gehandelt haben muss. Sie habe auf jeden Fall die möglichst rasche Entdeckung des Mädchens gewollt. Ob Max und seine Schwester auch denselben Vater haben, können die Ermittler nicht feststellen. Polizeisprecher Wehner: „Nur dass die beiden Findelkinder die selbe Mutter haben, das ist gesichert.“

Falls sich die Mutter nicht mehr meldet, wird das Jugendamt auf die Suche nach Pflege- bzw. Adoptiveltern gehen. Große Schwierigkeiten wird sie dabei vermutlich nicht haben: Es sollen sich schon mehr als 20 Elternpaare gemeldet haben, die das Mädchen adoptieren würden. So wie es damals bei Max geschehen ist, dem Bruder des Mädchens. Er war am 17. September 2001 um vier Uhr morgens in einer Plauener Sparkassenfiliale ausgesetzt und im Januar 2003 von einer Familie adoptiert worden.