Disziplinarverfahren

Polizisten drohen Konsequenzen nach Hotel-Gelage

16 leicht bekleidete Beamte aus Sachsen-Anhalt randalierten in einem Hamburger Vier-Sterne-Haus. Nun drohen Konsequenzen.

Foto: treudelberg.com / Screenshot Morgenpost Online

Sie waren für einen Polizeieinsatz gegen Krawalle im Schanzenviertel nach Hamburg gekommen – am Ende machten sie selbst Krawall. Grölend, leicht bekleidet und betrunken randalierten Beamte der Bereitschaftspolizei Sachsen-Anhalt in den Gängen des Hotels „Treudelberg“. Sie hatten sich nach einem Einsatz in der Schanze, zu dem sie aus Hamburg angefordert worden waren, betrunken. Jetzt droht ihnen ein Disziplinarverfahren.

Es sei nicht ungewöhnlich, dass Polizeibeamte bei auswärtigen Einsätzen in Vier-Sterne-Häusern untergebracht würden, hieß es von der Polizei. Offenbar sind die Zeiten, in denen Polizeibeamte bei solchen Anlässen in Turnhallen schlafen mussten, vorbei. „Da gibt es mittlerweile bundesweit abgesprochene einheitliche Standards“, erklärt eine Polizistin. Diese Regeln besagen, dass die Beamten, wenn möglich, in Hotels unterzubringen seien. Vier-Sterne-Häuser sind nicht zwingend, in diesem Fall ging es offenbar nicht anders. „Wir brauchen für so einen Fall ein Hotel, das auch in der Lage ist, eine entsprechende Anzahl von Zimmern zur Verfügung zu stellen und das ebenso den Parkraum für die Einsatzfahrzeuge bereitstellen kann“, sagt Hauptkommissarin Christiane Leven. Gern genommen wird dafür beispielsweise das Hotel an den Elbbrücken. Doch diesmal waren die Häuser so ausgelastet, dass man zu einer größeren Lösung greifen musste.

Das Ende war gleichwohl beschämend. Nach dem Einsatz im Schanzenviertel ließen sich die Ordnungshüter gehen. Eine Hochzeitsgesellschaft wurde belästigt und Hotelangestellte verbal attackiert. Um die 16 Beamte der Hundertschaft sollen beteiligt gewesen sein. Die Hamburger Polizei wurde wegen der Pöbeleien nicht gerufen. Allerdings hatte es, so heißt es polizeiintern, schon an dem Abend Ärger innerhalb der Hundertschaft gegeben. Die direkten Vorgesetzten hätten eingegriffen. Am Ende wurde das Gelage öffentlich.

Der Polizeiführung in der Hansestadt ist die Angelegenheit peinlich. Polizeipräsident Werner Jantosch hat sich bei der Hotelleitung entschuldigt. „Der Magdeburger Polizeidirektor hat sich bereits in einem Brief für das peinliche Verhalten der Beamten entschuldigt“, sagt Martin Krems, Sprecher des Innenministeriums von Sachsen-Anhalt. Man werde ein angemessenes Strafmaß finden, ergänzte der Direktor der Landesbereitschaftspolizei, Rigo Klapa. In einem Gespräch mit der Hotelleitung sei deutlich geworden, dass die Gäste das Auftreten der Beamten in Dienst-T-Shirts „als störend empfanden“. Einige Kollegen hätten angegeben, sich in unangemessener Lautstärke unterhalten zu haben. Nach bisherigen Erkenntnissen seien 16 der insgesamt 100 Polizisten über die Stränge geschlagen. Der genaue Hergang der Vorfälle werde nun ermittelt.

Im Hotel „Treudelberg“ hieß es am Donnerstag, man sei zwar „nicht amüsiert“ gewesen. Nachtragend sei man aber auch nicht. Die Polizei dürfe aber grundsätzlich als Gast wiederkommen.

Den Trunkenbolden wird das Gelage in unangenehmer Erinnerung bleiben. Strafrechtlich sei die Sache nicht von Bedeutung, wie Hamburgs Polizeisprecher Mirko Streiber sagt. Deshalb gibt es auch keine Ermittlungen durch die Dienststelle Interne Ermittlungen (DIE), die für Beamtendelikte zuständig ist. „Die Einheit war nach dem Einsatz entlassen. Die Vorfälle passierten in der Freizeit der Beamten“, so Streiber. Dennoch drohen den Verbalrandalierern unangenehme Disziplinarverfahren.

„Es gibt eine Wohlverhaltenspflicht, die der Dienstherr auch in der Freizeit von seinen Beamten verlangen kann“, so ein Polizist. Das sei etwa der Fall, wenn eine Hundertschaft als geschlossene Einheit unterwegs sei. Die Kritik der Opposition hält sich in diesem Fall denn auch in Grenzen: „Es gibt eine Entschuldigung, und der Fall wird jetzt aufgearbeitet. Damit ist die Angelegenheit für uns klar“, sagt SPD-Innenexperte Andreas Dressel. „Da würde ich keine grundsätzliche Debatte anschieben.“

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