"Unmenschlich und eklig"

Dr. Motte attackiert Veranstalter der Loveparade

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Benjamin Gajkowski

Loveparade-Gründer Matthias "Dr. Motte" Roeingh macht Rainer Schaller Vorwürfe: Der Chef der McFit-Fitnesskette und Veranstalter der Duisburger Loveparade habe keine Ahnung von Großveranstaltungen. Schallers Profitstreben habe Menschenleben gekostet..

Morgenpost Online: Herr Roeingh, wie haben Sie von dem Unglück erfahren?

Dr. Motte: Ich war unterwegs. Eine Freundin rief mich an.

Morgenpost Online: Sie haben die Loveparade 1989 erfunden. 2006 verkauften Sie dann Ihre Anteile an die Fitnesskette McFit. Trotzdem: Warum waren Sie Samstag nicht da?

Dr. Motte: Mit diesem Quatsch will ich nichts mehr zu tun haben. Das ist eine reine Werbeveranstaltung für diese Billig-Fitnesskette. Ein Steuerabschreibungsmodell. Die wollen nur Profit. Menschenleben sind denen doch egal. Das hat man gestern gesehen.

Morgenpost Online: Wie meinen Sie das?

Dr. Motte: Ich bezweifle stark, dass die da gestern ein ordentliches Sicherheitskonzept hatten.

Morgenpost Online: Wer ist „die da“?

Dr. Motte: Herr Schaller, der Veranstalter, der gleichzeitig auch Chef der Fitnesskette ist. Der weiß nicht, wie man ein solches Großevent organisiert.

Morgenpost Online: Ein schwerer Vorwurf.

Dr. Motte: Aber es sieht danach aus. Da gab es offensichtlich kein Sicherheitskonzept. Ich habe erfahren, dass da Besucher gezielt auf Polizisten zugegangen sind, auf Sicherheitsleute, und denen gesagt haben: Da läuft was schief. Und die haben nicht reagiert. Das nennen Sie Sicherheitskonzept?

Morgenpost Online: Aus Hörensagen gleich zu schließen, die Veranstalter der Loveparade wären nicht ausreichend vorbereitet gewesen - geht das nicht zu weit?

Dr. Motte: Nein. Die Loveparade in Duisburg stattfinden zu lassen, war von Beginn an ein Fehler. Das konnte nur in einer Katastrophe enden.

Morgenpost Online: Wieso das?

Dr. Motte: Weil die Veranstalter keine Ahnung von der Umgebung hatten. Man kann nicht ständig die Stadt wechseln und die Loveparade woanders stattfinden lassen. Da kann man nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Wie auch? Jedes Jahr fängt man so von Null an und hofft, dass nichts passiert. Das ist verantwortungslos. So geht man nicht mit Menschen um. In Berlin haben wir mit der Loveparade ganz klein angefangen. Mit 150 Leuten auf dem Kudamm. Und später dann, als wir immer mehr wurden, auf der Straße des 17. Juni beim Tiergarten. Von Jahr zu Jahr haben wir dazugelernt. Wir kannten die Umgebung. Als dann Millionen Leute mit uns feierten, wussten wir, wie man mit solche Massen umgeht.

Morgenpost Online: Wie sorgt man für die Sicherheit von so vielen Menschen?

Dr. Motte: Ganz wichtig: keine Absperrungen. Bei Veranstaltungen mit Hunderttausenden Menschen darf man die Menschen nicht einpferchen. Die müssen fliehen können, falls Gefahr droht. Die Menschen sind doch kein dummes Vieh. Das ist unmenschlich, ekelhaft. Die Menschen mussten sich da gestern durch diesen engen Tunnel zwängen. Und warum?

Morgenpost Online: Sagen Sie es mir.

Dr. Motte: Wegen dem Profit. Nur deshalb. Um jedem Besucher noch einen zusätzlichen Euro für Getränke aus der Tasche zu ziehen. Diese Gerede, Absperrungen würden für mehr Sicherheit sorgen – ist doch Quatsch. Wegen diesen Absperrungen mussten sich dort Menschenmassen durch einen engen Tunnel zwängen. Ist doch klar, dass der verstopft. Hier sind Menschen gestorben. Das ist das Ergebnis von deren sogenanntem Sicherheitskonzept.

Morgenpost Online: Ihr Antworten klingen sehr hart.

Dr. Motte: Mag sein. Aber ich bin sehr traurig, das können Sie mir glauben. Das, was dort gestern passiert ist, ist furchtbar. Einfach schrecklich.