Vernachlässigung

Erneut verhungert ein Säugling in Deutschland

Ein toter Säugling ist in einer Wohnung in Frankfurt (Oder) gefunden worden. Laut Polizeiangaben hat die Obduktion ergeben, dass das rund sechs Monate alte Kind verhungert ist. Warum es sterben musste, soll nun die Vernehmung der 19 und 21 Jahre alten Eltern beantworten.

Ein rund sechs Monate altes Baby ist in der Wohnung seiner Eltern in Frankfurt (Oder) verhungert. Gegen den 21 Jahre alten Vater und die zwei Jahre jüngere Mutter wurden am Freitag Haftbefehle wegen Mordverdachts erlassen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Die Polizei nahm das Paar fest. Nach ersten Ermittlungen hatte der Vater in der Nacht zum Mittwoch den Tod seines Kindes bemerkt und einen Notarzt alarmiert. Die Obduktion der Leiche ergab, dass der kleine Junge verhungert war.


Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen wollte die Staatsanwaltschaft keine Angaben zu den Aussagen der Eltern machen. Auch zum Wohnumfeld war zunächst nichts Näheres zu erfahren. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei lebte das junge Paar alleine mit dem Kind in einer Wohnung. Aufgefallen sei das Paar zumindest der Polizei in Frankfurt (Oder) bislang nicht.


Zunächst waren die Haftbefehle gegen die Eltern wegen des Verdachts des Totschlags durch Unterlassen beantragt worden. Doch später habe sich der Verdacht des Mordes erhärtet, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft ohne Einzelheiten zu nennen.

Gerade erst läuft in Frankfurt (Oder) der zweite Prozess gegen die Mutter der neun toten Babys aus Brieskow-Finkenheerd in Brandenburg. Die 13-fache Mutter hat neun ihrer Kinder sterben lassen und in Blumenkübeln verscharrt. Vor Gericht dem Landgericht Frankfurt sagte sie zum ersten Mal aus, wie Verhütung in ihrer Familie niemals Thema gewesen sei und dass sie alle ihre Kinder geliebt habe.


Die Angeklagte war in erster Instanz 2006 wegen achtfachen Totschlags zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Fall ist verjährt. Nach dem damaligen Urteil hatte sie zwischen 1992 und 1998 acht Kinder lebend geboren, aber unversorgt sterben lassen. Der Bundesgerichtshof bestätigte den Schuldspruch des achtfachen Totschlags, das Landgericht muss aber das Strafmaß neu bestimmen. Die unter anderem in Blumenkübeln verscharrten Babyleichen waren zufällig im Sommer 2005 entdeckt worden