Grabraub

Die zweifache Beerdigung des Multimilliardärs Flick

Der mysteriöse Raub des Sarges von Multimilliardär Friedrich Karl Flick hat ein Ende gefunden. Der Sarkophag mit den sterblichen Überresten des 2006 gestorbenen deutsch-österreichischen Unternehmers wurde wieder in seinem Mausoleum in Velden am Wörthersee beigesetzt.

Zoltan N., 31 Jahre alt und arbeitslos, war unterwegs zum Moskauer Platz in Budapest. Ein gut bezahlter Gelegenheitsjob. Er wusste, dass es um nichts Sauberes gehen konnte.

In Wien hatte er ein Paket aus einem Gepäckfach am Westbahnhof abgeholt; den Schlüssel hatte er unter einem Sitz im Stefansdom gefunden, genau wie es ihm gesagt worden war.

Nun sollte er das Päckchen am Moskauer Platz einem Mann mit dem beunruhigenden Spitznamen „Grizzly“ übergeben – ein Siebenbürger Ungar, gesucht wegen Polizistenmordes.

Zoltan N. wusste nicht, dass in dem Paket 100.000 Euro steckten. Aber er muss gewusst haben, dass etwas faul war, als er merkte, dass man ihm folgte; er war nervös, und dann reagierte er mit einer Kurzschlussreaktion. Plötzlich drehte er sich um und konfrontierte seine Verfolger.

Das war der Anfang vom Ende eines Hollywood würdigen Krimis um den entführten Sarg des verstorbenen Milliardärs Karl Friedrich Flick.

Die Fremden waren Ermittler einer ungarischen Privatdetektei. Die war von einer ukrainischen Detektei beauftragt worden, diese wiederum von einer österreichischen Detektei, und die hatte den Auftrag direkt von der milliardenschweren Familie Flick bekommen: Findet den Sarg!

Ein Jahr zuvor war der Sarkophag aus seinem Mausoleum in österreichischen Velden gestohlen worden. Dann kam ein Erpresserschreiben per E-Mail: Sechs Millionen Euro Lösegeld, und der Tote kehrt zurück.

Zwischen dem Grabraub und diesem Augenblick in Budapest war ein Jahr vergangen, in dem die österreichische und die ungarische Polizei Spuren fanden, aber nicht zum Ziel kamen. Die E-Mails mit den Lösegeldforderungen waren aus einem Hotel in der Nähe des Budapester Ostbahnhofs abgeschickt worden. Die Familie forderte einen Beweis, dass die Erpresser wirklich im Besitz des Sarges waren.

Es war Zoltan N., der den Beweis brachte – ein Behälter mit Gegenständen aus dem Sarg. Auch da schon wurde ein Schließfach am Westbahnhof als „toter Briefkasten“ gewählt, auch da steckte der Schlüssel unter einem Sitz im Stefansdom. Im Gegenzug gab es Medien zufolge eine erste Zahlung der Familie Flick an die Erpresser: 100.000 Euro. Das war im Juni.

Damals hatte die Polizei Zoltan N. beschatten können, und so kamen die Fahnder schon ein gutes Stück weiter; aber jetzt, am Moskauer Platz, waren die Privatdetektive schneller. Rasch brachten sie den verängstigten Zoltan N. dazu, den Hintermann zu verraten: ein 41-jähriger Budapester Rechtsanwalt namens Barnabas Sz.

Ihn suchten die Privatermittler dann in seiner Wohnung am Moricz-Zsigmond-Platz auf. Das ungarische Nachrichtenportal Index.hu formuliert delikat, sie hätten den Erpresser „mit nicht genauer geschilderten Argumenten dazu gebracht, das Versteck das Sarges preiszugeben.“ Die äußere Hülle und der eigentliche Sarg waren getrennt in zwei kleinen Wäldchen im 12. und im 2. Bezirk Budapests untergebracht worden.

Nach mehreren anderen Aufenthaltsorten; offenbar war auch hier Zoltan N. der Mann, der herumfuhr und die geheimnisvollen Kisten mal hierhin, mal dorthin brachte. 200.000 Forint, rund 750 Euro, bekam er für seine Mühe.

Das alles war auf einer Pressekonferenz zu vernehmen, die die ungarische und die österreichische Polizei gemeinsam in Budapest gaben, nachdem Barnabas Sz. und Zoltan N. festgenommen worden waren.

Aber zahlreiche Fragen blieben offen: Der Polizei zufolge teilten die Privatdetekteien ihre Erkenntnisse den Behörden nicht mit – dennoch war es die Polizei, die dann den Sarg fand und die Täter festnahm. Vielleicht waren sie bereits rund um die Uhr beschattet worden, als die Privatdetektive sie in die Mangel nahmen.

Nähere Details wurden aus Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht preisgegeben – vier Verdächtige sind noch immer auf der Flucht, darunter auch „Grizzly“, der eigentlich László Faragó heißt und nun von Interpol gesucht wird. Wie aber die Bande überhaupt auf den Gedanken kam, den Sarg zu stehlen, und wie die ganze Entführung ablief, darüber ist bislang wenig zu erfahren.

Die sterblichen Überreste Karl Friedrich Flicks wurden wieder in seinem Mausoleum in Velden beigesetzt.

Diesmal waren umfassende Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden für die Feierlichkeit, und auch in Zukunft soll das Mausoleum streng bewacht werden.