Autobiografie

Hugh Hefner und die Ansichten eines Playboys

Er hat die Fantasie von Millionen Männern beflügelt: Hugh Hefner. Der Gründer des Magazins "Playboy" pflegt mit seinen 83 Jahren immer noch eine Lebensgemeinschaft mit drei Frauen. Jetzt hat er seine Autobiografie veröffentlicht und sein Lebensmotto erklärt: "Work hard, play hard – aber bitte mit Stil!"

Sechs Bücher, in schwarzem Leinen gebunden. Darauf: ein goldener Hasenkopf. Verpackt in einer dicken Plexiglas-Box. Limitiert auf 1500 Exemplare zu je 1300 US-Dollar. Fast 23 Kilogramm schwer. Handsigniert. Darin: 59 der heißesten Centerfolds in Originalgröße. Und ein Akt von Marilyn Monroe.

So sieht die Autobiografie eines Super-Dandys aus. Aber nicht von irgendeinem. Von Playboy-Erfinder Hugh Hefner höchstpersönlich. Mit 83 Jahren hat er jetzt für den Kölner Taschen-Verlag seine eigene Lebensgeschichte zusammengetragen, von seiner Geburt 1926 über die Höhepunkte in den ersten 25 Jahren des „Playboy“ bis zum langsamen Bröckeln des Imperiums 1979. Einige der wichtigsten „Playboy“-Interviews mit Zeitgenossen wie Martin Luther King, John Lennon, Richard Nixon und Roman Polanski sind darin abgedruckt. Zeichnungen aus seiner Jugend, Bilder und Briefe aus dem privaten Fotoalbum und jede Menge Bunny-Bilder zieren die Buchbände. Sogar ein kleines Stück Stoff ist dabei. Von einem der berühmten Seiden-Pyjamas Hefners, die er nicht nur im Schlafzimmer, sondern üblicherweise auch bei allen Interviews trägt.

Um seine Geschichte zu erzählen, sei es ihm wichtig gewesen, auch das zu zeigen, was vor dem „Playboy“ war, sagte Hugh Hefner in einem Interview mit einer amerikanischen Zeitung. „Die Ursprünge, von denen die Inspirationen kommen“ wolle er verdeutlichen.

So viel Zuwendung, wie Hefner heute von seinen Häschen bekommt, hat er in seiner Kindheit nicht erfahren. Hefner wuchs in einer streng puritanischen Familie im Mittleren Westen Amerikas auf. Er selbst erzählt, dass er als Kind Umarmungen vermisst habe. Seine Eltern seien streng und verklemmt gewesen. „Gefühle gab es nicht.“

Also stürzte sich Hefner in eine Fantasiewelt: in Musik, Kunst und Filme. Während seines ersten Jahres an der Highschool begann er, seine eigene Biografie in Comics zu zeichnen. Das, was jeden Tag in seinem Leben passierte, hielt er in kleinen Zeichnungen fest. Sie sind jetzt auch in Hefners Autobiografie abgedruckt. Heute sagt er darüber: „Was ich getan habe, war letztlich nichts anderes, als mich selbst in eine Scheinwelt zu zeichnen, in der ich im Mittelpunkt stand.“

Längst steht er überall, wo er auftaucht, im Mittelpunkt. Zur Buchpräsentation im Laden des Verlags in Beverly Hills erschien er mit seinen neuen Freundinnen Crystal Harris und den Zwillingen Karissa and Kristina Shannon. Alle Playmates trugen Hasenkostüme und schenkten Champagner aus. Pamela Anderson war da, Verleger Benedikt Taschen. Und Hefner sagte: „Um ehrlich zu sein, mein früheres Leben ist in meinem Kopf noch präsenter als das, was ich letzten Dienstag gemacht habe, aber ich denke, das ist der Lauf der Dinge.“

Erste Alterserscheinungen halten ihn allerdings nicht davon ab, mit aller Kraft sein Image des allseits potenten und stets gut gelaunten Dandys aufrechtzuerhalten. Sollte er selbst etwas vergessen, gibt es Stephen Martinez, den Vollzeit-Archivar Hefners, der ebenfalls in einem der Seitenflügel der Playboy-Mansion in Beverly Hills lebt und dort täglich alle Ereignisse des Gigolos akribisch dokumentiert und sammelt.

Darüber hinaus gibt es natürlich eher wenige männliche Mitbewohner in dem schlossähnlichen Gebäude bei Los Angeles, in dem Hefner lebt. Die 30 Zimmer teilt sich der „Playboy“-Erfinder lieber mit attraktiven vollbusigen Schönheiten (natürlich alle blond), mit denen er sich auch in der TV-Doku-Soap „The Girls Of The Playboy Mansion“ zeigt. Zu Hause pflegt er seine Vorliebe für Romantik – einer der Gründe, warum er den „Playboy“ gründete: „Ich bin ein Romantiker. Meine ewige Suche nach Liebe führte mich zum ‚Playboy'.“

Hefner, der nach seiner Militärzeit von 1946 bis 1949 Psychologie studierte, brachte im Dezember 1953 die erste „Playboy“-Ausgabe heraus: mit einer unbekleideten Marilyn Monroe auf dem Cover von 53.000 Heften. Ein Datum trug diese Ausgabe nicht, schließlich wusste Hefner nicht, ob es noch eine zweite geben würde. Dabei ging es ihm um weit mehr als nur Bilder von nackten Frauen. Er wollte ein „urbanes Männermagazin publizieren, für einen feinsinnigen, eleganten Mann, der das Leben feiert: „Work hard, play hard – aber bitte mit Stil!“

Das ist Hefner wohl gelungen, auch wenn es heute nicht mehr ganz reicht: Denn seit Langem kursieren Gerüchte, dass das „Playboy“-Magazin verkauft werden könnte. Es macht Verluste im dreistelligen Millionenbereich. Der Herr der Häschen sagt dazu nur: „Ich verspreche, ich werde das Magazin bis zum Tag meines Todes herausbringen.“