Maria Bögerl

Widersprüche zur gescheiterten Geldübergabe

Warum lag das Lösegeld im Fall Maria Bögerl nicht rechtzeitig am Übergabeort? Der Verdacht einer schlechten Absprache drängt sich auf.

Im Fall der entführten und ermordeten Heidenheimer Bankiersgattin Maria Bögerl werden die Angaben zum Scheitern der Lösegeldübergabe immer widersprüchlicher.

Der Ehemann der Opfers, Sparkassenchef Thomas Bögerl, wies die Darstellung der Polizei vom Dienstagabend zurück, er habe sofort und „ohne Bitte der Polizei“ erklärt, er könne die Lösegeldsumme von 300.000 entsprechend den Tätervorgaben beschaffen.

Bögerl sagte dazu den „Stuttgarter Nachrichten“: „Ich habe nie darauf bestanden, das Lösegeld selbst zu besorgen. Der Betrag wurde besorgt, mehr möchte ich dazu nicht sagen“.

Der gemeinsamen Erklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft zufolge versuchte die Heidenheimer Polizei wegen Bögerls „Angebot“ auch nicht, das Lösegeld selbst zu besorgen. Der Täter habe in einem einzigen Telefonat um 11.25 Uhr eine „atypische Stückelung“ des Betrags gefordert.

Deshalb habe sich die Beschaffung des Lösegelds bis 15.00 Uhr verzögert. Der Ehemann habe es deshalb erst um 15.27 Uhr und damit verspätet am vereinbarten Ort an der Autobahn A 7 ablegen können.

Demgegenüber hatte das Magazin „Stern“ vorab berichtet, die Übergabe sei an „Polizei-Bürokratie“ gescheitert: Die Bank, bei der die Polizei das Lösegeld besorgen sollte, habe zu wenig Bargeldreserven vor Ort gehabt.

Die Geldbeschaffung habe deshalb über den Ehemann des Entführungsopfers laufen müssen. Doch erst etwa eine Dreiviertelstunde vor dem geforderten Übergabetermin sei festgestellt worden, dass ein Teil des Lösegeldes fehlte. Erst gegen 15.00 Uhr sei die ganze Summe vorhanden gewesen.

Ein Polizeisprecher widersprach zudem der Darstellung der „Stuttgarter Nachrichten“, dass der Sparkassendirektor in einem zweiten Telefonat mit dem Täter versucht habe, ihm eine zusätzliche Stunde Zeit für die Geldübergabe abzuringen. „Dies ist definitiv falsch, Herr Bögerl hat nur einmal mit dem Entführer gesprochen“, sagte der Sprecher.

Am Mittwochnachmittag nahmen unterdessen Angehörige, Freunde und hunderte Bürger der Stadt mit einem Gottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche von Heidenheim Abschied von Maria Bögerl.

Die Mutter von zwei Kindern war am 12. Mai aus dem Haus der Familie verschleppt worden. Ihre Leiche wurde am vergangenen Donnerstag in einem Waldstück bei Nietheim entdeckt. Sie war von dem Täter erstochen worden.

Am Mittwochabend sollte der Fall ein zweites Mal in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ vorgestellt werden. Die Polizei erhofft sich davon Hinweise auf einen mit einem Phantombild gesuchten möglichen Zeugen.