Neue TV-Serie

Jack Hunter ist der neue Indiana Jones

Er ist ein super Typ: klug, mutig, abenteuerlustig, blitzgescheit. Und gutaussehend: groß, dunkelhaarig, verwegener Dreitagebart, und das Brusthaar ist auch noch echt. Das ist Jack Hunter, ein echter Beau und der neue Held von RTL 2. Er macht als Nachfolger von Indiana Jones dem Abenteurer alle Ehre.

Foto: RTL II / American Cinema International

Schon in den ersten Szenen macht Jack Hunter Tempo, gibt den Takt vor. Vivace, wenn nicht Prestissimo, drunter geht nichts für einen Schatzsucher, der die Welt aus den Angeln heben und die Machtverhältnisse in ihren Grundfesten verschieben will.

Wow, denkt man, puh, und dann: Ach ja? RTL 2 schreckt in seinen Werbezeilen für die Deutschland-Premiere und dreiteilige Fernsehreihe „in bester Tradition von Indiana Jones“ keinen Vergleich. Jack Hunter sei der „würdige Nachfolger von Indiana Jones“, und damit nicht genug: Der Jung-Archäologe stehe als Actionheld und vom Körperbau James Bond in nichts nach.

Vielleicht geht Hunter (Ivan Sergei) tatsächlich als sportlicher Abklatsch von Harrison „Indy“ Ford durch. Aber cineastisch bewegen sich seine Abenteuer nicht allzu weit über dem Niveau von „Relic Hunter“-Episoden. Die Serie um die gleichnamige Schatzjägerin wurde nach drei Staffeln eingestellt.

Schon in der ersten Szene sammelt der Archäologe aus Los Angeles fleißig Flugmeilen: Im Dunkeln glitzert der Eiffelturm, ein laues Lüftchen weht durch die nächtliche Idylle in Paris, warmes Licht scheint milchig hinter den Fensterscheiben eines Museums. Eine dunkle Gestalt trabt durch den Garten zur Pforte, dann zielstrebig an der ahnungslosen, Popcorn-kauenden Wache vorbei.

Wenig später und kurz bevor der Alarm losgeht, hält Jack Hunter die ersehnte Beute behutsam in den Händen: „Hallo Babe“, sagt er, als er die antike Schreibtafel aus ihrer Lade zieht. Sein Mentor, Professor Frederick Shaffer, vermutet auf der Tafel die Verse des uralten Gedichtes der Ugarit – dazumal eine bedeutende Handelsstadt in Nordsyrien. Die Verse sollen auf die Spur eines sagenumwobenen Schatzes führen. Der eine Teil des antiken Artefakts, die „Iris“, ist ein kostbares Zepter und soll in Syrien vergraben sein, der zweite Teil, das „Auge“, in Ägypten.

Doch die Träume des Professors enden jäh: Er wird tot aufgefunden – und ein neuer Actionheld ist geboren: Hunter schwört Rache und macht die Aufklärung des mysteriösen Falls zu seiner Mission. Er jettet um den Globus, schießt mit flotten Sprüchen um sich, begibt sich auf die Spuren geheimnisvoller Bruderschaften, kämpft gegen korrupte Polizisten, Wüstenstürme, wenig kooperative Behörden, sein Beziehungstrauma (aus dem ihn die schöne, unnahbare Archäologin Joanne Kelly alias Nadia zu erlösen scheint), und vor allem gegen den listigsten Widersacher unter den Schatzsuchern: Albert Littmann (Thure Riefenstein) ist der Schurke, der böse Deutsche, der für Geld und Macht über Leichen geht und mit der russischen Mafia paktiert.

Und dann schafft Jack Hunter es auch noch, bei einem Sprung vom Dach in die mehrstöckige Torte eines Hochzeitsbanketts seinen Hut aufzubehalten. Sein Idol Indiana Jones kann er aber nicht toppen: Immerhin schafft der es in Teil IV, einen Atombombentest in einem bleiummäntelten Kühlschrank zu überleben.

Tiefgang? Fehlanzeige. Aber das Bildungsbürgertum kann sich ja einfach mal unterhalten lassen. Freilich ist das Skript mitunter recht hanebüchen, dafür aber an wahre Ausgrabungen in Syrien angelehnt. Und das Volk der Ugarit soll tatsächlich in der gleichnamigen Hafenstadt gewohnt und die Ägypter verehrt haben.

An dieser Stelle gehen historische Vergangenheit und Gegenwart eine wahrlich schöne Verbindung ein: Die Geschichte führt die Zuschauer von der Gegenwart immer wieder zu Jahrtausende alten Originalschauplätzen. Da sind die berühmte Süleymaniye-Moschee und die Hagia Sofia in Istanbul, erst Kirche der orthodoxen Christen, später Hauptmoschee der Osmanen. Die ägyptischen Pyramiden von Gizeh, das Siebte Weltwunder, dann geht es in die antike Oasenstadt Palmyra und nach Damaskus, eine der ältesten, kontinuierlich bewohnten Städte der Welt und kulturelles und religiöses Zentrum des Orients.

„Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ war im vergangenen Jahr der Eröffnungsfilm in Cannes. Regisseur Steven Spielberg und Produzent George Lucas („Star Wars“) gaben sich alle Mühe, aus dem vierten Teil der „Indy“-Abenteuer etwas Neues zu machen. Also wurde der Geist der Dreißigerjahre aus den ersten drei Folgen durch eine etwas wirre Story im Kalten Krieg, der Ära der Kommunistenverfolgung durch McCarthy, ersetzt, beseelt von der Welle billiger Sci-Fi-B-Movies der Fünfzigerjahre. Und doch waren viele Fans enttäuscht.

Manchmal ist es eben besser, einfach aufzuhören. Auch Jack Hunter dürfte kein Trost sein. Manch amerikanischer Indy-Fan – in den USA waren Jack Hunters Abenteuer schon 2008 im Fernsehen zu sehen – beschimpft die Reihe als C-Movie, C wie cheesy. Manchmal ist es also am besten, gar nicht erst anzufangen. Aber wer nichts vorhat, kann am Freitag besten Gewissens einschalten. Der Eintritt ist frei.?

Ab 5. Juni, immer freitags auf RTL2, 20.15 Uhr

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen