Fußball

Hollands Cleverness gewinnt gegen Deutsche Tugend

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Foto: obs / obs/DPA

Johannes B. Kerner hat am Mittwoch Prominente Deutsche und Holländer zum Duell geladen. Schnell zeigte sich, dass die Holländer einfach besser drauf sind.

Wenn Deutsche zum Elfmeterschießen antreten, zittert jeder Gegner. In WM- und EM-Spielen gewann die Nationalmannschaft diese Entscheidung über Sieg oder Niederlage fast immer.

Auch der Schauspieler Til Schweiger verfügt über das deutsche Strafstoß-Gen. Vier von fünf Schüssen vom Punkt verwandelte er gegen Erik Meijer im Tor. Und der war hierzulande immerhin mehr als zehn Jahre Fußballprofi.

Dumm nur, wenn das Elfmeterschießen nicht wie üblich am Ende eines Matches ausgetragen wird, sondern mittendrin.

Dann ist auch ein Strafstoß-Held nicht davor gefeit, im weiteren Spielverlauf zu versagen. Til Schweiger traf es bei der vorletzten Übung, dem ”Entfernungen schätzen“. Die 699 Kilometer von Chemnitz bis ins niederländische Haarlem schrumpften bei seiner Veranschlagung auf 400 Kilometer. So konnten Gegenspieler Erik Meijer und sein Team Oranje den letztlich klaren Sieg im Nachbarschafts-Wettstreit davontragen.

Neun Tage vor Beginn der Fußball-WM wollte Sat.1 die Vorfreude auf das Großereignis mit einer zunächst einmaligen Eventshow wecken. ”Deutschland gegen Holland – Das Duell“ hieß die dreistündige Live-Veranstaltung mit Prominenten aus Sport und Fernsehen.

Sie griff jene seit dem WM-Finale 1974 immer wieder befeuerte Rivalität der beiden Länder auf, die schon diverse in der Fußball-Historie verewigte Vorfälle hervorbrachte.

Korrekt müsste es heißen Deutschland gegen die Niederlande, ”aber wir sagen ja auch nicht niederländischer Käse“, stellte Moderator Johannes B. Kerner mit sehr eigenwilliger Logik gleich zu Beginn des dann gesittet ablaufenden Wettstreits klar.

Speichelattacken wie im WM-Achtelfinale 1990 von Frank Rijkaard gegen Rudi Völler oder sonstige Unsportlichkeiten waren auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Flughafens Tempelhof nicht auszumachen.

Da wurden Nägel in Holzlatten geschlagen und diese ebenso versenkt wie besagte Elfmeter, Hunderassen erraten und verschiedenfarbige Autos als jeweilige Nationalflagge geparkt. Und beim Rudi-Carrell-Gedächtnisspiel ”Am laufenden Band“ mussten die Mannschaften sich Gegenstände auf einem Transportband merken und in der richtigen Reihenfolge anordnen.

Die meisten Spiele fühlten sich ziemlich orange an. Befreite FC-Bayern-Trainer Louis van Gaal Fußball-Deutschland in der gerade beendeten Saison in taktischer Hinsicht aus dem Schwellenland-Dasein, so mussten die Teutonen nun ein weiteres Mal feststellen, dass die Bewohner ihres kleinen Nachbarlandes bei den meisten Verrichtungen einfach cleverer sind.

Zwar trat Ex-Schlagersänger Hein Simon (Heintje) wie Uli Hoeneß im EM-Finale 1976 einen Elfmeter über das Tor, doch sein Team um Magier Hans Klok, Schauspielerin Ellen ten Damme, Sängerin Loona sowie die Ex-Fußball-Profis Youri Mulder und Aron Winter merzte diese Scharte mehr als wieder aus. Da half auch keine Frauenpower des deutschen Teams, in dem unter anderen Moderatorin Ulla Kock am Brink, Model Lena Gercke, Schauspielerin Andrea Sawatzki und Annette Frier gemeinsam mit Jürgen Vogel, Gewichtheber Matthias Steiner und Ex-Handballer Stefan Kretzschmar angetreten waren.

In mancher Hinsicht erinnerte die vor einem johlenden, mit Hunderten von Nationalflaggen ausgestatteten Publikum an ”Schlag den Raab“.

Und auch das einst so beliebte ”Spiel ohne Grenzen“, dessen Elemente in letzter Zeit ja diverse TV-Formate wiederzubeleben versuchten, konnte einem in den Sinn kommen.

Johannes B. Kerner machte als Gastgeber dieser bunten Mischung eigentlich nichts falsch. Sein Wortwitz erschöpfte sich allerdings in wenigen Anspielungen, etwa auf Bundestrainer Joachim Löw, in dessen Dialekt er einmal ”höckschte Disziplin“ einforderte.

Als überflüssig erwies sich Kommentator Frank Buschmann. Wenn er mal nicht erwähnte, von diesem und jenem Spiel nun überhaupt keine Ahnung zu haben, machte er Minuspunkte mit Spott (”Orange trägt in Deutschland nur die Müllabfuhr“) oder Anzüglichkeiten (”Da wird genagelt auf Teufel komm raus“).

Tooske Ragas als niederländische Teamreporterin zeigte sich indessen zurückhaltend und souverän, während ihr deutscher Gegenpart Andrea Kaiser den Part der schlechten Verliererin übernahm. Beim nächsten Mal, nörgelte die ”ran“-Moderatorin, müsste was gespielt werden, ”was die Deutschen auch können, nicht Auto fahren“.

Die Niederländer, auf die Joachim Löws Truppe bei der WM erst im Halbfinale treffen könnte, störte das nicht. Sie bejubelten sich und den gewonnenen Pokal und tanzten eine Polonaise. Eben typische Feierbiester.

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