GNTM-Finale

Mit Sara Nuru gewinnt die Unschuld bei Heidi Klum

Der Sieg des Sonnenscheins: Sara Nuru lief Marie und Mandy bei "Germany's Next Topmodel" gestern Abend mit ihrer positiven, warmen Ausstrahlung den Rang ab. Doch die beiden Verliererinnen nahmen es gelassen. Und Heidi Klum war sowieso mehr mit Lob für sich selbst und den Rest der Jury beschäftigt.

Puh, es ist geschafft. Endlich. Denn das so Klum „größte und spektakulärste Finale aller Zeiten“ durchzustehen, verlangte gestern Abend von allen Beteiligten Nervenstärke. Von den armen drei Finalistinnen Marie, Mandy und Sara, die die endlos in die Länge gezogenen Entscheidungen über sich ergehen lassen und darüber hinaus zumindest gefühlt etwa alle 30 Sekunden die immer gleiche Frage nach ihrer momentanen Gefühlslage beantworten mussten. Von der armen Heidi Klum, die knapp drei Stunden versuchen musste, eine Live-Sendung zu moderieren, obwohl sie dazu nun wirklich überhaupt kein Talent besitzt. Und vom armen Publikum, das sich durch endlose Rückblicke und die Selbstbeweihräucherung der Jury quälen musste, bevor endlich um 23 Uhr das inzwischen vierte nächste deutsche Topmodel ausgerufen wurde.

Ausgerufen? Falsch, die Wahrheit ist: Ausgekreischt. Denn wie schon in den vergangenen Jahren mutierte Heidi in den langen Minuten, ehe sich das überlebensgroße Cosmopolitan-Cover wie durch Zauberhand enthüllte und die Gewinnerin preisgab, auch gestern Abend wieder zu einem wahnsinnig gewordenen Kobold, der ein ums andere Mal wie besinnungslos schrie: „Ist es Mandy? Oder ist es es Sara?“ Übrigens die einzigen beiden Sätze in der Show, die sie nicht vom Teleprompter ablesen musste. Und als dann endlich Saras Antlitz sichtbar wurde, war wohl nicht nur Heidi am Ende ihrer Kräfte.

Von der Anspannung überwältigt fiel die 19-jährige Münchnerin der unterlegenen Mandy schluchzend in die Arme und wollte sie gar nicht mehr loslassen. Überglücklich sei sie, strahlte Sara etwas später und inzwischen wieder einigermaßen gefasst in die Kamera. Und gab zu Protokoll: „Ich habe gegen zwei unglaublich Gute gewonnen.“

Die Anerkennung, die sie ihren gescheiterten Konkurrentinnen zollte, schien ehrlich gemeint. Und das ist einer der Gründe dafür, warum mit Sara diesmal tatsächlich die Sympathieträgerin der Staffel gewonnen hat. Aus den Zickenkriegen in der Model-Villa hat sie sich meist rausgehalten. Sie hat sich zwar redlich bemüht, Jobs zu ergattern, dabei ihre Kontrahentinnen aber immer respektiert und kaum Gebrauch ihrer Ellenbogen gemacht. Klingt eigentlich nicht nach jemandem, den Heidi und ihre beiden Jury-Spießgesellen so einfach auf den Thron heben würden.

Versuchten sie den Mädels über die drei Monate hinweg doch ganz im Gegenteil einzuprägen, dass man im Model-Business keine Verwandten kennen darf und jede nur sich selbst die Nächste ist. Warum also kürten sie am Ende doch die unbedarfte Unschuld Sara zur Siegerin? Dass allein deren zugegebenermaßen Herz erwärmendes Lächeln die kalte Jury überzeugte, darf wohl eher als unwahrscheinlich gelten. Vielmehr scheint es, als hätten sich Heidi und Co. dem Zuschauerwillen gebeugt.

Denn dass „Sonnenschein“ Sara mit ihrer natürlichen Art und positiven Ausstrahlung längst zum Publikums-Liebling avanciert war, kann auch den Juroren nicht entgangen sein. Allein die Stimmung unter den 15.000 Zuschauern in der Kölner Lanxess-Arena, die mehrheitlich lautstark das Mädchen mit den äthiopischen Wurzeln unterstützten, sprach Bände. Und warum dem nicht nachgeben und die vierte Staffel zur allgemeinen Zufriedenheit enden lassen, mag sich da Heidi gedacht haben.

Denn auch wenn „Lauftsteg-Queen“ Mandy ganz objektiv nicht nur auf dem Catwalk eine eindeutig bessere Model-Figur machte: Darum, aus rein professioneller Perspektive ein zukünftiges potenzielles Topmodel zu finden, geht es bei GNTM schon lange nicht mehr. Von einer Casting-Show hat sich „Germany's Next Topmodel“ (genau wie „Deutschland sucht den Superstar“) längst zu einer Pseudo-Doku-Soap entwickelt, in der die Entwicklung der Protagonistinnen, ihre Freuden, Sorgen und Nöte im Mittelpunkt stehen und für Quote sorgen. Und wo sich von alleine nichts entwickeln will, da wird eben nachgeholfen.

Dass beispielsweise die ungeliebte Larissa, Gewinnerin der österreichischen Ausgabe der Show, den Mädels ohne vorheriges Casting vor die Nase gesetzt wurde, war nur der offensichtlichste dramaturgische Eingriff. Um für Action zu Sorgen und damit die Zuschauer bei Laune zu halten, wurde inszeniert, dass sich die Balken bogen. Die Kür der Gewinnerin im Publikumsinteresse scheint daher nur konsequent. Darum erstaunte es auch nicht, dass Marie und Mandy ihre Niederlage gefasst und äußerlich gelassen aufnahmen. Wahrscheinlich hatten auch sie längst geahnt, wie der Hase laufen würde. Vielleicht waren sie aber auch nur froh, damit endgültig den Fängen der Klum und vor allem den nestelnden Fingern von Peyman Amin entkommen zu sein.

Dessen ewiges Herumgetätschel an den Mädchen in dieser Staffel konnte man sich kaum mehr ansehen. Dennoch wird wohl auch er beim nächsten Mal wieder mit von der Party sein. Die fünfte Staffel ist bereits fest geplant und aufgrund des großen Erfolgs dürften keine Umbesetzungen in der Jury zu erwarten sein. Fürs erste ist der Zirkus jetzt aber beendet und der Donnerstagabend wieder Topmodel frei. Zumindest solange, bis Heidi ihr Kind zur Welt gebracht hat. Schade eigentlich, dass die Schwangerschaft bei Menschen nur neun Monate dauert.

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