Wettervorhersage

In Deutschland herrscht ideales Tornado-Wetter

Die geplante Grillparty könnte bei dieser Vorhersage wohl ins Wasser fallen: Im Osten und Südosten Deutschlands drohen Morgen nicht nur heftige Gewitter, es können auch Tornados entstehen. Die extrem hohen Temperaturunterschiede bieten geradezu ideale Bedingungen für die Bildung eines Wirbelsturms.

"Von Westen her rückt eine Kaltfront heran, während von Brandenburg über Sachsen bis Bayern noch Temperaturen bis 34 Grad herrschen. In diesem Bereich können die Gewitter geradezu explodieren", sagte der Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. Ideale Voraussetzungen also, dass sich genau in diesen Bundesländern Tornado bilden könnten.

Ob – und wenn ja wo genau – Tornados entstehen, ist aber nicht vorherzusagen. „Ganz genau weiß man das erst wenige Minuten vorher. Prognosen sind leider sehr unsicher", sagte Friedrich.

Noch gibt es zwar keine konkrete Tornadowarnung, sondern nur „einen Hinweis auf ein gewisses Risiko“. Das liegt allerdings nur daran, dass der Wetterdienst allenfalls bei der konkreten Sichtung eines Wirbelsturms eine echte Warnung herausgibt oder bei einer noch ungefährlichen Vorstufe – und das erst 15 bis 60 Minuten bevor der Tornado die Region voraussichtlich erreichen wird.


Ein Tornado entsteht bei extremen Temperaturunterschieden in der Luft, die kräftige Druckunterschiede erzeugen. In Gewitterwolken entstehen dadurch starke Aufwinde, in denen die Luft zu rotieren beginnt. Es entsteht eine Art Rüssel aus Staub und Wassertropfen mit einem Durchmesser von mehreren hundert Metern. An seinem Rand werden Windgeschwindigkeiten von mehreren hundert Stundenkilometern erreicht.


Wenn diesen Wirbel bis auf den Boden reichen und dort Schäden verursachen, spricht man traditionell von Windhosen, auf dem Meer von Wasserhosen. Da diese Begriffe aber oft ungenau verwendet werden, bevorzugen Meteorologen zunehmend den Begriff Tornado.

Jährlich zwei Todesfälle

Die stärksten ihrer Art entstehen aus sogenannten Superzellen: mächtigen, dunklen und hoch aufragenden Gewitterfronten, die bereits in sich drehen. Senkt sich aus ihr ein dunkler, nach unten meist verjüngender Schlauch herab, bietet sich ein schaurig-schönes Naturschauspiel. Doch man tut gut daran, auf die Zugrichtung der Gebildes zu achten und gegebenenfalls das Weite zu suchen

In Deutschland werden die meisten Tornados von Mitte Juni bis Ende Juli registriert. Laut Wetterdienst kommt es in Deutschland pro Jahr etwa zu 30 bis 40 Tornados, die Schäden verursachen.

Die letzten beiden Todesfälle gab es im Jahr 2006, als ein Wirbelsturm in Hamburg einen Baukran umstürzte. Der schwerste der letzten Jahrzehnte tötete vor fast genau 40 Jahren in Pforzheim zwei Menschen, mehr als 200 wurden verletzt und 1750 Häuser beschädigt.

Pro Jahrzehnt, so Meteorologe Friedrich, kommen in Deutschland ein bis zwei Menschen durch Tornados um – sehr viel weniger als etwa durch Blitze und „normale“ Stürme und Unwetter, die Bäume umstürzen, Autos wegschwemmen und so Menschen ertrinken lassen.

Vorboten des Sturms

Einen ersten unangenehmen Vorgeschmack auf Klimakapriolen, die Deutschland in den nächsten Tagen erwartet hat es bereits gegeben: Unwetter haben am Mittwochabend und in der Nacht in Teilen Deutschlands zu schweren Schäden geführt. Heftige Regenschauer setzten Keller unter Wasser oder unterspülten Straßen, wie Polizei und Feuerwehr mitteilten. Die Wassermassen rissen Fahrzeuge mit sich und behinderten auch den Bahnverkehr. Teilweise kam es zu Stromausfällen aufgrund von Blitzeinschlägen. Besonders betroffen waren Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Im baden-württembergischen Metzingen wurde bei dem schweren Gewitter mit Platzregen eine Straße unterspült und auf einer Länge von 100 Metern zum Teil weggespült. Dabei wurden Gas- und Wasserleitungen freigelegt. Zudem liefen rund 50 Keller mit Wasser voll. Verletzt wurde niemand. Den Angaben zufolge wurden auch mehrere Fahrzeuge weggespült und beschädigt. Einige Straßen mussten voll gesperrt werden. Der Schaden sei „beträchtlich“.

In Eningen nahe Metzingen wurden in einer Tiefgarage mehrere Autos durch eingedrungene Wassermassen beschädigt. In Dettingen stand das Wasser auf der Bundesstraße 28 zeitweise 75 Zentimeter hoch.

Bei Sexau im Kreis Emmendingen wurden elf trächtige Kühe auf einer Weide durch einen Blitzschlag getötet – sie hatten während des Sturm auf dem freien Feld gemeinsam Schutz unter einem Baum gesucht.

Auf dem Flughafen Hahn im Hunsrück sorgte die Wetterlage ebenfalls für starke Behinderungen. Hier lief eine der Abfertigungshallen voll Wasser. Die Passagiere mussten auf andere Terminals ausweichen.

Auf der A 3 kam es bei Neuwied sogar zu Hagelschauern und deshalb zu mehreren Unfällen, bei denen acht Personen leicht verletzt wurden. In einem Waldgebiet bei Koblenz wurde während des Gewitters eine Gruppe von Pfadfindern aus Karlsruhe von Kräften der Feuerwehr geborgen.