Medizin

Alter schafft keine Probleme für Schwangere

In England ist die älteste Mutter 62. In der Türkei hat ein Frau mit 65 Jahren ihre letztes Kinde bekommen. Abgesehen von diesen Extremfällen - der Trend geht zur späten Geburt. Eine Studie weist nach: Ältere Mütter sind physisch und psychisch genauso gesund wie junge Mütter.

Der Trend ist deutlich, in der Statistik wie im Straßenbild: Vor 20 Jahren war etwa jede 30. Mutter eines Erstgeborenen älter als 35 Jahre, heute hat jede achte Mutter diese Grenze überschritten. Tendenz: Noch älter.

Eine Entwicklung, die von Frauenärzten und guten sowie weniger guten Freundinnen der Betroffenen heftig diskutiert wird: Was heißt dies für die Gesundheit der Frauen, der Kinder? Jetzt hat die Universität von Südkalifornien (USC) - ein Land mit ähnlicher Entwicklung - eine neue Studie zur Debatte vorgelegt. Ergebnis: Alter schafft keine Probleme für Schwangere.

Dabei waren die Probandinnen, welche die US-amerikanischen Forscher untersuchten, sogar echte Extremfälle: Sie untersuchten den Schwangerschaftsverlauf von 49 Frauen, die mit 50 Jahren oder noch älter ihr Kind bekamen - ein Ereignis, das in Deutschland pro Jahr nur 20 bis 30 Mal vorkommt, bei einer halben Million Geburten.

Stabilere Psyche bei älteren Müttern

Bei keiner dieser untersuchten Frauen war die Empfängnis auf natürliche Weise erfolgt. Alle untersuchten 49 Schwangerschaften waren durch künstliche Befruchtung (IVF) zustande gekommen.

Zum Vergleich zogen die Wissenschaftler daher nur Schwangere heran, denen ebenfalls eine künstlich befruchtete Eizelle eingepflanzt worden war, im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Sie prüften sowohl die physische Gesundheit als auch die psychische Stabilität der Frauen.

Dabei konnten die Forscher um die Reproduktionsmedizinerin Anne Steiner nur eine deutliche Differenz ausmachen: dass die älteren angehenden Mütter eine stabilere Psyche hatten, gelassener an ihre Sache des Lebens herangingen.

Gute Nachricht für Reproduktionsmedizin

"Wir müssen aus der Studie den Schluss ziehen", sagt Anne Steiner, "dass es weder unter psychischen noch unter physischen Gesichtspunkten gerechtfertigt ist, beim Alter von angehenden Müttern irgendwelche Grenzen zu ziehen" - eine Anspielung darauf, dass Ärzte älteren Müttern von künstlicher Befruchtung abraten und dass die Krankenversicherungen die Unterstützung von IVF bei älteren Frauen verweigern.

Ein Zitat, das die Amerikanische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin, bei deren Jahrestagung in New Orleans die Studie vorgestellt wird, nicht ungern vernehmen wird. Ihre Mitglieder leben von der künstlichen Unterstützung der Empfängnis - bei Jung und Alt. In Deutschland zahlen die Kassen einen 50-Prozent-Zuschuss (700 bis 1000 Euro) zur IVF nur bei Frauen bis 40 Jahren, für die Samenspender gilt die Grenze von 50 Jahren. Mindestalter für beide ist 25.

Noch wird die Anzahl älterer Frauen mit IVF dadurch begrenzt, dass sie auf die raren Eizellen anderer Frauen angewiesen sind. Fortschritte in der medizinischen Technik allerdings könnten Frauen helfen, die sich früh für eine späte Geburt entscheiden: Eizellen mit 25 einfrieren und mit 50 befruchten lassen - bald eine verbreitete Übung?

Altersschwangerschaften erhöhen Risiko für Down-Syndrom

Eines darf indes nicht übersehen werden: Die Studie sagt uns nur die halbe Wahrheit, worauf Autorin Steiner selbst ausdrücklich hinwies. Angaben über die Gesundheit der Kinder liefert sie nicht, auch nicht darüber, was für psychologischer und körperlicher Stress auf die 70-jährige Mutter eines Teenagers zukommt wie auch und auf den Teenie selbst, wobei all dies auch alte Väter betrifft - bedeutsame Forschungsfelder jedenfalls bei wachsenden innerfamiliären Altersspannen.

Andere Probleme von "Altersschwangerschaften" fallen wiederum aus der Betrachtung heraus, wenn es sich ausschließlich um künstliche Befruchtungen handelt. Bei natürlich gezeugten Kindern steigt mit dem wachsenden Alter der Eltern das - sowieso signifikante - Risiko des Downsyndroms rapide an.

Während bei 20-jährigen Müttern nur eines von 1526 Kindern mit Downsyndrom geboren wird, kommt bei 44-jährigen bereits jedes dreißigste Kind mit Trisomie 21 zur Welt. Das Alter des Vaters ist hierbei unerheblich. Betagtere Männer allerdings zeugen häufiger Kinder mit Achondroplasie (Zwergenwuchs). Fruchtbarkeit der Eltern und Gesundheit des Nachwuchses, sagen Ärzte, lassen das Alter zwischen 20 und 29 als optimales Gebäralter erscheinen.

Robuste Gesundheit bringt anhaltende Fruchtbarkeit

Eines könnte die angehenden Eltern in hohen Jahren trösten: Statistisch gesehen gehen sie die Schwangerschaft sorgsamer, verantwortungsvoller an. Eine andere Erkenntnis ist mit Vorsicht zu genießen: Laut einer Studie der Harvard-Universität werden Spätgebärende häufiger 100 Jahre alt. Dies, so vermuten die Wissenschaftler allerdings, liege nicht ursächlich an der Niederkunft im hohen Alter. Vielmehr gehe eine robuste Gesundheit einher mit länger anhaltender Fruchtbarkeit.

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