Annapurna

Oh Eun-Sun und die Hatz nach mehr

In der Geschichte des Bergsteigens suchten die Kletterer immer nach ungelösten Herausforderungen und neuen Wegen. Jetzt hat die Südkoreanerin Oh Eun-Sun den so ziemlich letzten Titel errungen: Sie ist die erste Frau, die alle Achttausender bestiegen hat. Trotzdem wird diese Marke nicht für die Ewigkeit reichen.

Foto: AFP

Oh Eun-Sun ist die erste Frau, die alle 14 Achttausender bestiegen hat. Sie erreichte den Gipfel der Annapurna und pflanzte vom Fernsehen gefilmt die Flagge Südkoreas auf. Oh nannte ihren Weg "Projekt 14“. Sie haben "einen Job“ zu erledigen. Mission erfüllt.

Obwohl sie zweifellos damit in die Geschichtsbücher eingeht, wird der Sieg stets umstritten bleiben. Die 44-Jährige Oh Eun-Sun hat sich den heiligen Eiden der Extremkletterer stets verweigert, sie setzt auf technische Unterstützung, auf Träger, auch auf künstlichen Sauerstoff.

Ihre Konkurrentinnen, die Spanierin Edurne Pasaban und die Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner, lehnen dies strikt ab. Sie verwirklichen im Klettern ihre Lebenträume.

Oh ist keine Avantgardistin, sondern eine Technokratin, die nicht zwischen richtigem und falschem Ergebnis unterscheidet. Bei einem Achttausender-Gipfel ist sogar ganz unklar, ob sie überhaupt oben war.

Dennoch hat Oh erreicht, was Reinhold Messner 1986 als erstem Menschen gelang. Messner ist weltberühmt; von seinem damaligen Konkurrenten sprechen nur noch die Fachleute.

Das Frauenbergsteigen ist in den letzten Jahren in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Man darf getrost den gesellschaftlichen Fortschritt damit in Verbindung bringen. Frauen haben sich in nahezu allen Männerdomänen durchgesetzt, auch in fragwürdigen wie dem Boxen.

Einstige Vorurteile wie der Glaube, Frauen könnten extreme Höhe nicht so gut wie Männer vertragen, sind als Unsinn entlarvt. Die Bergsteigerinnen haben mehr erreicht als ihre Gipfel.

Gleichzeitig wird durch die Rekordsuche allerorten der persönliche Ruhm kleiner. Jugendliche Weltumseglerinnen, Dauerschwimmerinnen, Extremläuferinnen halten die gesellschaftliche Aufmerksamkeit hoch. Für die Ewigkeit taugen ihre Leistungen kaum noch.

Deshalb wirkt Oh Eun-Suns Sieg, der eigentlich eine echte Marke im Bergsteigen darstellt, auch wie eine Etappe in der Hatz nach immer seltsameren Triumphen. Der – und die – nächste kommt bestimmt.

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