Lockvogel

Wellensittich führt Polizei zu Kinderschänder

Die Staatsanwaltschaft Stade hat Anklage gegen einen 66-Jährigen wegen schweren Missbrauchs eines Kindes in 40 Fällen erhoben. Der Vorbestrafte Mann hatte Bilder davon in einer Drogerie zum Entwickeln abgegeben. Labormitarbeitern entdeckten sie und riefen die Polizei. Überführt wurde der Mann aber wegen eines Vogels.

Ein Foto mit einem Wellensittich am Fenster habe die Polizei zu dem gesuchten mutmaßlichen Kinderschänder in Buxtehude geführt, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Kai Thomas Breas, mit. Der Mann habe den Missbrauch einer Neunjährigen fotografiert und die Bilder bei einer örtlichen Drogerie entwickeln lassen. Diese übergab die Fotos der Polizei.

Die Ermittler konnten sich Breas zufolge an die Wohnung mit dem Vogel erinnern. Es handele sich um die Wohnung der 35 Jahre alten Lebensgefährtin des Mannes, in der dieser bereits 2006 deren siebenjährige Tochter missbraucht haben soll. Dort war der Mann im August festgenommen worden.

Nach dem bereits 2007 angeklagten Missbrauch der damals Siebenjährigen sei der per Haftbefehl gesuchte Mann zunächst untergetaucht, zwischenzeitlich aber wieder unbemerkt in die Wohnung seiner Lebensgefährtin eingezogen. Dort habe er sich dann an der Neunjährigen vergangen, die sich für einige Zeit in der Obhut der 35-Jährigen befand.

„Das Opfer soll ausgesagt haben, dass sich ihr auch die Lebensgefährtin sexuell genähert hat“, sagte Breas. Gegen die Frau werde wegen des Anfangsverdachts der Beihilfe des sexuellen Missbrauchs ermittelt. Ohne das Foto mit dem Wellensittich am Fenster und einer prägnanten Buxtehuder Innenstadt-Fassade auf der gegenüberliegenden Straßenseite, das sich zwischen den Missbrauchs-Aufnahmen fand, wären die Ermittler dem Pärchen wahrscheinlich nicht so schnell auf die Spur gekommen.

und die fertigen Fotos zunächst nicht abgeholt, sagte Breas und bestätigte damit auch Recherchen der Fernsehproduktionsfirma Hamburg on air.

Mit ihrem Vorwissen und den Foto-Indizien hätten die Beamten aber „relativ gezielt“ zu der Wohnung gehen können. Der 66-Jährige sitzt seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft und hat sich bisher noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat der Mann ein langes Vorstrafenregister, allerdings ausschließlich wegen Diebstahls- und Betrugsdelikten. Ein Termin für die Verhandlung vor dem Landgericht Stade steht noch nicht fest.