Prominente

Kaffeeklatsch mit Paris Hilton

Millionenerbin Paris Hilton hat in ihrem ersten Fernsehinterview nach 23 Tagen Gefängnis beteuert, sie sei hinter Gittern „reifer und verantwortungsbewusster" geworden. Sie habe einiges mitgemacht, sagte die Blondine. Und dann gab es noch mehr Kaffeeklatsch.

Foto: REUTERS

Auch 23 Tage im Knast konnten Paris Hilton nicht von ihrer Egozentrik heilen. „Ich möchte dem Publikum mitteilen, was ich durchgemacht habe" schmachtete sie Larry King entgegen, als der sie in ihrem ersten Medienauftritt nach ihrem Gefängnisaufenthalt danach fragte, warum sie dieses Interviews gab.

Das war ehrlicher als der restliche einstündige Kaffeklatsch, in dem die millionenschwere Hotelerbin das Publikum davon zu überzeugen suchte, wie sehr sie während ihrer Inhaftierung über sich selbst nachgedacht habe. Und jetzt ein völlig anderer Mensch sei. „Ich wollte mich auf mich selbst konzentrieren“, gab sie zum besten. Und was genau hat sie bisher anders gemacht?

Schön wie eh und je, angemessen geschminkt und in ein cremefarbenes Kleid gehüllt, sass sie dem CNN-Veteranen King gegenüber, der sein bestes tat, ihr taffe Fragen zu stellen. Denen sie demütig antwortete. „Ihr Geschäft ist es, sich selbst zu vermarkten“ warf er ihr in einem seltenen Anfall investigativem Wahrheitsfindungsdranges an den Kopf, bekam jedoch nur die übliche, leicht gelangweilte, beinahe abgeklärte Reaktion aus Paris heraus: eine Mischung aus „Good Girl“-Fügsamkeit und halbausgegorenen Selbstseinsichten wie zum Beispiel: „Gott lässt alles aus einem Grund geschehen, er hat mir eine Auszeit gegeben, damit ich herausfinden kann, wer ich bin“.

Was war der medizinische Ernstfall?

Immerhin fragte King sie danach, was genau der medizinische Ernstfall war, der nach den ersten Tagen im Knast eintrat und ihr eine verfrühte, kurze Zeit in der Freiheit einbrachte: Klaustrophobie. Sie könne sich nicht in engen Räumen aufhalten, habe Panikattaken und Albträume gehabt, aber keine Medikamente genommen, ausser den Pillen gegen „Attention Deficit Disorder“, die sie seit ihrem 12. Lebensjahr schluckt.

Sie kann eben kaum etwas oder jemandem viel Aufmerksamkeit schenken, muss Paris doch ständig über Paris nachdenken. Viel in der Bibel habe sie während jener 23 Tage ohne Fernsehen, Radio und Internet gelesen, und ab sofort wird sie in die Kirche gehen. Vergessen das berüchtigte Sexvideo, das vor drei Jahren alle einschlägigen Server im Internet zum Abstürzen brachte, und in dem sie ihre Aufmerksamkeit für den damaligen Lover nur unterbrach, um ihr klingelndes Handy abzunehmen.

Paris ist angeblich geläutert

Aber damit ist es nun vorbei. Paris ist geläutert, und will ihrer Vergangenheit als Partygirl entsagen. Davon habe sie genug. Ab sofort wird sie mit gutem Beispiel vorangehen und sich guten Zwecken widmen, wie zum Beispiel „Kindern, Brustkrebs, Multipler Sklerose“.

Vor allem der Umstand, dass viele inhaftierte Frauen nach ihrer Entlassung wieder rückfällig werden weil sie nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen, hat es ihr angetan, und es klingt sogar glaubwürdig, dass sie eine Einrichtung eigens für diese Zwecke gründen will: „ein Ort mit Programmen“ halt, und wie die aussehen sollen, darüber kann sich ja ein Tross von Beratern Gedanken machen. Paris kommt bestimmt gern zum Fototermin zur Eröffnung vorbei.

Ach, die Schmäh lässt sich nur schwer verkneifen, das ging auch CNN-Moderator Anderson Cooper so, der nach Larry King eine weitere Stunde lang mit Studiogästen über Paris diskutierte. Immerhin stieg der Unterhaltungswert dieses Specials um mindestens hundert Prozent, brachte es doch ein Hollywood-PR-Consultant mit dem authentischen Namen Ken Sunshine auf den Punkt, als der bemerkte: „Paris ist ein bisschen langweilig und nicht besonders gedankenvoll. Sie sollte keine Interviews geben, die eine Stunde lang dauern. Ein paar Soundbites sind genug“.