Royals

Bürgerliches Ehedrama am spanischen Hof

Um das spanische Königshaus steht es momentan nicht gut. Diverse familiäre Dramen lassen sich nicht mehr vor der Öffentlichkeit verbergen. Nun trennt sich auch noch die älteste Infantin Elena von ihrem Mann. Und auch die Thronnachfolge von König Juan Carlos ist noch nicht geregelt.

Foto: RAF/AO/BF / AFP

Seit Tagen erklingt überall in Spanien die Stimme König Juan Carlos'. Seine Zurechtweisung des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez auf dem Gipfel in Caracas ist inzwischen als Handy-Klingelton abrufbar. „Por qué no te callas?“ – salopp: Warum hältst du nicht die Klappe? – ist zum geflügelten Wort geworden.

Man könnte darunter eine kesse Sympathie-Bekundung für die Monarchie verstehen, wäre das Königshaus nicht angeschlagener denn je seit dem Ende der Franco-Diktatur vor 31 Jahren: Seit Monaten mehrt sich die Kritik an der Rolle von Juan Carlos als Staatsoberhaupt und Oberkommandierender der Streitkräfte. Karikaturisten nehmen das Königshaus aufs Korn, und republikanische Demonstranten verbrannten Fotos des Monarchen.

Nun ist es auch mit dem Image der heilen und praktizierenden katholischen Familie dahin: Die Casa Real gab bekannt, dass sich die älteste Infantin Elena (43) und ihr Mann Jaime de Marichalar (45) trennen. Wörtlich: „vorübergehend das Zusammenleben aufgeben“. Das Kommuniqué war wohl die Flucht nach vorne, denn seit Monaten, eigentlich seit Jahren rumort es, dass sich das Paar, das am 18.März 1995 in der Kathedrale von Sevilla heiratete und zwei Kinder, Felipe Juan Froilán (9) und Victoria Federica (7), zur Welt brachte, nicht mehr versteht.

Beim traditionellen Urlaub auf Mallorca tauchten die Fürsten von Lugo – so der Titel, den ihnen der König zur Hochzeit schenkte – kaum noch zusammen auf, bei anderen Anlässen erschienen sie ostentativ gemeinsam. Tatsache ist, dass Marichalar 2001 einen Schlaganfall erlitt – angeblich in einem Sportstudio –, anderthalb Jahre später einen weiteren. Schon damals war die Rede davon, dass schwerwiegende private Probleme für seinen schlechten Gesundheitszustand verantwortlich seien.

Mittlerweile so angreifbar wie die Windsors

Mit dieser ersten Scheidung, wenn sie denn ausgesprochen wird, ist die Familie der Bourbonen endgültig so angreifbar wie die Windsors, was ein strenger Pressecodex und der Respekt vor dem König als Garanten der Demokratie in dem durch Bürgerkrieg und Franco-Diktatur entzweiten Land bislang als undenkbar erscheinen ließen. Schließlich hatten die PR-Strategen alle Fauxpas und Ausrutscher ins allzu Bürgerliche zu verhindern oder als Stärke darzustellen vermocht.


Als die zweite Infantin Cristina (42) 1997 einen baskischen Handballspieler heiratete, mit dem sie inzwischen vier Kinder hat, fanden die Heraldiker einen adeligen belgischen Vorfahren des Bräutigams. Als Kronprinz Felipe (39) vor sechs Jahren mit einem protestantischen Dessous-Model aus Norwegen ankam, redete sein Vater ihm die Verbindung aus. Die TV-Journalistin Letizia (35), die er im Mai 2004 heiratete, musste Religionsunterricht nehmen und wurde zur Prinzessin ausgebildet. Ihre bürgerliche Herkunft wurde als Verankerung der Krone im Volk dargestellt, ihre geschiedene Ehe mit einem Universitätsdozenten als Jugendsünde verharmlost. Als sich ihre Schwester Anfang dieses Jahres das Leben nahm, sprach man von einem Unglück, von Selbstmord war offiziell nie die Rede.

Der Schlüssel zur Wiederherstellung der Legitimation

Nun lassen sich die familiären Dramen vor der Öffentlichkeit nicht mehr verbergen, und in ihrer Behandlung mag sogar der Schlüssel zur Wiederherstellung der Legitimation liegen. Denn dem König hat die Bevölkerung schon früher manche Eskapaden nachgesehen. Über seinen Sohn Felipe urteilten die Untertanen, er solle heiraten, wen er möge, Hauptsache, er werde glücklich. Wichtig für die Monarchie ist nun, ihre Rolle als Staatsoberhaupt zu verteidigen.


Kleinlich wirkt nun, dass am selben Tag der Bekanntgabe der Trennung seiner ältesten Tochter ein Gericht die Satirezeitschrift „El Jueves“ wegen Majestätsbeleidigung zu 3000 Euro Strafe verurteilte. Die Satiriker hatten im August Felipe und Letizia beim Sex dargestellt und so das von der Regierung erlassene einmalige Kindergeld von 2500 Euro veralbert. Der Thronfolger ist bislang Vater zweier Töchter, Leonor (2) und der kleinen Sofía. Bekommt er keinen Sohn, muss die Verfassung geändert werden, damit Leonor den spanischen Thron besteigen kann.