Sexiest Man Alive

Das gewaltsame Tier im Körper von Hugh Jackman

Der Australier Hugh Jackman ist der "Sexiest Man Alive". Jetzt spielt der Schöne in dem Kino-Film "Wolverine" eine Bestie. Gewalt gehört für den Schauspieler zur menschlichen Natur dazu – genauso wie ältere Ehefrauen und Phallus-Symbole. Er glaubt, dass die australischen Männer mit sich noch im Reinen sind.

Foto: ddp / DDP

Der typische Serienmörder ist Hugh Jackman scheinbar nicht. Der 41-Jährige sieht viel zu gut aus: kerngesundes Surfer-Lachen mit vielen weißen Zähnen. Für einen Schauspieler ist er außergewöhnlich groß und dazu ist er auch noch nett. Klar, mit einem Traummann wie ihm wäre man gern allein.

Aber als Jackman in Berlin war, um seinen neusten Film „Wolverine“ zu promoten, lag vor ihm ein mörderischer Interview-Marathon. Und so gab es nach moderner PR-Logik nur „Round-Table“-Gespräche. Da saß man also zu fünft in einer Suite mit dem Star – zwanzig Interviewminuten maximal – und kämpfte um seine wertvolle Fragezeit.

Morgenpost Online: Herr Jackman, normalerweise bringen Sie die Massen zum Lachen wie bei der letzten Oscar-Verleihung – oder erobern wie im Abenteuer-Epos „Australia“ eine spröde Nicole Kidman. Jetzt geben Sie den blutrünstigen Killer. Ziemlich brutal Ihr neuer Film.

Hugh Jackman: Es geht um das Animalische, aber die Hauptfigur ist ja doch ein Held.

Morgenpost Online: Wolverine, teils Mensch, teils Tier, hat übernatürliche Kräfte. Seine Fingernägel sind zu stählernen Krallen mutiert, die nahezu alles zerlegen, klein hacken, grausam töten. Warum sieht man sich das an?

Jackman: Ja, die Idee von Gewalt – ein interessantes Thema. Man kann Gewalt scheinbar nicht völlig ausschließen aus unserem Leben – ein Punkt, den wir auch mit unserem Film ansprechen: eines der Probleme von Menschen, die in den Krieg ziehen und kämpfen, ist ja, dass sie sich dann so lebendig, so stark wie nie fühlen. Gewalt ist in uns. Nur wir kompensieren das im Allgemeinen durch Sport, um das Tier in uns zu besänftigen, um es zu kontrollieren. Denken Sie an Rugby: das ist im Grunde nichts anderes als organisierte Gewalt. Wir brauchen das.

Morgenpost Online: Wir brauchen Gewalt?

Jackman: Natürlich nicht! Aber das Gewaltsame in uns zu leugnen oder zu ignorieren, halte ich für ebenso gefährlich wie, die Gewalt loszulassen. Gewalt ist ein grundlegender Teil des menschlichen Erlebens, durch die Kulturen, durch die Geschichte wurde sie ritualisiert.

Morgenpost Online: Frauen hielten sich im Kino die Augen zu. Fehlt uns das Testosteron?

Jackman: Es gibt auch Frauen, die so was lieben.

Morgenpost Online: Männer aus Stahl, noch echte Kerle.

Jackman: Macht ist männlich, war sie zumindest. Heute gelten andere Gesetze und ich finde, da wird so eine Fehlleitung deutlich. Mir fällt auf, wie viele Männer sich plötzlich aussortiert fühlen in einer Frauenpower-Gesellschaft.

Morgenpost Online: Nicht nach Ihrem Film. Wolverine ist ein Idol vor allem für die junge Generation. Diese Woche jährte sich zum zehnten Mal der Amoklauf von Columbine. Ein ähnliches Massaker passierte gerade wieder in einer deutschen Schule. Politiker sowie Eltern der Opfer ziehen auch die Filmindustrie mit in die Verantwortung. Ein Konflikt?

Jackman: Hammerfrage. Also, darüber muss ich erst mal nachdenken. Ich muss zugeben, unter diesem Aspekt habe ich meinen Film noch nie diskutiert. Ich habe da eine ganz andere Sichtweise: Für mich ist das super Action, Comic?

Kino-Reporter: Absolut! Wann dürfen wir den Director's Cut erwarten?

Morgenpost Online: Sorry?

Jackman: Director's Cut, ganz sicher bald.

Morgenpost Online: Was ich sagen wollte: Die Verfilmung eines Marvel-Comics passt seltsam in eine Zeit, in der alle von Amok und dem Aufstand der Massen fantasieren...

Jackman: ... und der Gedanke nun, dass ich in einem Film mitspiele, der, wie Sie sagen, möglicherweise Gewalt verherrlichen oder dazu inspirieren könnte ... das finde ich schrecklich! Ich würde mich schuldig fühlen. Ich kann es mir aber eigentlich nicht vorstellen.

Star-Reporterin 1: Wer waren die Helden Ihrer Kindheit als Sie so alt waren wie die Kinder, in deren Zimmern heute die Wolverine-Poster hängen? Was hing an Ihrer Wand?

Jackman: Indianer. Und Olivia Newton John! Ich war ein großer „Grease“-Fan, das war echt cool.

Morgenpost Online: Und Ihre Kinder? Was haben die jetzt an der Wand?

Jackman: Meine Tochter steht auf Dora the Explorer?

Morgenpost Online: Ähm ... Wie sehen Sie ....

Jackman: ... und mein Sohn will neuerdings der Häuptling eines Massai-Stammes sein. Er kennt jeden Stamm in Afrika!

Morgenpost Online: Aber was?

Star-Reporterin 2: Pardon, ich habe eine etwas verrückte Frage, aber in jedem Ihrer Filme rennen Sie nackt über die Leinwand.

Jackman: So?

Morgenpost Online: Herr Jackman, Deutschland diskutiert derzeit das Waffengesetz – besitzen Sie eine?

Jackman: Eine Waffe? Bei mir zuhause? Nein.

Morgenpost Online: Fängt es mit Waffenverherrlichung in Filmen wie Ihrem nicht an?

Jackman: Finde ich zu einfach. Man kann doch auch nicht sagen, wer heute eine Zigarette raucht, setzt sich morgen einen Schuss. Nein, bei dem Problem, das Sie ansprechen, spielen mehrere Faktoren zusammen. Ein Freund von mir ist Pazifist. Total gegen Waffen, selbst bei seinem Sohn: kein Plastikgewehr, keine Holzpistole, keine Kriegsspiele. Alles verboten. Und als der Sohn 18 wurde, ging er zur Armee! Meiner Meinung nach ist es ein ganz natürlicher Wunsch, mit Waffen zu spielen, oder Cowboy und Indianer. Die Frage ist nur: wo zieht man die Grenze? Ich finde, der Film hat auch gute Botschaften.

Morgenpost Online: Welche?

Jackman: Wolverine versucht eben nicht, wie der emotionslose Held in den 70ern zu sein, der in die Stadt einreitet, alle erschießt, sich nichts dabei denkt und weiter reitet. Diese Figuren sind viel gefährlicher, immer auf der Flucht, zwischendrin haben sie Sex mit irgendeiner Frau, das gilt dann als cool, nie eine Beziehung einzugehen. Einsame Killer. Wolverine dagegen zeigt auch seine Verwundbarkeit, Schmerz, Konflikt. Er ist kein Machtbesessener. In ihm brennt die Sehnsucht nach Nähe und dann quält ihn wieder die Furcht, zum Tier zu werden. Kennen wir das nicht?

Star-Reporterin 2: Noch mal zu Ihren Nacktauftritten ...

Jackman: Sehr gern, aber ich muss Sie enttäuschen: ich laufe nie nackt herum, in keinem Film.

Star-Reporterin 2: Aber Sie zeigen Brust. Und in anderen Filmen, das stand zumindest irgendwo, haben Sie das auch getan.

Jackman: Hmpf?

Morgenpost Online: Und Waffen sind Phallus-Symbole, nicht wahr?

Jackman: Ich bin sicher, als die ersten entworfen wurden, hatte man beim Design einen Phallus im Kopf.

Star-Reporterin 2: Irgendwas müssen die australischen Männer jedenfalls haben. Die sind alle so ... .

Jackman: Exhibitionistisch?

Star-Reporterin 2: Hihi ...

Morgenpost Online: Die Waffe der australischen Männer, Ihr Sex-Appeal – ist es das Klima, sind es die Steaks, die australischen Mütter?

Jackman: Keine Ahnung, ich bin jedenfalls kein Exhibitionist und werde auch nie einer sein. So was bringt mich nur zum Lachen. Die australischen Männer scheinen mit ihrer Stellung als Mann noch im Reinen zu sein. Das würde ich mir auch nie nehmen lassen. Ich bin für gleiches Wahlrecht, für gleiche Beschäftigungschancen. Aber meine Wünsche, Neigungen werden immer andere als die weiblichen sein.

Star-Reporterin 2: Ihre Frau ist fast zehn Jahre älter als Sie.

Jackman: Und sie nennt mich „Paps“, wenn sie mich zu träge findet. Sie hat eindeutig mehr Energie.

Morgenpost Online: Ihr achtjähriger Sohn, Herr Jackman – hat der Ihren Film schon ...

Star-Reporterin 1: Ich würde vorher gern noch mal auf Olivia Newton-John zurückkommen: Sie als der offiziell „Sexiest Man Alive“, wer ist für Sie die „Sexiest Woman Alive“?

Jackman: Meine Frau, keine Frage!

Morgenpost Online: Gut. Aber jetzt noch mal abgesehen?

Star-Reporterin 1: Genau, abgesehen von Ihrer Frau.

Jackman: Okay, das wäre Beyonce.

Morgenpost Online: Herr Jackman, ganz kurz noch zu Ihrem Sohn. Hat er Ihren Film gesehen?

Jackman: Der Film ist, glaube ich, frei ab – 16? In Amerika jedenfalls ab 13. Dann darf ihn auch mein Sohn sehen. Jetzt noch nicht. Obwohl, in Amerika lassen viele Eltern ihre vier-, bis fünfjährigen Kinder solche Filme sehen. Bisschen jung, das finde ich auch. Eins ist sicher: Mein Sohn dürfte ihn nur auf einem kleinen Bildschirm sehen. Auf großer Leinwand wirkt er schon sehr massiv.

Star-Reporterin 1: Stellen Sie sich vor, Sie hätten morgen einen perfekten Tag. Wie würde der aussehen?

Jackman: Er würde am Strand beginnen: Morgens schwimmen im Ozean, am Meer entlang laufen, in mein Lieblingscafé gehen, „Speedo's“, das ist am Bondi Beach. Mit meinen zwei Kindern abhängen und nur machen, was sie wollen. Und essen! Ich liebe essen.

Morgenpost Online: Schön, sehr schön. Aber was ist mit Ihrer Pressekonferenz: da sagten Sie, es sei eine gute Zeit für Actionfilme. Haben wir nicht genug Action gerade?

PR-Frau: Tut mir leid, die nächste Gruppe wartet schon vor der Tür.

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