Missernte in Indien

Dutzende Bauern begehen Selbstmord

Schon wieder haben Dutzende Bauern in Indien Selbstmord begangen: Nach einer verheerenden Missernte nahmen sich binnen zehn Tage in der zentralindischen Region Vidarbha mehr als 30 Baumwollfarmer das Leben. Die meisten Landwirte seien hoch verschuldet gewesen.

Nach einer Missernte haben sich mehr als 30 Baumwollfarmer in der zentralindischen Region Vidarbha umgebracht.

Die meisten Landwirte seien hoch verschuldet gewesen und hätten aufgrund der Ernteausfälle sowie stark gefallener Preise für Baumwolle keinen Ausweg mehr aus der Krise gesehen, berichtete der Sender NDTV.

"Es gab Mahnungen von der Bank. Örtliche Kredite mussten beglichen werden. Wir haben sogar versucht, unsere Ochsen zu verkaufen, aber es gab keine Interessenten“, sagte der Bauer Baba Tekam, dessen Sohn Laxman zu den jüngsten Selbstmordopfern gehört.

Die vom Baumwollanbau geprägte Region Vidarbha liegt etwa 600 Kilometer nordöstlich der Metropole Mumbai. Aufgrund des Freitods Tausender Bauern ist Vidarbha in der Vergangenheit immer wieder als „Selbstmordgürtel“ Indiens in der Schlagzeilen geraten.

Nach Angaben der indischen Regierung haben sich seit 1997 landesweit etwa 180.000 meist hoch verschuldete Landwirte das Leben genommen. Die jüngste offizielle Zahl stammt aus Jahr 2007, in dem 16.600 Bauern den Freitod wählten. 2006 waren es mehr als 17.000 Selbstmorde.

Die indische Regierung hatte bereis Anfang 2008 ein umgerechnet knapp 10 Milliarden Euro umfassendes Hilfspaket für den Agrarsektor verabschiedet, mit dessen Hilfe 30 Millionen Kleinbauern die Schulden erlassen werden sollten. Bürgerrechtler kritisieren jedoch, dass das Programm nur Kredite bei Banken einschließt, nicht aber bei örtlichen Geldverleihern. Daher könne bislang nur ein Bruchteil der betroffenen Bauern von der Schuldentilgung profitieren.