Sydney

Magermodel schockt Zuschauer bei Miss-Wahl

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Als die Australierin Stephanie Naumoska, 19 Jahre alt und zum Wegsehen dünn, in einem roten Bikini über den Laufsteg schritt, blickten sich die Zuschauer verstört an. Beckenknochen, Rippen und Ellbogen schoben sich bei jeder Bewegung spitz hervor. Das Schreckgespenst "Magermodel" ist wieder da.

Wer hatte nur zugelassen, dass ein Mädchen, das bei einer Größe von 1,80 Meter nur 49 Kilogramm wiegt, überhaupt am Vorentscheid zur Miss Universe teilnehmen darf. Stand die Veranstaltung, die am Mittwochabend in Sydney standfand, nicht unter dem Motto, „gesunde, wohl proportionierte Körper“ zu präsentieren?

Es war kein Zufall, dass ausgerechnet Spanien im Jahr 2006 den ersten Schritt gegen den Magerwahn unternahm und fünf Models von der Madrider Modewoche ausschloss. Das Land war sensibilisiert, in den 90er-Jahren hatten sich

Bulimie und Magersucht zu einer Art Jugendepidemie entwickelt. Fernsehspots riefen Mädchen zum Essen auf. „Essen ist schön“, lautete die Botschaft, „Essen ist gesund.“ Seit sich die Gemeinschaft der Modeschöpfer und die spanische Gesellschaft für Ernährung auf einen Mindesparameter für Laufstegmodels geeinigt haben, sollen nur noch Frauen mit einen Body Mass Index von 18 zugelassen werden.

Kurz vor dieser Vereinbarung hatte sich das brasilianische Topmodel Ana Carolina Reston zu Tode gehungert, weil sie sich nur noch durch Äpfel und Tomaten ernährt hatte. Auf den internationalen Laufstegen ist der Anblick trotz allem der gleiche geblieben. Nur die magersten Models laufen über den Catwalk. Sie sollen hinter der Haute Couture verschwinden. Ganz anders bei Modefotografie und Misswahlen. Wenn Heidi Klum Unterwäsche von Victoria’s Secret präsentiert, wenn sich Miss Universe in Bikini vor die Juroren stellt, sind gesunde Proportionen gefragt. Der Körper steht im Mittelpunkt.


Schlank soll er sein, natürlich, doch vor allem schön geformt und weiblich gerundet. Die Jury in Sydney befand, dass Stephanie Naumoska zu dünn sei, um als schön gelten zu können. Nach der Bikinischau schied die 19-Jährige aus. Mediziner wie Rosanna Capolingua, Vorsitzende des Australischen Ärzteverbands, kritisieren, dass Naumoska überhaupt das Finale erreichen konnte – mit einem Body Mass Index von 15,1. Damit gilt sie als stark unterernährt.

„Das Gefährlichste daran ist, dass jungen Frauen der Eindruch vermittelt wird, dass es normal sei, so auszusehen“, sagte Rosanna Capolingua zur australischen Zeitung „Herald Sun“. „Das ist es ganz sicher nicht.“

( es )

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