Zusammenstoss nahe Brüssel

Zugunglück fordert bis jetzt 18 Todesopfer

Es war kurz nach 8.30 Uhr am Morgen, als der Lokführer eines Regionalzugs kurz vor Brüssel ein Haltesignal übersah. Kurz darauf prallte er mit voller Wucht auf einen entgegenkommenden Zug. Die Bilanz bis zum Nachmittag: Mindestens 18 Tote, drei Frauen und 15 Männer.

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Beim Frontalzusammenstoß zweier Nahverkehrszüge in der Nähe von Brüssel hat es zahlreiche Todesopfer gegeben. Am Unglücksort in Halle, südlich der belgischen Hauptstadt, bot sich ein schreckliches Bild: Die beiden Lokomotiven hatten sich durch den schweren Aufprall ineinander verkeilt.

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Die Behörden rechnen aber möglicherweise mit bis zu 25 Opfern. Rund 150 Passagiere wurden teilweise schwer verletzt, darunter auch mehrere Kinder.

Am Unglücksort in Halle, südlich der belgischen Hauptstadt, bot sich ein schreckliches Bild: Die beiden Lokomotiven hatten sich durch den schweren Aufprall ineinander verkeilt, die Waggons an der Zugspitze wurden in einem 45-Grad-Winkel hochgeschoben. Ein weiterer Wagen hatte sich darunter geschoben.

In den ersten Waggons wurden auch die meisten Opfer vermutet, von denen zunächst nicht alle geborgen werden konnten. „Die Leute haben die Fenster eingeschlagen und um Hilfe geschrien“, berichtet der 23-jährige Sébastien Duckers einem Reporter von „Le Soir“.

Er selbst sei durch den Sitz vor ihm vom Aufprall geschützt worden. „Es war wie ein Erdbeben“, sagte ein Augenzeuge. Ein anderer berichtete, der Zug habe hart gebremst. „Dann hörten wir einen lauten Knall und ich sah einen Waggon an meinem Fenster vorbeischlittern.“ Die Fahrgäste seien nach vorne geschleudert worden. „Es war, als ob die Erde bebte“, sagte ein anderer Zeuge. Anwohner kamen aus den kleinen Reihenhäusern gleich neben dem Bahngleis gelaufen und versuchten zu helfen.

Bis zu 300 Reisende, die meisten von ihnen Pendler, die zum Wochenanfang zu ihrer Arbeit fuhren, sollen sich an Bord der beiden Züge befunden haben. Der Grund für den Zusammenprall war zunächst unklar. Möglicherweise hat der Lokomotivführer wegen des dichten Schneefalls ein Stoppsignal übersehen.

Der Wagen kam aus der Stadt Löwen und fuhr in Richtung Braine-Le-Comte. Der andere Zug war auf der Strecke Quiévrain in Richtung Liège unterwegs. Am Wochenende hatte es in ganz Belgien erneut geschneit, viele Züge waren daher am Morgen verspätet, so auch der Regionalzug nach Liège.

Die Feuerwehr brachte die Schwerverletzten in umliegende Krankenhäuser, die Leichtverletzten wurden in einem Sportzentrum in Halle behandelt und psychologisch betreut. Einigen Menschen mussten Arme oder Beine amputiert werden.

Die Behörden richteten ein Krisenzentrum und eine Notrufnummer für Angehörige ein. Das Rote Kreuz rief zum Blutspenden auf. Am Nachmittag wurden der belgische König Albert II. sowie Premierminister Yves Leterme am Unglücksort erwartet.

Da sich das Unglück an einen dicht befahrenen Knotenpunkt ereignete, fielen Dutzende Züge aus, darunter auch die Hochgeschwindigkeitszüge TGV, Thalys und Eurostar, die nach Frankreich beziehungsweise Großbritannien fahren. Eurostar unterbrach die Verbindungen von Brüssel nach London vorläufig und setzte auf der Gegenstrecke in Lille Busse nach Brüssel ein, wo Hunderte Reisende aus London gestrandet waren. Für zahlreiche Fahrgäste, die von Köln nach Paris unterwegs waren, war in Belgiens Hauptstadt das vorläufige Ende der Reise erreicht.

Der belgische Fahrgastverband ACTP warf der Eisenbahngesellschaft SNCB vor, aus Unfällen in der Vergangenheit keine Konsequenzen gezogen zu haben. Im März 2001 war ebenfalls ein „Geisterzug“ mit 85 Stundenkilometern auf einen entgegenkommenden Zug geprallt; auch damals hatte der Fahrer ein Signal übersehen.

Der Zug hatte zuvor hupend mehrere Bahnübergänge passiert, deren Schranken geöffnet waren, und raste als Geisterfahrer auf dem falschen Gleis der zweispurigen Strecke einem vollbesetzten Nahverkehrszug entgegen. Die Bilanz: Neun Tote und 12 Verletzte.

Damals konnte die SNCB den Lokführer nicht erreichen, das Personal versuchte noch, den Fahrstrom auf der Strecke abzustellen – zu spät. „Es ist nicht zu verstehen, warum seither nicht die nötigen Sicherheitstechnologien angeschafft worden sind“, heißt es in einer Stellungnahme der ACTP.

Belgische Medien zitieren den Premier Leterme mit den Worten: „Erst hatten wir Lüttich, und jetzt das.“ Leterme bezog sich dabei auf die Explosion in einem Wohnhaus in Lüttich. Dabei waren Mitte Januar 14 Menschen ums Leben gekommen.