Late Night: Beckmann

Wie Heike Makatsch Knef-Phrasen drischt

Vor dem Start des Kinofilms "Hilde" läutete Reinhold Beckmann gestern die großen Knef-Festspiele an. Neben dem Regisseur durften auch die Knef-Tochter sowie Schauspielerin Heike Makatsch die Werbetrommel für den Film rühren. Leider geriet der Auftritt der drei Gäste genauso flau wie der Film.

Er wird als einer der teuersten Filme in die deutsche Kinogeschichte eingehen – und so, wie es aussieht, auch als einer der teuersten Flops: Heike Makatsch spielt „Hilde“, „Die Sünderin“, den ersten deutschen Nachkriegsstar, das Multitalent, das als Schauspielerin in den sechziger Jahren scheiterte, um sich als Chansonsängerin neu zu erfinden.

Wie sehr seine Produzenten unter Erfolgsdruck stehen, zeigte sich gestern bei Reinhold Beckmann.

Da saßen sie zu dritt, um die Knef-Festspiele pünktlich zum bundesweiten Filmstart einzuläuten. Heike Makatsch, die Knef-Tochter Christina Gardiner und „Hilde“-Regisseur Kai Wessel.

Eine gute, wenn nicht gar die Gelegenheit, um die PR-Trommel für ein Opus anzukurbeln, das nach den Worten seiner englischen Produzentin Judy Tossell sage und schreibe 9,5 Millionen Euro gekostet habe, „das maximale Budget in Deutschland“.

Leider ließ der gut vorbereitete Reinhold Beckmann die Phrasendreschmaschine auch noch zu. So gelang es Heike Makatsch nicht, in einem einzigen Satz auszudrücken, was sie an jener Frau faszinierte, von der sie sagte, sie sei im Laufe der Dreharbeiten so etwas wie eine Freundin geworden. Bezeichnenderweise spiegelte ihr Auftritt das Dilemma des Films wider: „Hilde“ unternimmt gar nicht erst den Versuch einer Annäherung an das Phänomen Knef. Im Versuch, den Spagat zwischen Kriegsdeutschland und Hollywood zu schaffen und soviel Geschichte wie möglich in zwei Stunden zu pressen, verliert das Drehbuch seine Protagonistin aus dem Blickwinkel.

Zwar haben Kritiker Heike Makatsch attestiert, im Rahmen ihrer Möglichkeiten habe sie das Beste aus ihrer Rolle gemacht. Doch als Sprungbrett für ihre Karriere, die in den vergangenen Jahren ins Stocken geraten zu sein scheint, eignet sich dieser Film wohl nicht. Zwar hat Heike Makatsch das Image des Vorzeige-Girlies der Nation aus ihrer Zeit als Moderatorin beim Musiksender Viva längst abgestreift. Doch um der Knef das Wasser zu reichen, fehlt es ihr schlicht und einfach an Lebenserfahrung.

Insofern hätten sich an der letzten deutschen Nachkriegsdiva vermutlich auch ausgebildete Sängerinnen und Schauspielerinnen verhoben. Wie formulierte es Makatsch gestern in einem lichten Moment bei Beckmann selber? „An Hilde kommt sowieso kaum jemand ran.“

Knefs Biographin Petra Roek jedenfalls äußerte Verständnis für jene Filmkritiker, die die laufende Pressevorführung während der Berlinale verließen. Auch bei ihr habe der Film einen schalen Nachgeschmack hinterlassen, erklärte sie jüngst in der "Frankfurter Rundschau".

Sie sagt, willkürlich habe die Autorin des immer wieder umgeschriebenen Drehbuches Zitate aus der späten Lebensphase der 2002 gestorbenen Knef in die sechziger Jahre verlegt. Aus dem Mund der 38-jährigen Darstellerin würden die Bekenntnisse einer alten Dame aber einfach nur altklug und hohl klingen. Der Film werde seiner Hauptfigur nicht einmal annähernd gerecht. Die Knef sei eben ein Original gewesen.

Eine Ahnung davon vermittelte gestern bei Beckmann jedoch nicht einmal die Knef-Tochter Christina Gardiner. „Die Künstlerin und die Mutter, für mich waren das immer eine Person“, beteuerte sie – eine erfrischend pragmatische Vierzigerin mit Bubikopffrisur. Nicht ohne dezent darauf hinzuweisen, dass ihre Mutter „bestimmt nicht unkompliziert“ gewesen sei. Das Verhältnis zur Mutter scheint aus ihrer Sicht nicht ganz so innig gewesen zu sein, wie es die Knef selber zu Lebzeiten gern kolportierte.

Seit sie mit 19 einen Amerikaner geheiratet hat, lebt Christina Gardiner in den USA, genauer: in New Mexico. Jenseits des Atlantiks, wo sie der Schatten der berühmten Mutter nicht mehr erreichte. Die künstlerischen Ambitionen ihrer Mutter scheint sie nicht geerbt zu haben. Möglicherweise muss man ihren beruflichen Werdegang auch als Gegenreflex auch zum ständigen Auf und Ab der Karriere ihrer Mutter verstehen.

Kaum eine andere deutsche Nachkriegskünstlerin hat sich so oft wieder aufgerappelt wie Hildegard Knef, die Stehauffrau. Ihre Tochter dagegen scheint mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen. Ihre sprichwörtlichen Brötchen verdient sie sich heute als Bäckerin.

Alles über HEIKE MAKATSCH im Prominenten-Lexikon.

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