Vom Laufsteg hinter Gitter

Die gekauften Drogen-Bräute Mexikos

| Lesedauer: 3 Minuten

Was für eine Truppe: Gleich mit sieben mutmaßlichen Drogenkriminellen war die amtierende Miss Mexiko unterwegs, als sie einen Tag vor Heiligabend von der Polizei festgenommen wurde. In Mittelamerika staunt man darüber kaum. Tatsächlich sollen sich dort viele schöne Frauen von Drogenbossen aushalten lassen.

Missgeschick für die Miss aus Mexikos Drogenstaat Nummer eins: Statt das Land im kommenden Jahr bei der Kür zur Miss International 2009 zu vertreten, muss Laura Elena Zuñiga, die amtierende Miss Sinaloa, möglicherweise erstmal hinter Gitter

Die 23-jährige Schöne wurde am Tag vor Heiligabend in Begleitung von sieben mutmaßlichen Drogenkriminellen festgenommen. Die Truppe, die in zwei Fahrzeugen im Bundesstaat Jalisco unterwegs war, hatte ein ansehnliches Waffenarsenal, 16 Mobiltelefone und rund 100:000 Dollar dabei.

Laura Zuñiga war offenbar in Diensten des Kartells von Sinaloa unterwegs und die Geliebte des Bruders des Anführers dieser Bande. Nach der Festnahme hatte sie nach Behördenangaben ausgesagt, sie sei mit ihren Begleitern auf dem Weg nach Bolivien und Kolumbien gewesen, um dort einzukaufen. Das Ereignis ließ in Mexiko sofort auch Spekulationen über eine mögliche oder gar wahrscheinliche Verbindung des organisierten Verbrechens zu dem Geschäft mit den Miss-Wahlen aufkommen.

Jedenfalls berichteten die Zeitungen fleißig über die letzte Wahl im Juli dieses Jahres in Sinaloa, in dessen Hauptstadt Culiacan fast alles mit dem Drogengeschäft zu tun hat. Damals, so schrieb die Tageszeitung „El Universal“, habe die „schlechter Vorbereitete“ die Miss-Wahlen in dem mexikanischen Nordstaat gewonnen. Die Favoritin habe bittere Tränen geweint und Laura den Vortritt lassen müssen, obwohl diese ihr vor allem in den Disziplinen nicht gewachsen gewesen sei, in denen Intelligenz gefragt war. Auch sei bei Lauras körperlichen Rundungen nachgeholfen worden.

"Ohne Brüste kein Paradies"

Als der Autor des Romans „Ohne Brüste kein Paradies“, Gustavo Bolívar“ von der Festnahme Juñigas erfuhr, fühlte er sich an Kolumbien erinnert. In seinem Buch „Sin tetas no hay paraíso“ erzählt er unter anderem, wie die Protagonistin dank der finanziellen Unterstützung durch einen Drogenboss zur Schönheitskönigin wird. Auch in der Realität sei das inzwischen ein Faktum: „In den vergangenen 25 Jahren hat das Geld der Drogen die schönsten Frauen geben, das ist mehr als bewiesen“, sagte Bolivar dem „El Universal“.

Warum sollte das in Mexiko anders sein? In einem Kommuniqué wies der Veranstalter Nuestra Belleza Mexiko jegliche Nähe zur Rauschgiftkriminalität zurück. „Mit dem Fall der Señorita Zuñiga ist Nuestra Belleza Mexiko beschäftigt und wird gegebenenfalls die passenden Maßnahmen ergreifen“, hieß es in dem Dokument.

Doch auch in Mexiko sind viele Schöne dort, wo die Macht und vor allem das Geld ist. Wie anderswo auf der Welt kostet Schönheit Geld. Und deshalb lassen sich schöne Frauen aushalten, da sie selbst nicht über die finanziellen Möglichkeiten verfügen, um etwa an den Wettbewerben teilnehmen zu können. Da müssen teure Kleider von Designern, Kosmetika und Schmuck angeschafft und es muss mit kosmetischen Operationen nachgeholfen werden. In Mexiko kommen vor allem die Drogencapos infrage, die, so meint Bolívar, eine besondere Leidenschaft für schöne Frauen haben und damit angeben wollen, mit einer Schönheitskönigin auszugehen.

Er zieht daraus einen weitergehenden Schluss, der aber niemanden in Mexiko verwundert: Wenn die Drogenkriminalität schon das Geschäft mit den Miss-Wahlen im Griff hat, dann sei es an der Zeit, auch die Politik zu enttarnen: „Die ersten, die vom Drogenhandel gekauft wurden, sind die Politiker.“

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