Kindererziehung

In Frankreich ist die Prügelstrafe noch üblich

In Deutschland und anderen EU-Staaten ist die Prügelstrafe längst verpönt. Bei den Franzosen gehört der "Klaps auf den Hintern" noch zum guten Ton. Der Anstoß einer Abgeordneten, dies per Gesetz zu verbieten, stößt auf Widerstand. Selbst Frankreichs frühere First Lady, Bernadette Chirac, mischt sich in die Debatte ein.

Frankreichs frühere First Lady, Bernadette Chirac, findet nichts Schlimmes daran, einem frechen Kind den Hintern zu versohlen.

„Wenn ein Kind unausstehlich ist, schadet es ihm nicht, wenn es den Hintern voll bekommt“, sagte Chirac im Klassiksender Radio Classique. Die Schläge dürften „nicht zu fest“ sein und „nicht zu lange“ dauern, schränkte die Frau von Altpräsident Jaques Chirac ein.

Der Vorschlag der konservativen Kinderärztin und Abgeordneten Edwige Antier, die jüngst ein Gesetz gegen die körperliche Züchtigung von Kindern vorgeschlagen hat, sei „lächerlich“, sagte Bernadette Chirac.

„Je häufiger man die Hand gegen ein Kind erhebt, desto duckmäuserischer, aggressiver und verlogener wird es“, sagt die UMP-Abgeordnete Edwige Antier, die auf 38 Jahre Erfahrung als Kinderärztin verweist.

„Wir können nicht länger hinnehmen, dass man sagt, das sei nicht schwerwiegend – oder schlimmer noch, dass das einen erzieherischen Wert habe.“ Auch wenn sie nicht alle körperlichen Strafen in einen Topf werfen wolle, gebe es Eltern, die ihre Kinder schwer misshandelten und sich hinter der allgemeinen Toleranz für den „Klaps auf den Po“ – in Frankreich „fessée“ genannt – versteckten.

Neun von zehn Eltern in Frankreich geben zu, ihre Kinder schon einmal geschlagen zu haben, wie eine Untersuchung der Europäischen Familienunion (UFE) von 2007 ergab.

95 Prozent der Erwachsenen sagten dabei, sie seien als Kind selbst geschlagen worden – und 64 Prozent der Eltern fanden auch, dass sie die Prügel damals zu Recht bekommen hatten. Wenngleich in den meisten Erziehungsbüchern in Frankreich von der körperlichen Züchtigung abgeraten wird, stößt Antiers Vorschlag auch bei einigen Kollegen auf Ablehnung: „Ein Klaps auf den Po hat noch nie schwere Störungen bei einem Kind hervorgerufen, wenn er nur sehr gelegentlich und begleitet von Worten verabreicht wird“, sagte die Psychologin Myriam Illouz im Fernsehsender France 2.

Aber Antier verweist darauf, das Frankreich in Europa mit dem „Züchtigungsrecht“ der Eltern langsam ziemlich allein dasteht. So habe der Europarat 2008 seine Mitgliedstaaten dazu aufgerufen, körperliche Strafen für Kinder zu verbieten.

18 Staaten hätten dies bereits getan, darunter auch Deutschland, wo Kinder seit dem Jahr 2000 ein Recht auf auf gewaltfreie Erziehung haben.

Die UMP-Abgeordnete setzt darauf, dass ein Verbot auch in Frankreich allmählich einen „Bewusstseinswandel“ erzeugen würde. Sie schlägt vor, es Eltern „bei der Hochzeit vorzulesen“. Auch in Schweden, wo das Verbot 1979 eingeführt wurde, seien anfangs 70 Prozent der Eltern dagegen gewesen, argumentiert Antier. „Heute sind es nur noch zehn Prozent.“

„Bei uns ist es üblich zu sagen, dass ein Klaps auf den Po noch niemanden umgebracht hat“, schrieb die Zeitung „Le Monde“. Antiers Vorstoß rufe deshalb „mehr Lächeln und Verärgerung als Nachdenken und Zustimmung“ hervor. UMP-Parteichef Xavier Bertrand will denn auch gar nicht erst inhaltlich über den Vorschlag diskutieren.

Antier habe das Recht, sich „als Kinderärztin“ zu äußern, sagt der UMP-Generalsekretär. Aber ein Gesetz, „das in die Privatsphäre eingreift, um den Eltern zu sagen, wir verbieten den Klaps auf den Po – nein, ich glaube, das geht viel zu weit“. Schließlich sei „die Verantwortung der Eltern eines der Fundamente unserer Gesellschaft“.