Geburtstag

Auch mit 75 ist Udo Jürgens ein unsicherer Mann

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Wenn die Vorräte der Sektbar verbraucht sind und Frauen jenseits der 45 wie Teenies kreischen, dann ist der Höhepunkt eines Udo-Jürgens-Konzerts erreicht. Jetzt wird der große Entertainer 75 Jahre alt. Trotz ungezählter Liebschaften und Millionen verkaufter Alben ist er ein unsicherer Mensch geblieben.

Das muss wohl so gewesen sein: Als der liebe Gott das Glück verteilte, blieb am Ende noch ein ganz großer, golden schimmernder Haufen übrig. Und weil er nicht genau wusste, was er mit dem ganzen Glück anfangen sollte und das Mindeshaltbarkeitsdatum drängte, schüttete Gott schließlich den ganzen großen Haufen Glück über Udo Jürgen Bockelmann aus.

Der stand – so wie es seine Art ist – schüchtern lächelnd zufällig da. Nun hätte es der liebe Gott sicher schlechter treffen können, denn Udo Jürgen Bockelmann, der sich irgendwann Udo Jürgens nannte, ist ein höflicher, bescheidener und seltsamerweise auch mit 75 Jahren immer noch unsicherer Mensch.

Es war diese Unsicherheit, die ihn zum erfolgreichsten Interpreten im deutschsprachigen Raum machte, mit geschätzten 100 Millionen verkauften Platten und einem Vermögen von ebenfalls geschätzten 120 Millionen Euro, doch wer weiß das schon so genau, bei diesen Dimensionen, Udo Jürgens sicher nicht, es ist ihm herzlich egal, wie viel Geld er hat.

Udo Jürgens fing an aufzutreten, weil ihn ein Mädchen angelächelt hat. Das ist eine dieser Geschichten, die er immer wieder erzählt und von denen man erst glaubt, dass sie wahr sind, wenn man ihm dabei gegenüber sitzt. Mädchen wollten nie etwas von ihm wissen, sagt Udo Jürgens dann auch.

Und wenn sein Gesprächspartner ein wenig die Brauen verzieht, weil er weiß, dass die Frauen, mit denen Udo Jürgens geschlafen hat, bequem einen neuen Kontinent besiedeln könnten, fügt er hinzu: „Mit meinem Klavier brachte ich aber ihre Augen zum Leuchten.“

Und wenn man es dann immer noch nicht glaubt, und diese Geschichten vom „körperlichen Defizit“, gegen das er immer angekämpft habe, nicht ernst nimmt, dann nimmt er einen in den Arm, sehr vorsichtig, ängstlich beinahe, dass man ihn abschütteln könnte. „Ehrlich, glauben Sie mir“, sagt er dann ohne Ironie.

Udo Jürgens will gemocht werden, bis heute, von allen. Und er hat ein beinahe unheimliches Gespür dafür, wie man das macht. Er konnte den Konservativen „Bohnerwachs und Spießigkeit“ vorwerfen, für die „wilde Ehe“ eintreten und sogar die katholische Kirche angreifen, ohne dass die es ihm übel nahmen.

Gleichzeitig bekam er natürlich Applaus von den Linken. Udo Jürgens hat das alles nach Gefühl gemacht, taktisch dachte er dabei nie. Sein Management dachte taktisch, sicher, und Jürgens hätte vielleicht doch ein paar Alben weniger machen, sich mehr Zeit lassen sollen. Vielleicht wäre er noch anerkannter, als fantastischer Musiker und Komponist, der er unzweifelhaft ist.

„Mein größter Traum wäre es, einmal bei den Salzburger Festspielen zu spielen“, sagte er einmal der "Welt". Jürgens wäre nicht er selbst, wenn er nicht mit sich hadern würde. Er sagt, sein Vorbild sei immer Frank Sinatra gewesen. George Gershwin bewundere er über alle Maßen.

„Unendlich schwer“ sei es mit solchen Vorbildern. Schon in den 60er-Jahren hat Jürgens Sinatra einen Song geschrieben, den dieser an Sammy Davis junior weitergab. Sammy Davis sang das Lied „If I never sing another song“ jedes Mal am Ende eines Auftritts.

Manche sagen, Udo Jürgens jammert auf unfassbar hohem Niveau. Seine Tourneen sind ausverkauft, er sieht immer noch aus wie Mitte Fünfzig und die Frauen an seiner Seite könnten locker seine Enkelinnen sein. Sein berühmtestes Lied handelt von Sehnsucht und heißt „Griechischer Wein“. Es ist ein Lied, das überall auf der Welt funktioniert, in Griechenland gilt es inzwischen als Volkslied. Udo Jürgens versteht etwas von Sehnsucht.

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