Ohrfeigen oder Todeskommando?

Prinz Ernst August wegen Schlägerei vor Gericht

Von einem „Todeskommando" aus mehreren Menschen, darunter Ernst August Prinz von Hannover, will der Diskobesitzer Josef Brunlehner im Januar 2000 in Kenia verprügelt worden sein. „Groteske Erfindungen und Lügengeschichten", entgegnet der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagte Ernst August.

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Das ließ Ernst August über seinen Anwalt in einer fast 20 Seiten langen Erklärung vor dem Hildesheimer Landgericht verlauten. Lediglich zwei Ohrfeigen räumt der Adelige ein, wegen zu lauter Musik und einer störenden Lasershow der Disko Brunlehners. „One for the music, one for the light“, habe er Brunlehner damals vor den Schlägen angekündigt, ließ der Prinz verlauten. Mehr sei nicht passiert.

Wenn tatsächlich nicht mehr passiert sei, könne man das Verfahren auch einstellen, deutete Richter Andreas Schlüter bei der Eröffnung des wieder aufgenommenen Berufungsverfahrens in Hildesheim an. Zwei Ohrfeigen nach neun Jahren sind für Schlüter „eigentlich kein Grund“, die deutsche Justiz so intensiv zu beschäftigen, wie Ernst August es tut: Bereits 2001 wurde die mutmaßliche Schlägerei von Ernst August und Brunlehner vor dem Amtsgericht Springe verhandelt.

Damals lautete das Urteil unter Einbeziehung anderer Delikte Ernst Augusts acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Dieses Urteil wurde im Berufungsverfahren vor dem Landgericht Hannover im Jahr 2004 in eine Geldstrafe von 445 000 Euro umgewandelt.

Zwischenzeitlich klagte Ernst August gegen seinen damaligen Verteidiger Jochen Heidemeier wegen eines nicht autorisierten Geständnisses. Es ging unter anderem darum, ob Ernst August mit einem Schlagring auf Brunlehner eingedroschen hat. Heidemeier ließ in seiner Erklärung die Möglichkeit dazu offen. Ernst August dagegen wehrt sich heftig gegen den Vorwurf, einen Schlagring benutzt zu haben.

Nun pochen der 55-jährige Adelige, der sich nicht persönlich äußerte, und sein neuer Anwalt Hans Wolfgang Euler darauf, endlich „die Wahrheit ans Licht“ bringen zu wollen. Seit 2005 arbeitete Euler daran, dass das Verfahren erneut aufgerollt wird. Es habe keine schweren Verletzungen Brunlehners gegeben, behaupten Euler und Ernst August. Brunlehner sei ein guter Schauspieler und habe seine schweren Verletzungen inszeniert. Die Justiz sei einer „Show“ aufgesessen, sagt Euler.

Ganz anders stellt Brunlehner den Fall dar. Auch er und sein Verteidiger Stefan Spreitzer beanspruchen für sich, „die Wahrheit“ zu erzählen. Nach Brunlehners Darstellung kurz vor Prozessbeginn ist ein „Todeskommando“ von rund zehn Personen, darunter Ernst August, im Januar 2000 in Kenia auf ihn losgestürmt. Der Adelige habe ihn zunächst umgeworfen und dann 10 bis 15 „Schwinger“ mit einem Schlagring auf den Oberkörper ausgeteilt. Brunlehner sei derart schwer verletzt gewesen, dass er zur Heilung in ein künstliches Koma versetzt werden musste.

Richter Andreas Schlüter hat selten zwei Aussagen über eine Prügelei erlebt, die sich derart gegenüberstehen. „Irgendeiner sagt hier nicht die Wahrheit, und derjenige wird am Ende ernste Probleme bekommen“, warnte Schlüter die Beteiligten am Montag. Prozessbeobachter erwarten nun mit Spannung die Aussagen der von Euler angekündigten neuen Zeugen. Kenianische Ärzte und Zeugen, die Brunlehner bei Ankunft in seiner Diskothek nahezu unverletzt gesehen haben, sollen Ernst August entlasten.

Am Dienstag und Mittwoch steht zunächst die Aussage Brunlehners auf der Tagesordnung. Der 61-Jährige mit dem Spitznamen „Joe“ soll von einer Ex-Geliebten als talentierter Show-Mann charakterisiert worden sein. Nun muss er vor Gericht beweisen, dass er tatsächlich die Wahrheit erzählt und nicht Lügengeschichten, wie Ernst August es ihm vorhält.