Vorläufig Schlappe für Walfangbefürworter Japan

| Lesedauer: 3 Minuten
Morgenpost Online/AFP

Foto: dpa

Bei der Jahrestagung der Internationalen Walfangkomission scheiterte Tokio zunächst mit mehreren Anträgen, die Abschußquoten aufzuweichen. Der Ausgang ist jedoch ungewiß

Das Walfangland Japan hat zu Beginn der Jahrestagung der Internationalen Walfangkomission (IWC) in der südkoreanischen Hafenstadt Ulsan einen Dämpfer erhalten. Drei von Tokio eingebrachte Anträge, deren Annahme den Walschutz aufgeweicht hätte, scheiterten bislang. Der Ausgang der bis Freitag dauernden Tagung ist jedoch ungewiß, weil Japan in den vergangenen Jahren mehrere Verbündete für den Walfang als IWC-Mitglieder gewann. Japan setzt sich für die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs ein und will für „wissenschaftliche Zwecke“ neben Zwergwalen auch Buckel- und Finnwale töten, deren Bestand als gefährdet gilt.

Tokios Versuch, die Diskussion um Schutzgebiete und Whalewatching sowie Tierschutz von der Tagesordnung zu streichen und geheime Abstimmungen einzuführen, wurden mit der einfachen Mehrheit der walschutzfreundlichen Länder abgeschmettert. Diese wollen insbesondere das seit 1986 geltende Verbot für kommerziellen Walfang aufrecht erhalten. Sie wenden sich aber auch gegen Japans Praxis, dieses Verbot durch den vorgeblich „wissenschaftlichen“ Walfang zu umgehen.

Japan will Fangquote von Zwergwalen mehr als verdoppeln

Die Regierungen mehrerer Länder, unter ihnen neben Deutschland die USA, Großbritannien, Frankreich und Neuseeland, protestierten scharf gegen die Ankündigung, Wale töten zu wollen, die auf der Roten Liste der Internationalen Naturschutzorganisation (IUCN) stehen. Japan hatte zuvor angekündigt, daß es seine Fangquote von Zwergwalen für „wissenschaftliche Zwecke“ mehr als verdoppeln werde. Gleichzeitig solle die Jagd auf Buckelwale ausgedehnt werden. Damit stiege die Gesamtzahl der von Japan getöteten Wale auf etwa 1300 im Jahr.

Ab Ende dieses Jahres wolle Japan im südlichen Eismeer rund 850 Zwergwale jährlich fangen, hieß es. Nach einer Quotenregelung darf die japanische Walfangflotte bislang jedes Jahr 400 Wale töten, wobei diese Zahl um zehn Prozent über - oder unterschritten werden kann. Für die Quoten-Erhöhung bei der Jagd auf Zwergwale benötigt Japan die Zustimmung der IWC nicht.

Campbell: Von Wissenschaft keine Rede

Der australische Umweltminister Ian Campbell kritisierte Tokio scharf für die geplante Verdoppelung der Fangquote. Die Ankündigung sei ein „Skandal“, sagte Campbell. Japans Position werde zu einem „Konflikt“ in der Kommission führen. Auch der neuseeländische Umweltminister Chris Carter sprach davon, daß von „Wissenschaft“ im Zusammenhang mit dem Abschlachten der Wale keine Rede sein könne.

Walfangnationen wie Japan, Norwegen und Dänemark argumentieren dagegen, daß die Walpopulation durch das 19jährige Fangmoratorium wieder zugenommen habe und in ihrem Bestand nicht mehr gefährdet sei.

Die Mehrheit der walschutzfreundlichen Länder innerhalb der IWC gilt trotz der Schlappe für Japan zu Beginn der Tagung als labil. Es wird erwartet, daß die der Walfangkommission zuletzt beigetretenen Länder Kamerun, Gambia, Togo und der Inselstaat Nauru mit Japan stimmen werden.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos