Morsal-Mord

Ankläger spricht von "niedrigster sozialer Stufe"

Für den sogenannten Ehrenmord an seiner 16 Jahre alten Schwester Morsal soll ein Deutsch-Afghane aus Hamburg nach dem Willen der Staatsanwaltschaft lebenslang hinter Gitter. Wie der Vertreter der Anklage bei seinem Plädoyer im Prozess gegen den 24-Jährigen vor dem Landgericht Hamburg sagte, handle es sich um eine Tat auf „niedrigster sozialer Stufe".

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Im Prozess um den sogenannten Ehrenmord an der Deutsch-Afghanin Morsal O. hat die Staatsanwaltschaft am Donnerstag vor dem Hamburger Landgericht eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Angeklagten gefordert. Der beschuldigte Ahmad-Sobair O. habe seine 16-jährige Schwester am 15. Mai 2008 auf einem Parkplatz im Stadtteil St. Georg mit 23 Messerstichen „heimtückisch und aus niederen Beweggründen ermordet", sagte Staatsanwalt Boris Bochnick in seinem Plädoyer. Morsal O. habe keine Überlebenschance gehabt. Das sei ein „Mord mit Ansage“ gewesen.

Die Verteidiger des angeklagten Bruders forderten wenig später eine Verurteilung wegen Totschlags. Ihr Mandant habe die Tat im Affekt begangen und sei nur vermindert schuldfähig gewesen, sagte einer der Anwälte bei seinem Plädoyer. Das Urteil wird für den 13. Februar und somit knapp zwei Monate nach dem Prozessauftakt erwartet.

Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt, weil Morsal O. bereits vor der Tat seit mehreren Jahren unter dem Druck ihrer Familie gelitten haben soll. Die Familie habe den westlich orientierten Lebensstil des Mädchens missbilligt. Das Mädchen war mehrfach in Einrichtungen des Jugendnotdienstes untergebracht worden. Zudem hatte die 16-Jährige ihren Bruder bereits mehrmals angezeigt, die Anzeigen aber jedes Mal wieder zurückgezogen.

Vor den Plädoyers hatte Landgericht einen Befangenheitsantrag der Staatsanwaltschaft gegen eine psychiatrische Sachverständige als unbegründet abgelehnt.