Prozess

18-Jähriger wollte Frau essen

Der Drang eines jungen Mannes zum Töten und seine Gier nach Menschenfleisch wären einer jungen Frau nach Ansicht der Staatsanwaltschaft fast zum Verhängnis geworden. In Cottbus steht der 18-Jährige jetzt vor Gericht, weil er die Pädagogin in den Hals beißen und ein Stück Fleisch von ihr essen wollte.

Der 18-jährige Angeklagte muss derzeit vor dem Landgericht Cottbus (Brandenburg) verantworten, weil er laut Anklage eine Frau zur Befriedigung seiner Tötungsphantasien in den Hals beißen und ein Stück Fleisch von ihr essen wollte. Die 26 Jahre alte Pädagogin konnte jedoch die Beißattacke im Juni 2007 in einem therapeutischen Betreuungsheim in Berlin-Karow erfolgreich abwehren. Sie blieb unverletzt.

Zwei Monate später soll der Beschuldigte in einem Therapieheim in Neuendorf am See (Dahme-Spreewald) einen Mann erneut in Tötungsabsicht mit einer Nagelschere angegriffen und verletzt haben. Der 18-Jährige fügte nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch einen herbeigerufenen Helfer Stichverletzungen zu. Die Vorwürfe lauten auf versuchten Mord, versuchten Totschlag und schwere Körperverletzung.

Der Angeklagte sagte zum Prozessbeginn am Dienstag vor der Jugendstrafkammer, er wolle sich vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern. Er war unter verschärften Sicherheitsbestimmungen aus dem Maßregelvollzug mit Handschellen und Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt worden. Während der Verhandlung saß der mit einem blauen Overall bekleidete Angeklagte zwischen zwei bewaffneten Polizeibeamten, die Schutzwesten trugen.

Als Zeugin schilderte die angegriffene Frau Details der Attacke. Zuerst sei an jenem Abend im Sommer 2007 plötzlich das Licht in ihrem Arbeitszimmer ausgegangen. "Ich stand auf, um nach der Ursache zu sehen.“ Dann sei plötzlich der junge Mann mit starrem Blick auf sie zugekommen und habe sie gegen eine Wand gedrückt. "Er sagte, er wolle mich beißen um zu wissen, wie ich schmecke“, erläuterte die Diplompädagogin mit fester Stimme. "In dem Moment hatte ich panische Angst, denn er hatte schon davor mehrmals geäußert, dass er Menschen töten und essen wolle.“ Sie habe den Angreifer angeschrien und per Handy einen Kollegen zu Hilfe geholt. Der 18-Jährige habe sich früher selbst als gefährlich bezeichnet und auch schon einen Jugendlichen in dem Heim gebissen.

Ein anderer Zeuge berichtete von dem Angriff des Beschuldigten in dem Betreuungsheim in Neuendorf am See am Rande des Spreewaldes. "Mein Kollege rief um Hilfe, weil der junge Mann auf ihn einschlug und mit einer Nagelschere nach ihm stach“, erzählte der 26-jährige Pädagogikhelfer. Er habe weitere Kollegen herbeigeholt und mit ihnen gemeinsam den 18-Jährigen überwältigt. Dann habe er bemerkt, dass er selbst aus mehreren Stichwunden blutete. Der Prozess wird mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt.