Ekel-Show

Die Super-Transe dreht auf im Dschungelcamp

Endlich sind sie wieder da: Die scheinwerfersüchtigen C-Promis, die sich für ein Quentchen Aufmerksamkeit durch Fischreste ziehen lassen und Känguru-Penis-Colada trinken. Zum Start von "Ich bin ein Star holt mich hier raus" hieß es: Ab in den Dschungel. So sehr Super-Transe Lorielle zeterte und heulte – den Ton gab der der "bayerische Balu" an.

Es gibt ja Gestalten, da meint man sie wären dafür geschaffen, sich im Dschungel mit Maden, Kakerlaken und bescheuerten RTL-Ideen auseinander zu setzen. Lorielle London ist so ein Fall. Vor vielen Jahren lief die damals noch auf den Namen Lorenzo hörende Dame dem Sender bei einer Castingshow zu – und lässt seither keine Gelegenheit aus, sich mit ihrem exzentrischen Auftreten lächerlich zu machen. Seit einiger Zeit weiblich – dann aber auch direkt vollweiblich – gibt die Dame mit der roten Mähne in der semi-prominenten Urwaldtruppe sofort den Ton an, lässt keine der klassischen Frauenwaffen ungenutzt. Sie heult, zickt und flirtet – und das alles ziemlich wahllos durcheinander.

Ganz anders Günther Kaufmann. Der bayerische "Balu“ wie Dirk Bach ihn stets nennt, war eigentlich mal ein erfolgreicher Schauspieler, trotzdem lässt er sich jetzt mit dem Kopf in ranzige Fischbrühe tunken und lacht noch dabei. Er ist der erste, der sich den Prüfungen des Dschungels unterziehen muss und – anders als Lorielle – tut er Sonja Zietlow und Dirk Bach dabei nicht den Gefallen, laut zu kreischen oder verzweifelt zu heulen.

Der Koloss lässt sich wieder und wieder in die stinkenden Töpfe tauchen, angelt mit seinen Pranken ganze sechs von zehn Sternen heraus. So heldenhaft er das auch erträgt, so wagemutig gibt er sich im Anschluss: Riesen-Aale hat er an sich vorbeischwimmen sehen, erzählt er den anderen, schlimme Blessuren von den bissigen Ameisen davongetragen. Der Gentleman genießt und schweigt, Kaufmann dagegen erträgt und prahlt.

Womit wohl die beiden Extrempole des neuen Promi-Exilcamps beschrieben wären. Denn alle anderen acht Kandidaten bleiben an diesem ersten Camptag doch recht blass, verstecken sich hinter den schillernden Herdenführern Kaufmann und Loriella.

Ingrid van Bergen, die sich mit 77 Jahren noch mal in den Dschungel traut und als Luxusgegenstand wenig originell eine Haarbürste eingepackt hat – während Lorielle schon nach ein paar Minuten im Urwald nach einer Haarkur kräht. Frau van Bergen schaut sich derlei Gezeter lieber vom Rand aus an – noch machen die Campmitbewohner höflich Platz für die alte Dame.

Auch Model und Schlagerstar-Töchterchen Giulia Siegel verlebt die ersten Stunden im Dschungel erstaunlich ruhig. Hatte sie noch vor der Abreise einen ersten Eklat mit – na wem wohl – Loriella angezettelt, fällt sie außerhalb der Zivilisation nur dadurch auf, dass sie sich von ihren Kameraden auf einem Floß durch den See ziehen lässt, da sie "zwar gut schwimmen“ kann, dummerweise aber Angst vorm Wasser hat.

Vom ehemaligen Glücksrad-Moderator Peter Bond, Christina "Mausi“ Lugner (deren Promi-Status sich wohl traurigerweise auf den Titel "Exfrau“ beschränkt) und Ex-Eiskunstläufer Norbert Schramm ist indes nun wirklich gar nichts zu sehen, auch die Moderatorin und Schauspielerin (von RTL kurz als "Multi-Talent“ zusammengefasst) Gundis Zambo tritt nur wenig in Erscheinung. Immerhin prägt sie in der ersten Sendung einen hochphilosophischen Satz: "Du bist nicht auf dieser Welt, um dich selbst zu vergewaltigen“, erklärt sie der heulenden Loriella.

Bleiben zwei traurige Gestalten, die wenigstens ein bisschen Anlass zur Hoffnung geben, dass Loriella London und Günther Kaufmann von nun an nicht allein für Stimmung im Dschungel sorgen werden. Der eine ist Michael Meziani, ein Daily-Soap-Darsteller, bei dem man sich nun wirklich fragt, was ihn in die Wildnis verschlagen hat. Der Mann hat Familie, war bisher Beamter im Marienhof und schien auch sonst ein solides Leben zu führen – was treibt ihn in eine Wanne voller Blutegel, auf ein Dschungel-Klo, in eine Runde voller frustrierter C-Promis?

Bei Model Nico Schwanz kann man sich das schon eher vorstellen. Wer solch einen Namen trägt, hat nicht viel zu verlieren – ob mit dem Adelstitel "Dschungelkönig“ davor viel zu gewinnen ist, bleibt allerdings auch fraglich. Nico kommt aus Thüringen, was Dirk Bach zu allerlei schlechten Sächsisch-Imitationen verleitet und das Model sofort zum Weichei abstempelt – die mitgebrachte Haarschere gibt dem blonden Schönling wohl den Rest.

Ähnlich wie Loriella wird er wohl schnell zum Zuschauerliebling in Sachen Dschungelprüfung aufsteigen – einen schönen Tarzan sehen sie wohl lieber im Schlamm als einen starken Bären. Jetzt heißt es aber erstmal: Prost, Loriella! Sie ist in der nächsten Folge zur Happy Hour eingeladen – wird das ein Gezeter geben...

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