Missbrauchsvorwurf

Marco Weiss kann auf einen Freispruch hoffen

Fast ein Jahr nach der Freilassung von Marco Weiss aus türkischer Untersuchungshaft ist der Zeitpunkt für ein Urteil in dem Missbrauchsprozess weiter offen. Ein Freispruch rückt jedoch in greifbare Nähe: Dem Gericht liegt ein Gutachten vor, das den Vergewaltigungsvorwurf entkräftet.

Im Missbrauchsprozess gegen den Schüler Marco Weiss aus Uelzen hofft die Verteidigung jetzt auf einen baldigen Freispruch. Eineinhalb Jahre nach Verhandlungsbeginn in Antalya liege dem Gericht nun ein angefordertes Gutachten vor, das den Vorwurf der Vergewaltigung nicht stütze, sagte der deutsche Verteidiger des Schülers, Michael Nagel, am Dienstag in Hannover. Die Mutter des Schülers erklärte, ihr Sohn hoffe „inständig auf einen baldigen Freispruch“.

Laut dem Verteidiger hatte das Gericht das Gutachten beim Rechtmedizinischen Institut des türkischen Justizministeriums angefordert. Bei der Fortsetzung des Prozesses am Mittwoch könne nun die Beweisaufnahme abgeschlossen werden.

Auf Grundlage des Gutachtens wollen die türkischen Verteidiger von Marco Weiss bei Beendigung der Beweisaufnahme auf Freispruch plädieren, wie Nagel sagte. Es stelle fest, „dass der bisherige Ermittlungsstand weder den Vorwurf der Vergewaltigung stützt, noch Feststellungen zu den möglichen seelischen Folgen bei Charlotte zulässt“, betonte der Anwalt. Marco Weiss wird vorgeworfen, Ostern 2007 im Türkeiurlaub die damals 13-jährige Britin Charlotte sexuell missbraucht zu haben.

Gutachten lange erwartet

Mit einem Urteil rechnen die deutschen Verteidiger des Schülers für Mittwoch allerdings noch nicht. Bei einem Abschluss der Beweisaufnahme werde wahrscheinlich für Plädoyers und Urteil ein weiterer Termin angesetzt, sagte Rechtsanwalt Nagel.

Der 18-jährige Schüler war im Dezember vergangenen Jahres nach acht Monaten aus türkischer Untersuchungshaft entlassen worden und reiste danach nicht wieder in die Türkei. Auch für den Mittwoch habe das Gericht in Antalya ein persönliches Erscheinen von Marco nicht angeordnet, sagte der zweite Verteidiger des Schülers, Matthias Waldraff.

Das nach Angaben der Verteidiger nun vorliegende Gutachten hatte das Gericht am vorletzten Verhandlungstag im April in Auftrag gegeben. Anfang Juli wurde der Prozess dann schnell wieder vertagt, weil die Expertise noch nicht vorlag. Begonnen hatte die Gerichtsverhandlung allerdings schon im Juli vergangenen Jahres.

Schüler will in Normalität zurück

Seit seiner Freilassung besucht Marco Weiss in Uelzen eine Fachoberschule. Seine Mutter erklärte, ihr Sohn hoffe „inständig auf einen baldigen Freispruch, damit die Belastung der monatelangen Ungewissheit von ihm abfällt“. Der fortdauernde Prozess hindere ihn an der vollständigen Rückkehr in ein normales Leben. Zudem habe Marcos an Leukämie erkrankter Vater einen gesundheitlichen Rückschlag erlitten und müsse unbedingt einen Knochenmarkspender finden.

Marco Weiss hatte die 13-jährige Charlotte 2007 im Osterurlaub in der Türkei in einer Hoteldisko kennengelernt. Nach seinen Angaben kam es anschließend zum einvernehmlichen Austausch von Zärtlichkeiten. Die Mutter des Mädchens zeigte den damals 17-jährigen allerdings wegen Vergewaltigung ihrer Tochter an. Daraufhin wurde der Schüler von der türkischen Polizei verhaftet.

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