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Der Winter hat Deutschland fest im Griff

Seit heute morgen ist der Winter in Deutschland angekommen: Viele Straßen sind gesperrt, Fußballspiele wurden abgesagt, die Deutsche Bahn wurde in Alarmbereitschaft versetzt, der Duisburger Hauptbahnhof musste geräumt werden. In Hamburg gab es eine ganze Unfallserie und nicht nur Deutschland ist betroffen.

Kaum sind die ersten Flocken gefallen, befindet sich Deutschland im Ausnahmezustand: Das gilt vor allem für die Deutsche Bahn. Nach eigener Auskunft hat sich das Unternehmen auf den Wintereinbruch gut gerüstet: Mehr als 300 Mitarbeiter wurden bundesweit in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, um in kurzer Zeit mögliche Schäden an den Gleisen wie umgestürzte Bäume beseitigen zu können, teilte das Unternehmen mit. Die Winterdienste seien mit zusätzlichem Personal besetzt. Und für Notfälle stünden bereits Buskontingente und zusätzliche Dieselloks bereit.

Wegen eines Sturms wurde der Duisburger Hauptbahnhof geräumt. Dachteile waren von dem starken Wind heruntergeweht worden, wie die Polizei mitteilte. Man habe Gefährdungen für Reisende und den Zugverkehr ausschließen wollen. An zwei Gleisen lief der Zugverkehr nach Angaben der Bahnpolizei noch, staute sich allerdings mit der Zeit immer weiter auf. Mehrere Züge fielen komplett aus.

Kilometerlange Staus und Unfälle

Für Reisende scheint es trotzdem am günstigsten zu sein, auf die Bahn umzusteigen. Autofahrer müssten tagsüber im ganzen Land ab einer Höhe von etwa 500 Metern mit Schnee auf den Fahrbahnen rechnen.

So wurde unter anderem die wichtige Süd-Nord-Verbindung A 5 von Frankfurt am Main in Fahrtrichtung Kassel vollgesperrt. Es bildeten sich kilometerlange Staus. Nach den Ermittlungen hatten umherfliegende Lkw-Teile eine Schilderbrücke über der Autobahn so schwer beschädigt, dass diese aus Gründen der Sicherheit abgebaut werden musste. Eine Windböe hatte gegen 9.15 Uhr Teile des Planenaufbaus eines Sattelzugs gelöst und gegen die Schilderbrücke geschleudert, wie die Polizei mitteilte.

Auch bei Duisburg war die Polizei bis zum Mittag bereits bei knapp 60 Einsätze wegen umgestürzter Bäume und Verkehrszeichen unterwegs, wie ein Sprecher sagte. Über Verletzte war zunächst nichts bekannt. Im Kreis Mettmann registrierte die Polizei innerhalb von einer halben Stunde 30 sturmbedingte Einsätze im gesamten Kreisgebiet. Ein Dach landete komplett auf einem Supermarkt und es bestand die Gefahr, dass es noch weiter fliegen würde, wie ein Sprecher erklärte. Bei den anderen Einsätzen ging es unter anderem um umgestürzte Bäume und Zäune.

Auch in anderen Regionen ist es durch den Sturm gefährlich im Straßenverkehr geworden: In den Alpen sind die meisten Passstraßen wegen der Schneefälle bereits geschlossen worden. Nach Angaben des ADAC sind in der Schweiz derzeit nur noch zwei der 16 Alpenübergänge offen. In Österreich, Italien und Frankreich sehe die Lage ähnlich aus, teilte der Automobilclub mit. Wegen der angekündigten neuen Schneefälle müsse mit der Schließung der noch offenen Bergstrecken jederzeit gerechnet werden.

Heftige Schneeschauer sorgten bereits um Hamburg und in Schleswig-Holstein für Behinderungen im Straßenverkehr. Im Landkreis Harburg südlich von Hamburg gab es eine erste Unfallserie: Die matschige Nassschneedecke führte kurzzeitig zu gefährlicher Glätte auf den Straßen. Viele Autofahrer waren trotz des seit Tagen angekündigten Wintereinbruchs noch mit Sommerreifen unterwegs.

Mehr als 30 Zentimeter Schnee auf der Zugspitze

Meteorologe Andreas Friedrich sagte , das „Spektakuläre ist, dass wir Temperaturstürze von fünf bis zehn Grad innerhalb einer Stunde verzeichnen“. Im Harz schneite es kräftig. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) fielen auf dem Brocken innerhalb von zwölf Stunden 13 Zentimeter Schnee.

Auf den Gipfeln der nördlicheren Mittelgebirge waren um 7 Uhr morgens schon mehr als zehn Zentimeter Schnee gefallen. Auf dem Kahlen Asten im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen wurden 14 Zentimeter und auf der Wasserkuppe in der Rhön 12 Zentimeter gemessen. Auch auf dem Fichtelberg in Sachsen lagen schon 14 Zentimeter.

Absoluten Rekord aber halten die Zugspitze und der Wendelstein in den bayerischen Alpen. Sie waren bereits mit 36 und 35 Zentimetern Schnee bedeckt. Dort beginnt am Sonntag die Skisaison: Angesichts der Neuschneemengen könnten die Lifte in Betrieb genommen werden, teilte die bayerische Zugspitzbahn mit. „Bis jetzt hat es schon mehr als 30 Zentimeter Neuschnee gegeben und wir erwarten noch mehr“, sagte Unternehmenssprecherin Eva-Maria Greimel in Garmisch-Partenkirchen. Sie hoffe, dass der Sturm auf Deutschlands höchstem Berg nicht alles wieder wegblase. Je nach Schneelage sollen alle neun Bahnen und Lifte laufen. Sie können durchschnittlich 12.000 Gäste pro Stunde befördern.

Mit etwa 20 Zentimetern Neuschnee hat auch der Winter auf dem Fichtelberg in Sachsen Einzug gehalten. Am Morgen herrschte auf dem höchsten Berg Ostdeutschlands dichter Flockenwirbel, wie Pitt Vogel, Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst, sagte. Auch die Wintersportler kämen langsam zum Zuge. „Die ersten Verrückten sind schon da“, sagte Vogel. Jedoch zunächst nur Langläufer. Für Abfahrtski müsse der Schnee noch lange liegen.

Wegen des Wintereinbruchs fällt im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge am Samstag sogar ein bayernweit geplanter Ausgleichsschultag aus. Etwa 41.000 Schüler sollen deshalb frei haben. Die angekündigten starken Schneefälle hätten die Behörden zu dieser Vorsichtsmaßnahme bewogen, teilte das Landratsamt mit. Vor allem beim Schulbusverkehr müsste mit Problemen gerechnet werden. Aus anderen Landkreisen wurde zunächst keine Absage des Unterrichts bekannt.

Schneemassen drücken auf die Dächer

Die Schneemassen bergen jedoch auch jede Menge Gefahren: Das Bayerische Innenministerium warnte inzwischen vor zu viel Schnee auf den Häuserdächern. In schneereichen Wintern wie zuletzt vor drei Jahren sei es zu zahlreichen Schäden bis hin zu Dacheinstürzen gekommen, sagte Innenstaatssekretär Bernd Weiß (CSU). Da Hausbesitzer für die Sicherheit ihrer Gebäude selbst verantwortlich seien, sollten sie sich rechtzeitig darüber informieren, wann und wie sie den Schnee von ihrem Dach räumen.

Auch Wanderer werden wegen erhöhter Lawinengefahr in den Bergen gewarnt. „Neuschnee, Wind und warmer Boden liefern eine gefährliche Mixtur für Schneebretter und Lawinen“, sagte der bayerische Umweltminister Markus Söder. Auf dem warmen Boden könnten sie sich schnell selbst auslösen.

Veranstaltungen wurden abgesagt

Wegen des schlechten Wetters fällt auch das Fußball-Regionalligaspiel der Zweitvertretungen des FC Schalke 04 und des 1. FC Köln aus. Wie der Revierclub mitteilte, wurde die für Samstag um 14.00 Uhr angesetzte Partie nach heftigen Regenfällen wegen „Unbespielbarkeit des Platzes“ im Sportpark Wanne-Süd in Herne abgesagt. Ein Nachholtermin stehe noch nicht fest.

Gähnende Leere auch auf Hamburgs Fußball-Plätzen: Alle Partien von der Kreisklasse bis zur Oberliga zwischen Freitag und Sonntag mussten witterungsbedingt abgesagt werden, teilte der Hamburger Fußball-Verband (HFV) mit.

Auch das Bayerische Rote Kreuz (BRK) hat seine für Samstag angesetzte Landesversammlung in Fürth abgesagt. Es sei den 400 Delegierten, die teilweise eine mehrstündige Anreise hätten, nicht zuzumuten, am frühen Morgen noch vor den Räumdiensten aufzubrechen, sagte die Präsidentin des BRK, Christa Prinzessin von Thurn und Taxis. Sie bedauere, dass viele wichtige Themen deshalb nicht besprochen werden könnten; ihre Verantwortung für die BRK-Mitglieder überwiege jedoch. Einen Ersatztermin kündigte das Rote Kreuz für Anfang nächsten Jahres an.

Auch die Schweiz und Österreich sind betroffen

Im Laufe des Tages bis spätestens in die Nacht zum Samstag soll eine Kaltfront ganz Deutschland mit Luft arktischen Ursprungs direkt vom Nordpol überziehen und die Niederschläge bis in die Niederungen in Schnee übergehen lassen. „Es ist nicht so ungewöhnlich, dass es Ende November mal schneit“, sagte Stefan Kreibohm vom Wetterdienst Meteomedia.

Nicht nur Deutschland ist von dem Sturm betroffen: Auch in der Schweiz soll es im Laufe des Tages zu einem Temperatursturz und starken Schneefällen kommen. In höheren Lagen erreichte der Wind teilweise Orkanstärke, wie die staatliche Wetterbehörde MeteoSchweiz mitteilte. Der Höchstwert lag in Böen bei 130 Stundenkilometern.

In Österreich sind durch den Sturm vier Menschen beinahe ums Leben gekommen: Der heftige Sturm hat bei einer Wiener Familie die Abgase ihres Kamins zurück in die Wohnung gedrückt. Zwei Mädchen im Alter von zwei und zehn Jahren sowie ihre Eltern mussten mit Kohlenmonoxidvergiftungen ins Krankenhaus gebracht werden.

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