Urteil

Mutter der Ex-Freundin verprügelt – Bewährung

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Er gab der Mutter seiner ehemaligen Lebensgefährtin die Schuld an der gescheiterten Beziehung. Dafür ließ Andre O. die Mitarbeiterin eines Lebensmittelmarktes qualvoll büßen: Der 23-Jährige stieg in die Wohnung der Frau, schlug wahllos auf sie ein und übergoss sie mit Schnaps. Trotz allem kommt der Schläger mit einer relativ milden Strafe davon.

Er gab der Mutter seiner Ex-Lebensgefährtin die Schuld an der gescheiterten Beziehung. Sie habe das Paar auseinander gebracht und ständig Misstrauen gestreut. Dafür ließ er die Mitarbeiterin eines Lebensmittelmarktes furchtbar büßen. Nachts um 3 Uhr stieg Andre O. (23) in die Wohnung von Gabriela P. im ersten Stock einer Reihenhaussiedlung in Wilhelmsburg ein und schlug mit einem Schlagstock wahllos auf sein Opfer ein. Er verwüstete die Wohnung und übergoss die Frau mit Whisky und Bommerlunder. Sie hatte Angst, bei lebendigem Leibe verbrannt zu werden.

Vor dem Amtsgericht fand am Dienstag die Gerichtsverhandlung gegen Andre O. statt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gefährliche Körperverletzung und einen Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz vor. Bei der Brutalität des Vergehens wäre eine Verhandlung vor dem Landgericht durchaus denkbar gewesen, so der Staatsanwalt.


Fünf Tage vor der blutigen Gewalttat hatte der leicht aufbrausende Deutsch-Portugiese im Streit um das Besuchsrecht für den gemeinsamen Sohn Taylor seine Ex-Freundin mit einem Messer bedroht. Deswegen hatte ihm das Amtsgericht untersagt, sich näher als 50 Meter der Mutter seines Kindes zu nähern. Eigentlich wollte der Lagerarbeiter am Tag der Tat nur seine Ex-Freundin dazu bewegen, aus der Wohnung der Mutter auszuziehen. Sie sollte zu ihm zurückkehren.


Über ein Regenrohr hatte sich der abgelehnte Schwiegersohn auf den Balkon gehangelt. Als eine S-Bahn vorbeirauschte, schlug er die auf den Balkon führende Glastür ein. Warum er dann so ausrastete und die ihm entgegenkommende Mutter seiner Freundin so schwer verletzte, konnte Andre O. sich selbst nicht erklären. Ein Polizist, der später die Wohnung inspizierte: „Ich habe noch nie eine solche Verwüstung und so viel Blut gesehen.“

Die Qualen der Frau dauerte etwa zehn Minuten. Dann erschien, durch die Schreie ihrer Mutter aufgeweckt, Alexandra P. mit ihrem zweijährigen Sohn auf dem Arm. Sie konnte auf den Flur entkommen und Nachbarn alarmieren.

Das relativ milde Urteil für den brutalen Schläger: Ein Jahr und zehn Monate Gefängnis, zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss Andre O. an Gabriela P., die noch immer arbeitsunfähig ist, ein Schmerzensgeld zahlen. Dessen Höhe wird von einem Zivilgericht festgelegt. Der verständnisvolle Richter: „Es hat sich eine Familientragödie abgespielt. Die Trennung von der langjährigen Freundin und die Angst, seinen Sohn nicht mehr zu sehen, haben den jungen Mann aus der Bahn geworfen.“

( je )