USA

Sektenführer verheiratete 14-Jährige mit ihrem Cousin

Ein Gericht im US-Staat Utah hat Sektenanführer Warren Jeffs wegen Beihilfe zur Vergewaltigung verurteilt. Es soll einer 14-Jährigen befohlen habe, ihren Cousin zu heiraten und Sex mit ihm zu haben. Der gesamte Prozess gegen Jeffs war allerdings kein einfaches Verfahren.

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Der 51 Jahre alte Warren Jeffs, "Präsident, Prophet, Seher und Künder“ der Fundamentalistischen Kirche der Heiligen der Letzten Tage, ist von einer Jury im Staat Utah der Beihilfe zur Vergewaltigung einer Minderjährigen schuldig befunden worden.

Ihm wurde vorgeworfen, 2001 die seinerzeit 14 Jahre alte Elissa Wall gegen ihren Willen zum Vollzug der Ehe mit einem damals 19 Jahre alten Cousin gezwungen zu haben. Walls Stiefvater war ein Berater im Führungskreis der Sekte. Die Ehe wurde nach drei Jahren geschieden. Jeffs droht im Höchstfall die lebenslange Haft. Das FBI hatte ihn im Mai 2006 auf die Liste der meistgesuchten Personen gesetzt. Im November wurde er in Nevada verhaftet.

Jeffs’ Sekte ist eine Abspaltung der Mormonen, die vor 1890 die polygame Ehe als Gottes Willen auffassten, sich in jenem Jahr aber von der Praxis lossagten. Jeffs’ Fundamentalisten glauben nach wie vor, dass arrangierte Ehen der Wahrung gottgewollter Blutslinien dienten.

Jeffs trat die 2002 die Nachfolge seines Vaters als Sektenführer an. Rulon Jeffs hatte mehrere Dutzend Ehefrauen, bei denen es sich oft um nahe Verwandte gehandelt haben soll und deren Ehe sein Sohn angeblich mit Ausnahme zweier von ihnen fortführte. Jeffs’ Gefolgschaft lebt im Süden Utahs und im angrenzenden Arizona.

Ihre Zahl wird auf grob zehntausend Personen geschätzt. Als Beispiel für den lokalen Einfluss der Sekte wird zitiert, dass die Zahl der Schüler in öffentlichen Schulen der Stadt Colorado City/Arizona von 1250 auf 250 sank, nachdem Jeffs ein Verbot erließ, diese Schulen zu besuchen.

Der Prozess gegen Warren Jeffs war ein keineswegs einfaches Verfahren, denn er berührte das Thema der Religionsfreiheit und staatlicher Eingriffe in den Vollzug einer Religion. Das ist in den USA ein heikles Unterfangen, zumal in einem derart von einer religiösen Sonderform geprägten Staat wie Utah. Die Definition der Glaubensfreiheit geht in den USA sehr viel weiter als in dem von Restspuren absolutistischer staatlicher Verfügungshoheit ebenso wie vom dominierenden Einfluss der katholischen und protestantischen Kirche geprägten Europa.

Die Jury war eine Zeit lang entscheidungsunfähig

Die drei Anwälte Jeffs’, unter ihnen eine Frau, machten sofort geltend, dass die Justiz sich in einen Ritus und in die Auslegung von Dogmen einmische. Zudem habe die Klägerin Elissa Wall (deren Nachname heute anders lautet) zum Zeitpunkt ihrer Ehe nie den Vorwurf der Vergewaltigung erhoben. Der sei erst nach Beratung mit ihrem eigenen Anwalt in den Aussagen aufgetaucht. Elissa Wall wiederum ließ durchaus erkennen, dass sie sich mit dem Scheitern der Ehe nicht minder schwer tat wie mit deren Arrangierung. Die Sekte hatte ihr den Glauben eingeimpft, ein Scheitern der gottgewollten Ehe bedeute die Versagung der Erlösung, und die jugendliche Elissa Wall nahm das anscheinend durchaus zum Nennwert.

Die Jury war eine Zeit lang entscheidungsunfähig, weil ein Mitglied anscheinend solche Fragen abwog, besonders mit Blick auf eine staatliche Reglementierung des Ritus und der Dogmen, und sich außerstande zu einem Urteil sah, obwohl dieses Mitglied den Vorwurf der Vergewaltigung durchaus teilte. Der Schuldspruch der Jury fiel, nachdem die zögernde Person die Jury verlassen hatte.

Bei solchen Prozessen schwingt auch stets die Erinnerung an das militärische Vorgehen der Bundesgewalt gegen die Davidianer in Waco/Texas Anfang 1993 mit. Dort handelte es sich um eine Abspaltung von den

Siebenten-Tags-Adventisten um einen "Propheten“ namens David Koresh, der deklarierte, alle Frauen seiner Gefolgsleute dürften nur noch mit ihm die Ehe vollziehen. Auch gegen Koresh wurden Vorwürfe der Zwangs- und der Kindsehe erhoben. Er hatte die Regierung der USA als religiösen Feind definiert und Waffen zu horten begonnen. Beim Sturm auf seine Ranch starben 79 Menschen.

Gegen Warren Jeffs sind weitere Verfahren wegen Sodomie anhängig. Ein Neffe verklagte ihn wegen Kindesmissbrauchs an ihm im damaligen Alter von fünf und sechs Jahren. Zwei weitere Neffen erheben ähnliche Vorwürfe. Ein weiterer Neffe soll sich wegen solchen Missbrauchs das Leben genommen haben. Ein Urteil in dem Prozess steht noch aus. Regionale Medien zitierten nach dem Urteil mehrere Anhänger Jeffs’, die sich entschlossen zeigten, nun erst recht zu ihrem "Propheten und Seher“ zu stehen.