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Der kochende Mann ist ein Aphrodisiakum

Verkehrte Welt - 60 Prozent der Männer können heute ein Mahl zubereiten und machen dies auch mit Leidenschaft. Sie schaffen es sogar, die Küche danach nicht wie ein Schlachtfeld zu hinterlassen. Frauen um die 30 üben sich dagegen in Kochverweigerung.

Foto: jmt/nid / DDP

Wenn Männer nicht kochen können, ist das bei Frauen etwa so beliebt, als würden sie zugeben, nie einen Roman gelesen zu haben. Niemand lässt sich heute auf so einen Faux Pas beim Rendezvous ein. Aber auch sonst nicht. Was bei Großmutter noch ins alte Rollenbild gehörte ist passé. Frau steht nicht mehr am Herd, dafür nun Mann umso mehr.

Die Zeiten, in denen die meisten Männer nicht kochen konnten, liegen weit zurück. 60 Prozent der Männer können heute ein Mahl zubereiten. Und das heißt nicht nur, ein Ei in die Pfanne schlagen. Kochsendungen wie die von Tim Mälzer sind nicht nur bei Frauen beliebt. Längst heißen Bücher, „Warum Männer nichts anbrennen lassen“, „Männer kochen, Frauen genießen“ oder eitel „Männer kochen besser“.

Zwar wird das Essen in den meisten Haushalten immer noch von den Frauen zubereitet, aber die Anzahl der Männer, die sogar „leidenschaftlich gern“ kochen, manchmal nicht mehr ansprechbar sind, wenn sie Pinienkerne in der Pfanne schwenken oder Filet mit Wein abschrecken, steigt. Nicht unbedingt „leidenschaftlich“, aber immerhin „gern“ kochen 60 Prozent der Frauen, Männer zu 23 Prozent.

Ein gutes Viertel der Frauen guckt den Männern lieber zu oder beschäftigt sich mit anderen Dingen. Dabei haben 30-jährige Frauen nach einer aktuellen Allensbach-Untersuchung heutzutage die geringste Lust am Kochen. Immer gilt noch bei vielen das Argument: Wenn ich als Frau kochen kann, dann strengt Mann sich nicht mehr an. Nicht-Kochen können gilt dann manchmal sogar als Privileg. Selbst der „Rockstar am Herd“, der britische Starkoch Jamie Oliver, vermeidet, dass seine Frau für ihn kocht, wenn er zu Hause ist.

Ihre Kochverweigerung haben die Frauen um die 30 mit älteren Männern ab 60 aufwärts gemeinsam. Die meisten aus dieser Altersgruppe, immerhin 53 Prozent, haben noch nie gekocht. Während es bei den älteren nicht mehr ganz so ins Gewicht fällt, ob sie ab und zu ein Paul-Bocuse-Kochbuch zu rate ziehen oder nicht, kommen die jüngeren Männer heute nicht mehr so ungeschoren davon. Im Koch-Chat schreibt eine Userin über ihren Mann:

„Er lässt noch den Fleischkäse in der Pfanne anbrennen. Meinen Vorschlag, doch immer mal wieder gemeinsam mit mir etwas zu kochen, lehnt er ab. Bin froh, dass mein Sohn und mein Schwiegersohn kochen können. Freue mich immer, wenn mir die beiden an Feiertagen in der Küche helfen. Ich finde es schade, wenn ein Mann nicht mal Nudeln und Soße hinbekommt.“

Ein Mann, der darüber referieren kann, was ein gutes Quarksoufflée ausmacht, punktet mehr, als ein Mann, der ins Restaurant einlädt. Das Gespür für Speisen ist ausschlaggebend, man könnte sonst Rückschlüsse auf mangelnde Sinnlichkeit auch in anderen Bereichen ziehen. Die Kunst liegt darin, wie man mit Gefühl und nicht nach Rezept Gerichte zubereiten kann.

Nach der Studie halten die meisten Befragten solche Menschen für die besseren Köche, die „freihändig“ kochen, also ohne Rezept. Diese Eigenschaft bewundern 43 Prozent der Befragten. Nur elf Prozent finden es besser, sich beim Kochen streng an die Vorgaben zu halten. Die meisten Hobbyköche kochen dann auch am liebsten ohne Rezepte. Männer zu 54 Prozent. Frauen sind da ängstlicher: Sie nur zu 45 Prozent.

Dass kochende Männer ein Aphrodisiakum für Frauen sind, wissen Alt-Gastronomen wie „Küchen-Karajan“ Paul Bocuse seit Jahrzehnten. Der Star der französischen Meisterköche und Wegbereiter der „Nouvelle Cuisine“ lebt mit seiner Ehefrau und unterhält zwei weitere Haushalte mit seinen zwei Liebschaften. Er hat eine Herzoperation hinter sich und wird im nächsten Monat 82 Jahre alt – lange kein Grund, sich von ihm zu trennen