Kindesmissbrauch

Eltern sollen Tochter für Sexspiele verliehen haben

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Vor dem Berliner Landgericht wird in dieser Woche gleich fünf Mal der sexuelle Missbrauch von Kindern verhandelt. In den Verfahren geht es um Perversionen der widerwärtigsten Art. So wird einem Ehepaar vorgeworfen, seine achtjährige Tochter regelmäßig an einen Bekannten "verliehen" zu haben.

Erst in der vergangenen Woche wurden gleich zwei Fälle von sexuellem Missbauch bekannt, darunter der eines Erziehers in einem Marzahner Kinderheim. Seit zwei Wochen steht in Moabit ein 60-Jähriger vor Gericht, der seinen eigenen Sohn bereits im Säuglingsalter sexuell missbraucht haben soll.

Und in dieser Woche werden am Landgericht gleich vier weitere Prozesse verhandelt, in denen es teilweise um sexuelle Perversionen der widerwärtigsten Art geht.

In dem Fall, der seinerzeit größtes Aufsehen erregte, müssen sich seit heute das Ehepaar Günter (53) und Petra K. (49) aus Marzahn und der seit Oktober vom Dienst suspendierte Polizeikommissar Valerij M. (52) vor einer großen Strafkammer verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den Eheleuten vor, ihre damals achtjährige Tochter ab April 2004 regelmäßig an den Angeklagten M. "verliehen" zu haben. M. habe sich, so die Anklage, mehrfach an dem Mädchen vergangen und darüber hinaus Pornofotos von dem Kind angefertigt, die er dann ins Internet stellte. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat Günter K. seine Tochter dem Mitangeklagten nicht nur zur Verfügung gestellt, sondern sie ebenfalls missbraucht, gemeinsam mit dem suspendierten Polizisten.


In einigen Fällen haben sich die beiden Männer offenbar nicht nur an der Tochter von K. vergangen, sondern auch an einer gleichaltrigen Freundin. Die Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) stellten Fotos sicher, die die beiden Männer nackt auf einem Bett zeigen, gemeinsam mit den verkleideten und geschminkten Mädchen. Knapp drei Jahre sollen die Männer in der Wohnung der Familie K. am Blumberger Damm in Marzahn ihren pädophilen Neigungen nachgegangen sein, im Prozess geht es um rund 80 Missbrauchstaten. Dann zeigte die Mutter des Mädchens, Petra K., ihren Mann und dessen Komplizen an.

Nach intensiven Ermittlungen des LKA klickten im April dieses Jahres bei beiden Männern die Handschellen. Die Rolle von Petra K. in dem Fall ist noch nicht gänzlich geklärt. Die 49-Jährige selbst gab bei einer ihrer Vernehmungen an, sie habe sich sofort von ihrem Mann getrennt und sei gemeinsam mit ihrer Tochter ausgezogen, als sie die sexuellen Übergriffe bemerkte. Darüber hinaus kritisierte Petra K., dass ihr Mann seine Tochter trotz der bekannten Vorwürfe weiter sehen durfte, dies habe das zuständige Jugendamt verfügt. Auch Petra K. muss heute auf der Anklagebank Platz nehmen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den sexuellen Missbrauch geduldet zu haben. Das Gericht hat drei Verhandlungstage bis zum 3. September vorgesehen.

Angeklagter bestreitet die Tat

Neben dem Trio aus Marzahn stehen ab dieser Woche noch zwei Berliner vor Gericht, denen die Staatsanwaltschaft unter anderem schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vorwirft. Bereits am Montag begann der Prozess gegen einen 44-Jährigen aus Kreuzberg. Der Mann soll im März auf einem Hinterhof einen sechsjährigen Jungen angesprochen und in seine Wohnung gelockt haben, um sich dort an dem Kind zu vergehen.

Der Anklage zufolge soll der 44-jährige Atilla T. den Nachbarsjungen zuvor auf dem zum Haus gehörenden Spielplatz angesprochen, ihn dann in seine im dritten Stock gelegene Wohnung mitgenommen und dort sexuell missbraucht haben.

Atilla T. bestritt das. Angeblich habe er den kleinen Jungen und dessen Eltern, die im gleichen Haus wohnten, noch nie gesehen.

Den eigenen Sohn missbraucht

Dass Sexualtäter auch nicht davor zurückschrecken, sich an eigenen Kindern zu vergreifen, zeigt in erschreckender Deutlichkeit der Fall Hans-Jürgen R. Der 60-Jährige aus Wedding steht bereits seit zwei Wochen vor Gericht, weil er seinen heute 19 Jahre alten Sohn sexuell missbraucht haben soll, der zu Beginn gerade einmal vier Monate alt war. R. saß bereits in Haft, weil er auch seine Stieftochter im Kindesalter missbraucht hatte.

Die auffällige Häufung derzeit anstehender Verfahren lässt trotzdem kaum Rückschlüsse auf die aktuelle Entwicklung beim Delikt Sexueller Missbrauch von Kindern zu. Gerade solche Taten werden oft erst nach Jahren bekannt, zudem geht man auch von einer hohen Dunkelziffer aus. Aktuell verzeichnet die Polizei in Berlin sogar einen Rückgang. 2007 wurden 591 Fälle bekannt, knapp acht Prozent weniger als im Vorjahr.

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