Justiz

Star-Anwalt Rolf Bossi fordert Todesstrafe

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Foto: picture-alliance / Sven Simon

Nachrichten über Todesurteile und Hinrichtungen erreichen uns häufig aus China, Iran und den Vereinigten Staaten. Jetzt hat sich der prominente Strafverteidiger Rolf Bossi für die Einführung der Todesstrafe in Deutschland ausgesprochen. Und einen konkreten Grund dafür genannt.

Für Täter, die unter einem „sadistisch-perversen Tötungsimpuls“ leiden, die also nicht therapierbar seien, „sollten wir die Todesstrafe einführen“, sagte Star-Anwalt Bossi dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Ein bloßes Einsperren bewirke keine Einsichten bei diesen Menschen, die eine Gefahr für die Gesellschaft darstellten.

„Sterben muss jeder. Dann kann man diese Menschen auch gleich erlösen“, erklärte Bossi. Zu dieser Einsicht habe ihn sein spät entdeckter christlicher Glaube geführt. Die Schöpfung verpflichte den Menschen, „das Beste aus ihrem Leben zu machen.“

Bossi wird am 10. September 85 Jahre alt. Er tritt immer noch vor Gericht auf. Seine Münchner Kanzlei führte viele spektakuläre Strafprozesse in Deutschland. Zu seinen bisherigen Mandanten zählen unter anderem Prominente wie Romy Schneider und Ingrid van Bergen, aber auch der Kindermörder Jürgen Bartsch.

Das letzte Todesurteil auf deutschem Boden wurde 1981 vollstreckt – in der DDR, am geflüchteten Stasi-Offizier Werner Teske. 1987 schaffte die DDR die Todesstrafe ab. In der Bundesrepublik war seit Inkraftsetzen des Grundgesetzes die Todesstrafe verboten. Die Alliierten richteten allerdings noch bis 1951 verurteilte deutsche Kriegsverbrecher hin.

Die jüngsten Meldungen über Hinrichtungen bzw. Todesurteile erreichten uns in dieser Woche aus China und Amerika. So wurde ein Mitglied der durch einen Ausbruch aus einem Hochsicherheitsgefängnis bekannt gewordenen Häftlingsbande „Texas Seven“ in den USA hingerichtet. Der 45-jährige Michael Rodriguez erhielt am Donnerstagabend im Gefängnis von Huntsville eine Giftspritze. Er gehörte zu sieben Häftlingen, denen im Jahr 2000 spektakulär die Flucht aus einem Hochsicherheitstrakt im Bundesstaat Texas gelungen war. Die Bande war mehr als einen Monat auf der Flucht und verübte mehrere Raubüberfälle. Bei einem wurde ein 29-jähriger Polizist erschossen.

Rodriguez, der ursprünglich eine lebenslange Haftstrafe absitzen sollte, wurde wegen Beteiligung an diesem Mord zum Tode verurteilt. Er ist der erste der Bande, der hingerichtet wurde. Weitere fünf Mitglieder sitzen noch in Haft, eines beging Selbstmord. Rodriguez hatte nach Behördenangaben auf weitere Berufungsverfahren verzichtet, damit die Todesstrafe vollstreckt werden konnte. Vor der Hinrichtung entschuldigte er sich für seine Taten.

Im Rahmen großangelegter Ermittlungen gegen mutmaßlich korrupte Stadtbeamte in Shanghai wurde ein hoher Beamter am Donnerstag zum Tode verurteilt. Yin Guoyuan habe Schmiergelder in Höhe von umgerechnet mindestens dreieinhalb Millionen Euro entgegengenommen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf ein Gericht in der chinesischen Wirtschaftsmetropole. Yin soll die Schmiergelder als stellvertretender Leiter der städtischen Wohnungsbehörde für Begünstigungen bei der Landverteilung an Immobilienunternehmer kassiert haben. Für die Todesstrafe gilt ein zweijähriger Aufschub; dies hat zumeist eine Umwandlung in eine lebenslängliche Haftstrafe zur Folge.

Yins Verurteilung ist Teil einer Reihe von Ermittlungen in Korruptionsfällen, in die hohe Beamte der Shanghaier Behörden verstrickt sein sollen. Einige führende Politiker und Industrieunternehmer der chinesischen Wirtschaftsmetropole wurden bereits verurteilt, so auch der dortige Vorsitzende der kommunistischen Partei, Chen Liangyu.

( AFP/AP/omi )