Mehrere Tote

Europa ächzt unter den Wetter-Extremen

Schwere Unwetter haben in Mitteleuropa mindestens zehn Menschenleben gefordert, Dutzende wurden verletzt. Drei Tote gab es in Polen, in den italienischen Alpen kamen zwei Männer ums Leben und in Österreich wurde eine Frau während eines Hagelsturms von einem Baum erschlagen.

Foto: dpa / DPA

In Polen war die Region Schlesien am schlimmsten betroffen. In der Nähe des Wallfahrtsortes Czestochowa (Tschenstochau) wurde ein Mann von einem Baum getötet, der auf sein Ferienhaus stürzte, wie polnische Medien berichteten. Eine Frau in Rusinowice wurde in ihrem Haus von einer einstürzenden Decke erschlagen. Im Bezirk Lodz erlitt eine weitere Frau einen tödlichen Stromschlag, nachdem der Sturm eine Leitung herabgerissen hatte. In der Westslowakei wurden in der Nacht zum Samstag zwei 17 und 18 Jahre alte Jugendliche bei einem Unwetter während eines Musikfestivals von einem Baum erschlagen. Eine 18-Jährige wurde schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei hatte das plötzlich hereingebrochene Unwetter mehrere Bäume in einem Zeltlager der Festivalbesucher am Rande der Stadt Jaslovske Bohunice umgerissen. Ein Baum stürzte direkt auf eines der Zelte und tötete die beiden jungen Männer. Das Festival wurde vorzeitig abgebrochen.

Auch nicht besser zeichnet sich die Lage in Oberitalien. Ein Bergführer fand am Samstag am Berg Monte Rosa in einer Höhe von etwa 4.000 Metern die Leichen zweier Männer. Nach Behördenangaben handelt es sich bei den Toten um einen Niederländer und einen Briten, die offenbar während eines schweren Unwetters am Freitag erfroren. Die beiden Kletterer seien am Freitag trotz Unwetterwarnung zu ihrer Klettertour aufgebrochen, erklärten Mitglieder der Bergwacht dem Sender Sky TG24 TV.

Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten

Nahe der Stadt Turin traf ein Blitz einen zehnjährigen Jungen tödlich, in Genua ertrank ein 37-jähriger Italiener, der von den hohen Wellen des Mittelmeeres erfasst wurde. In Nordostitalien musste eine Gruppe von 20 deutschen und österreichischen Touristen in der Nacht zum Samstag vor Hochwasser in Sicherheit gebracht werden. Wie die Feuerwehr berichtete, wurden mehrere Schlauchboote und Helikopter eingesetzt, um die Gruppe junger Camper vor den Fluten zu retten. Während ein Unwetter über Norditalien zog, hatten die Touristen trotz Warnungen des Zivilschutzes am Ufer des Tagliamento bei Pordenone ausgeharrt und sich vor dem steigenden Wasser auf eine kleine Insel zurückgezogen. Derweil riss die Flut Zelte und Autos mit sich.

In Österreich, genauer gesagt in der Steiermark, wurde eine 41-jährige Frau vor den Augen ihres Mannes und ihrer Tochter von einem umstürzenden Baum getötet, nachdem die Familie dort Schutz vor einem Hagelsturm gesucht hatte, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA meldete. In der Nacht auf Samstag war die obersteirische Gemeinde Johnsbach nach einem Murenabgang vorübergehend nicht erreichbar, in der Oststeiermark brannten vermutlich nach Blitzeinschlägen zwei Häuser nieder.

Unberechenbare Wetterextreme

Drei Bergsteiger aus Sachsen und Bayern waren außerdem in Oberösterreich am Freitag bei einem schweren Unwetter während der Besteigung des Großen Priel von einem Blitz getroffen und verletzt worden. Nach Angaben eines Polizeisprechers vom Samstag waren die drei Alpinisten aus Dresden und Garching am Morgen aufgebrochen, mussten aber wegen völliger Erschöpfung eines der Bergsteiger nach etwa einem Drittel der Strecke die Tour abbrechen. Ein heraufziehendes Gewitter stoppte jedoch den Abstieg. Die Männer blieben in einer sogenannten Notfallbox, wo sie kurz danach vom Blitz getroffen wurden. Alle drei erlitten Verbrennungen.

Auf der anderen Seite wurden in Bulgarien durch die anhaltende Hitze 450 Hektar Wald sowie Walnuss- und Mandelbäume vernichtet. Das Feuer bei Swilengrad im Südosten des Balkanlandes wütete auch am Sonntag, berichteten bulgarische Medien. Heftiger Wind und das schwer zugängliche Terrain erschwerten die Arbeit der Feuerwehr. Auch Soldaten und Helfer des Bürgerschutzes waren im Einsatz. Im Osten von Warna vernichtete ein Brand 20 Hektar Wald. In der vergangenen Woche hatte die Feuerwehr nach eigenen Angaben 700 Brände gelöscht, die durch die hohen Temperaturen um 35 Grad sowie Fahrlässigkeit verursacht worden waren.