Schulzeit

So viele Klassentreffen wie noch nie

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Lars-Broder Keil

Foto: mam_cu / dpa

Fünf Jahre sind schon wieder um? Wie die Zeit rast. Mitunter arten Klassentreffen zur Leistungsschau aus. Fällt die Lebensbilanz durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit negativ aus, verleidet dies oft die Teilnahme. Dennoch: Noch nie gab es auf der Suche nach vertrauter Gemeinschaft so viele Klassentreffen wie heute.

Was, fünf Jahre sind schon wieder um? Wie die Zeit rast. Und kaum einer scheint sich seitdem verändert zu haben. Sabine prahlt wieder damit, wie begabt ihre Kinder seien. Raiko muss immer noch auf jede ernsthafte Frage mit einer flapsigen Bemerkung antworten. Katrin, aus Süddeutschland angereist, klagt wieder als Erstes über den öden Heimatort - am Ende des Abends wird sie zugeben, vor dem Klassentreffen bewusst den alten Schulweg gelaufen zu sein.

Das traditionelle Klassentreffen ist aktuell wie nie. Das mag zum einen an neuen technischen Möglichkeiten liegen, die alten Mitschüler aufzuspüren. So bietet das Internetportal StayFriends seit 2002 ein Netzwerk für die Suche an. Über 10 000 Treffen in einem Monat hat Daniel Haidn von StayFriends bislang in diesem Sommer gezählt. Er führt das wachsende Bedürfnis nach dem "heimeligen Nest" der Schulzeit aber auch auf das zunehmende Unbehagen zurück, das viele in Zeiten rasanter Veränderungen beschleiche.

"Kaum jemand lässt deshalb die Einladung zu einem Klassentreffen kalt", meint die Soziologin Sabine Maschke und spricht von einem biografischen Ausnahmezustand, einem Moment großer Emotionalität. Man habe gemeinsam die prägenden Jahre des Lebens verbracht, das wecke das Interesse, den Vergleich mit ehemaligen Schulfreunden zu suchen. Unweigerlich stellten sich alle dabei die Frage, ob sie das erreicht hätten, was sie damals anstrebten.

Mitunter arten Klassentreffen zur Leistungsschau aus; und fällt die Lebensbilanz durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit negativ aus, verleide dies oft die Teilnahme. Meistens jedoch überwögen Neugierde und der Wunsch nach einer vertrauten Gemeinschaft. Je länger der Schulabschluss zurückliegt, desto unwichtiger werden Karrieregespräche. Häufiger gehe es um Privates und darum, "was man der Nachwelt hinterlässt".

Deshalb rät die Soziologin, an den Treffen festzuhalten - als Form des sozialen kollektiven Gedächtnisses und "um den roten Faden in unserem Leben nicht zu verlieren".

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