Film: What a Man

Pony oder Hengst

Schauspieler, die Filme produzieren, sind klug. Sie haben mehr Einfluss. Schauspieler, die Regie führen, sind eitel. Sie wollen sich nur selbst inszenieren. Schauspieler, die Drehbücher schreiben, sind schwierig. Sie müssen immer das letzte Wort haben.

Schauspieler, die alles in Personalunion stemmen, sind egoman. Sie müssen alles selber machen. Nun gesellt sich auch Matthias Schweighöfer in diese Ego-Runde. Wenn wir den Begriff Star auf die einfachste Definition verknappen, dass man bei ihnen blind ins Kino läuft, dann haben wir eigentlich nur drei: Til Schweiger, Bully Herbig - und eben Schweighöfer. Und es ist vielleicht kein Zufall, dass jetzt alle drei ihre Filme fast im Alleingang wuppen.

Schweighöfer nutzt seine Solonummer indes für einen seiner persönlichsten Filme. In dem er sich, und das macht sein Debüt so interessant, munter über sich selber lustig macht. In "What a Man" hinterfragt er die eigene Männlichkeit. Alex, sein Alter Ego, ist Grundschullehrer und, wie er glaubt, ein großer Frauenversteher. Seine zickige und übel gelaunte Freundin (Mavie Hörbiger) steht aber, wie er entdecken muss, doch mehr auf die harten Kerle. Und einer davon wohnt direkt über ihnen. In "Keinohrhase" war Schweighöfer der Buddy von Til Schweiger, und irgendwie wäre der Macho von oben genau Schweigers Part gewesen. Der wird indes von Thomas Kretschmann gespielt - auch so ein viriles Kraftpaket.

Alex gerät in eine existenzielle Krise. Er muss sich fragen, ob er mit seiner verständnisvollen Art nicht doch falsch gewickelt ist. Was aber ist männlich? Er wendet sich, wie das in Komödien so läuft, an den falschesten aller Berater, seinen Freund Okke (Elyas M'Barek). Der überredet ihn, die nächstbesten Frauen mit miesesten Sprüchen anzumachen. Zwingt ihn in peinlichem Rap-Outfit auf Partys. Und schickt ihn zu einem Selbstfindungskurs in den Wald, wo Alex zum echten Mann gemacht werden soll und erst mal die Axt schwingt. Aber all das bringt ihn nicht weiter. Und weil für seine Schüler am Anfang schon simplifizierend zwischen Hengst und Pony unterschieden wird, ist bald klar: Dieser Alex bleibt ein Pony.

Wie bei so vielen Romcoms, wie romantischen Komödien gern abgekürzt werden, weiß der Zuschauer schon bald, welcher Deckel am besten auf den Topf passt. Nur Alex weiß es noch nicht: seine beste Freundin Nele (Sibel Kekilli), bei der er vorübergehend einzieht, um Abstand von seiner Ex zu kriegen.

Schweighöfer hat für sein Regiedebüt all seine Freunde und Weggefährten um sich geschart, und alle kamen selbst für kleinste Auftritte. Sibel Kekilli zählte noch nicht dazu, aber auch die Chemie mit ihr stimmt hervorragend. Kekilli empfiehlt sich hier nachweislich als Komödiendarstellerin. Und Schweighöfer als so souveräner wie augenzwinkernder Regisseur. Von so viel Mut zur Selbstironie könnte sich auch Til Schweiger noch eine gute Scheibe abschneiden.

Komödie: Deutschland 2011, 95 Min., von und mit Matthias Schweighöfer sowie Sibel Kekilli, Mavie Hörbiger

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