Film

Bei der Laterne woll'n wir stehn: der Comicfilm "Green Lantern"

Er gehört eher zur zweiten Garnitur Superhelden. Vor allem hierzulande sind Comicfans nie so richtig warm geworden mit Hal Jordan, dem draufgängerischen Testpiloten, der von einer außerirdischen Eliteeinheit grüner Männchen auserkoren wurde, als "Green Lantern" die Welt zu retten.

Doch mit Comicverfilmungen lässt sich im Idealfall noch immer ein veritabler Kinohit landen und so wurden nun auch seine Abenteuer adaptiert. Mit wenig begeisterndem Ergebnis, denn vieles wirkt wie ein Sammelsurium bekannter Versatzstücke: Ein junger Mann mit Identitätsproblemen wird unvermittelt zum Superhelden und stellt sich nach anfänglichem Zögern schließlich der Verantwortung im Kampf für das Gute.

Sein Freund aus Kindheitstagen dagegen fühlt sich von der dunklen Seite der Macht angezogen. Und auch die Symbole sind austauschbar. Wie bei den Hobbits und weit früher bei den Nibelungen, ist es ein Ring, der seinem Träger Macht verleiht - in diesem Fall kombiniert mit einer Laterne, an der aufgetankt wird.

Grün ist dabei die Farbe von Willen und Mut, Gelb die der Angst und des Bösen. Überhaupt wimmelt es von pop-philosophischen Anspielungen, mit der die simple Jungsfantasie aufgepeppt werden soll: hier ein bisschen Übermenschentum à la Nietzsche, dort ein Batzen christlicher Erlösermythos.

Regisseur Martin Campbell und Drehbuchautor Greg Berlanti brauchen eine gefühlte Ewigkeit, diesen Mythos aufzudröseln, und so kommt vor allem in der ersten Hälfte kaum Schwung in das Heldenepos. Doch gerade an dem Anspruch der Grundidee des Comics, sich als "Green Lantern" durch puren Willen alles vorstellen und damit materialisieren zu können, scheitert letztlich der Film.

Die 3D-Effekte wirken protzig; originell oder gar beeindruckend sind sie nicht. Das ferne Reich der Wächter des Universums wirkt seltsam künstlich, die Waffen, die sich Hal im Kampf gegen das krakenartige Angstmonster ausdenkt, eher fantasielos.

Und einen weiteren Schwachpunkt hat dieser Superheld: Wie viele seiner Comic-Kollegen hat er als Mensch mit Fehlern zu kämpfen und ist in den eigenen Augen und denen der Gesellschaft eher ein unzuverlässiger Draufgänger als strahlender Held. Doch anders als etwa bei Spider-Man oder Batman fehlt bei Hal Jordan einfach die Fallhöhe, trotz tollkühner Flugabenteuer als Testpilot. Auch Campbell interessiert sich nicht für seinen Helden und begnügt sich damit, statt eines komplexen Charakters eine simple Comicfigur auf die Leinwand zu bannen. Das limitierte Schauspielpotenzial des Hauptdarstellers Ryan Reynolds rettet da auch nichts mehr.

In den USA ging damit der Plan einer neuen Comicserie nicht auf: Mit 110 Millionen Dollar Einspielergebnis bei doppelt so hohen Produktionskosten geriet der Film zum veritablen Flop. Viel Zeit, das hierzulande wettzumachen, hat die Grüne Laterne nicht: Mit Captain America landet in drei Wochen bereits der nächste Superheld auf der Kinoleinwand.

Comicverfilmung: USA 2011, 120 Min., von Martin Campbell, mit Ryan Reynolds, Blake Lively, Peter Sarsgaard, Mark Strong, Tim Robbins

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