Spitzenspiel

Auch Leverkusen kann Union nicht schlagen

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Für Jordan Siebatcheu, Stürmer von Union Berlin, ist bei Leverkusens Torwart Lukas Hradecky Endstation.

Für Jordan Siebatcheu, Stürmer von Union Berlin, ist bei Leverkusens Torwart Lukas Hradecky Endstation.

Foto: JOHN MACDOUGALL / AFP

Union bleibt trotz der Nullnummer gegen Bayer Leverkusen auf Champions-League-Kurs. Trainer Fischer: „Das war ein gewonnener Punkt.“

Berlin.  Die berühmte Frage, ob dieses torlose Unentschieden für Union Berlin nun ein Punktgewinn oder zwei verlorene Zähler seien, wussten die Profis des Berliner Fußball-Bundesligisten kaum eindeutig einzuschätzen. „Zu Null zu spielen gegen eine so offensivstarke Mannschaft ist schon eine Auszeichnung“, sagte Robin Knoche. Als Abwehrchef kommt er um diese Aussage praktisch gar nicht herum.

Dann ist da Sheraldo Becker, seines Zeichens Stürmer von Union Berlin, und mit ihm ein nicht ganz so positives Urteil über das 0:0 gegen Bayer Leverkusen am Sonnabend. „Wir haben uns nicht belohnt, hätten ein, zwei Tore machen müssen“, sagte Becker. Er selbst hatte sich immer wieder in gute Positionen gespielt.

  • Union Berlin hatte gegen Bayer Leverkusen nur 37 Prozent Ballbesitz
  • Mittelfeldspieler Andras Schäfer feiert in der 69. Minute sein Comeback bei Union Berlin
  • Union Berlin liegt weiter acht Punkte vor Conference-League-Platz sechs

Schließlich versuchte sich Trainer Urs Fischer an einer Analyse. „Meine Mannschaft hat das über 90 Minuten sehr gut gemacht. Gerade dieses Umschaltspiel von Leverkusen konnten wir neutralisieren. Von daher bekommt die Mannschaft ein dickes Lob. Auf Grund der Art und Weise ist es ein gewonnener Punkt.“

Union Berlin stellt Vereinsrekord ein

Union Berlin hat den Vereinsrekord von 21 Bundesliga-Heimspielen in Folge ohne Niederlage eingestellt. Und was die Champions-League-Träume an der Alten Försterei angeht, so ist dieses Remis gegen die „Werkself“ ohne Zweifel ein kleiner Rückschlag angesichts der Siege der Verfolger SC Freiburg (1:0 beim 1. FC Köln) und RB Leipzig (1:0 gegen die TSG Hoffenheim).

Für das ausgerufene Ziel – erneute Teilnahme am internationalen Wettbewerb – war dieser eine Punkt gegen Leverkusen Gold wert. Union hat als Tabellendritter die Leverkusener (Rang sechs) mit acht Punkten auf Distanz gehalten. Soll heißen: Zumindest die Europa League ist bei nur noch vier ausstehenden Spielen und zwölf zu vergebenen Punkten zum Greifen nah.

Kompakt und organisiert sollte die Mannschaft agieren. Das hatte Trainer Fischer seinen Spielern mit auf den Weg gegeben. „Auch Restverteidigung wird ein Thema sein. Es braucht kurze Abstände, du musst da sein, um zu unterstützen“, sagte Fischer im Vorfeld.

Viel läuft bei Union Berlin über Sheraldo Becker

Nur eines sollte nicht passieren, so der Union-Coach: „Wenn wir beginnen, abwartend zu spielen, hat uns das noch nie geholfen. Wir tun gut daran, von der ersten Minuten an aktiv im Spiel zu sein und uns auch mit dem Ball etwas zuzutrauen.“

Union agierte organisiert und solidarisch. Und der Tabellendritte traute sich auch etwas zu. Mit Jordan Siebatcheu als Ersatz für den gelbgesperrten Kevin Behrens, ansonsten lief das gleiche Team auf, das vor einer Woche bei Borussia Mönchengladbach 1:0 gewonnen hatte.

Unaufgeregt, aber hellwach beim Verteidigen des eigenen Tores, dafür umso explosiver nach Ballgewinnen, wenn es in Richtung des Leverkusener Kastens ging. Viel lief dabei erwartungsgemäß über Sheraldo Becker, der von Bayers Odilon Kossounou geblockt (8.) wurde und dessen Flanke drei Minuten später Siebatcheu nur knapp verfehlte (11.).

Rönnow rettet Union Berlin das Remis

Leverkusen? Erstaunlich abwartend, wenngleich fußballerisch klar überlegen. Florian Wirtz, Mitchel Bakker, natürlich Moussa Diaby, dahinter Ex-Unioner Robert Andrich als aggressive leader wussten zu wirbeln. Und sie kamen zu Chancen durch Diaby, einmal von Witz in Szene gesetzt (17., Haberer hatte den Ball zuvor an Andrich verloren), einmal von Bakker (32., Jerome Roussillon konnte klären).

Nach dem Seitenwechsel erhöhte Union die Schlagzahl. Aissa Laidouni (48.), Becker (59.) und Siebatcheu (60.), der den gelbgesperrten Kevin Behrens ersetzte, kamen zu Chancen. Ein Tor wollte jedoch nicht gelingen.

Und natürlich legte auch Leverkusen noch einen Gang zu, drückte Union in der Schlussphase an den eigenen Strafraum. Dennoch sprang nur ein Kopfball von Bakker heraus, den Union-Torwart Frederik Rönnow in höchster Not parieren konnte (86.). Es war die größte, weil einzige Chance der Leverkusener, bei denen der Union-Schlussmann eingreifen musste.

Bayer-Coach Xabi Alonso lobt Union Berlin

„Am Ende des Spiels musst du dann auch clever genug und mit einem Punkt zufrieden sein. In der Endabrechnung kann dir so ein Punkt noch helfen“, sagte Fischer zum Abschluss. Sein Abwehrchef Knoche schlug schließlich in dieselbe Kerbe: „Ich habe immer gesagt, jeder Punkt hilft uns.“

Es war kein Geringerer als Bayer-Coach Xabi Alonso, der bei seinem ersten Besuch in der Alten Försterei jene Worte sprach, die aus der Nullnummer einen Punktgewinn für Union machen. „Union hat zu Hause in dieser Saison noch nicht verloren. Wir haben heute gefühlt, warum“, sagte der Weltmeister von 2010.

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